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Ausgabe I/2008 Ausgabe II/2008
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Blogwatch mit BRaIn

von Anja Nachtweide und Katharina Klausner

Alles nur Gezwitscher?!

Eine Mischung aus Chat und SMS, ein Tool welches dem Nutzer 140 Zeichen zur Verfügung stellt, um der Welt mitzuteilen, was man gerade tut. Das ist Twitter.
Aber wo ist der Unterschied zur Statuszeile, welche man in Social Communitys, wie facebook bzw. studiVZ, findet und wie können Bibliotheken dieses neue Trend-Tool einsetzten? Mit dieser Frage beschäftigte sich die bibliothekarische Blogosphäre in den ersten Monaten des Jahres 2009.

Auch Dr. Rudolph Mumenthaler von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich behandelte in seinem Blog diese Fragestellung. Ende Januar verfasste er nach seinen ersten Zwitscherversuchen einen eher skeptischen Eintrag, in welchem die Frage, wofür diese weitere Plattform noch nötig sei, nicht beantwortet werden konnte.
Dass aber auch Zweifler überzeugt werden können, zeigte sich ein knappes Vierteljahr später. In einem weiteren Eintrag („Wozu twittern“ ) beschrieb er seine Wandlung vom Skeptiker zum überzeugten Twitterer. Die Gründe für diese hat er in 4 einfachen Punkten zusammengefasst:

1.Aufbau eines unverbindliches Netzwerk
2.Up to date sein und bleiben
3.Reply and Retweet
4.nützliche Tools, um Twittern individuell zu gestalten

Es stellt sich dennoch die Frage, ob diese Plattform für die Institution Bibliothek, welche ja das Informationsbedürfnis einer größeren Klientel beachten muss, ebenso erfolgreich sein kann wie für den einzelnen Bibliothekar bzw. Wissenschaftler.

„Twittern: Wird da schon wieder die nächste Sau durchs Dorf gejagt?“ fragte sich auch Jürgen Plieninger im Fobikom-Weblog am 27. Februar 2009. Neben einer allgemeineren Erklärung von Twitter beschäftigt er sich auch mit der Anwendbarkeit in Institutionen und im Bildungsbereich.
Auch hier ist durchaus eine gewisse Skepsis zu erkennen, welchen Platz Twitter im Zusammenspiel mit anderen Technologien im Bildungsbereich einnehmen kann und ob es damit gelingt, einen besseren Zugang zu einer spezifischen Zielgruppe zu erlangen.

Bezogen auf diesen Artikel hat sich auch Dörte Böhner auf ihrem Blog bibliothekarisch.de die Frage „Twitter – Etwas für Bibliotheken?“ gestellt. Im Folgenden führt sie zwei Beispiele für die bibliothekarische Nutzung von Twitter auf. So hat die Bibliothek Fachhochschulstudiengänge Burgenland zeitweise ihre Neuerwerbungsliste getwittert. Als weiteres Beispiel wird der Microblog der Library of Congress, auf welchem Hinweise zu bibliotheksrelevanten Artikeln, Ereignissen, Konferenzen etc. gezwitschert werden, dargestellt.
Auch hier wird angegeben, dass Microblogs durchaus ein Nutzen für die Beschleunigung des fachlichen Austauschs haben. Doch auch dieser Artikel endet mit der Frage: „Wie kriegen wir jetzt die Bibliotheksnutzer dazu, diese Angebote auch zu konsumieren/nutzen/dabei mitzuwirken?“
Viele Impulse für die Anwendbarkeit von Twitter, insbesondere in Hinsicht auf das Zusammenspiel mit anderen Angeboten, bietet die anschließende Diskussion, in der man sowohl eine neugierige Freude über das neue Kommunikationsinstrument wie auch eine kritische Auseinandersetzung mit diesen finden kann.

Wer nun selbst einmal twittern möchte und aber nicht so recht weiß, wie er es anfangen soll und was zu beachten ist, dem sei an dieser Stelle das Online-Lernprogramm „13 Dinge“ von Christian Hauschke und Edlef Stabenau ans Herz gelegt. Dieser Blog soll BibliotheksmitarbeiterInnen ermuntern, neue Wege im WWW zu beschreiten und sich mit Technologien des Web 2.0 auseinander zu setzten. In einer Bonusrunde wird dort auch Twitter vorgestellt. Dabei wird dem Leser mit praktischen Hilfen das erste Online-Gezwitscher erleichtert und er wird mit vielen hilfreichen Links zum Thema Bibliothek und twitter versorgt.
Einen Überblick über zwitschernde Bibliotheken und Bibliothekare kann man zu dem auch im LIS Wiki erhalten.

Es bleibt festzuhalten, dass sich bisher noch kein eindeutiger Trend für die Twitternutzung abzeichnen konnte. Die häufigste Nutzungsform besteht bislang im Werben auf die eigenen Blogs der Twitterer, sowie auf Themen, welche diese Autoren nicht in ihrem Blog verarbeitet haben. Die Anzahl der twitternden Institutionen ist derzeit noch sehr überschaubar, wobei zusätzlich angemerkt werden muss, dass sich die Twitteraktivitäten in Aktualität und Frequenz deutlich voneinander unterscheiden.

Am Schluss noch ein kurzer Blick über der großen Teich. Einen Überblick über twitternde Bibliotheken in den USA kann man in einer Unterabteilung der Twitterleague erhalten. Aktuell sind dort beinahe 500 Einrichtungen mit vielen tausend Nutzern, welche die tweets verfolgen, gelistet.

Es bleibt also weiterhin spannend, die Entwicklungen in diesem Bereich zu beobachten.

Vormarsch auf Raten - Der Open Access Rechtsstreit zwischen Ulmer Verlag und der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Am 7. und 8. Oktober 2009 finden an der Universität Konstanz die Open Access Tage statt, und auch sonst scheint Open Access sich durchzusetzen.
In einem Beitrag auf dem „Weblog am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin“ war dementsprechend auch folgendes Statement zu lesen: „Es wird nicht viel Wasser den Fluss hinab fließen, bis Open Access auch in den Geisteswissenschaften weltweit zum Standard wissenschaftlichen Publizierens wird – ganz ohne ,technokratische Machtergreifung’ und äußeren Zwang. Ich als Altertumswissenschaftler brauche schon heute gedruckte Bücher und Open Access – und Verlage mit im Boot, die mir beides ermöglichen.“

In dem Zusammenhang damit wurde Anfang Mai auch das sogenannte Darmstadt-Urteil verkündet, welches einen Rechtstreit zwischen der ULB Darmstadt und einem Verlag beendete.
So war am 13.05.2009 in der Financial Times Deutschland folgende Schlagzeile zu lesen:

„Öffentliche Bibliotheken dürfen ihre Bestände an elektronischen Leseplätzen frei zur Einsicht und zum Ausdrucken anbieten. Die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt gewann jetzt einen Rechtsstreit.“


Das vollständige Urteil kann man hier nachlesen. Interessant ist, dass das Kopieren der Texte auf USB-Sticks etc. aber nach wie vor verboten bleibt.

Ob die getroffenen Regelungen ausreichen, wird auch im IBI-Weblog und im Blog Achivalia bezweifelt: „Medienkompetente wissenschaftliche und private Nutzer kommen heute mit ihrem Laptop als Arbeits- und Schreibmittel in die Bibliothek, und eine Arbeit an elektronischen Leseplätzen ohne Andockmöglichkeit für den eigenen Laptop und wenigstens die Möglichkeit einer einfache Übernahme von Zitaten oder Formeln via Copy and Paste und/oder Screenshots von Dokumentausschnitten oder Grafiken hat nichts mit Bedingungen einer sinnvollen und effizienten wissenschaftlichen Arbeit im digitalen Zeitalter zu tun. Es ist schon ein Witz, dass die elektronischen Leseplätze in der Bibliothek wirklich nur zum Lesen und als Kopiergeräte für Ausdrucke taugen sollen, aber eben gerade nicht zum wissenschaftlichen Arbeiten im digitalen Umfeld mit dem eigenen Laptop, weil Textübernahmen und Annotierungen nur durch Abtippen möglich sind, wobei das Unterbringen doppelten Computer-Equipments ohne ständige Verrenkungen des Halses schon per se eine logistische Meisterleistung darstellen dürfte.“
Die aktuelle Situation stellt aber weder für die Wissenschaft und somit für die Bibliotheken, noch für die Verlage eine befriedigende Lösung dar. Es ist also damit zu rechnen, dass die deutschen Gerichte in der näheren Zukunft noch häufiger über Open Access diskutieren werden.

Der bibliothekarische Alltagswahnsinn – Die Blogfamilie der Stadtbibliothek Solingen

Nicht nur die neusten Entwicklungen in der Bibliotheksszene werden in die Welt hinausgebloggt. Auch der Alltag in einer Stadtbibliothek kann sehr interessant und vor allem unterhaltsam sein. Das beweist der Blog „Büchertage“ von der Solinger Bibliotheksdirektorin Claudia Elsner-Overberg.
Ob lesende Dackel in der Bayrischen Staatsbibliothek, bibliotheksvernarrte Punker, geschäftstüchtige Bibliothekskinder oder einfach nur SEHR kritische Benutzeranfragen: Das Leben der Bibliotheksdirektorin, wie sich Frau Elsner-Overberg in ihrem Blog selbst betitelt, ist angefüllt mit jeder Menge skurriler Episoden. Mit pointierten Formulierungen und einem erfrischend ungekünstelten Schreibstil gelingt es der Autorin, für großes Lesevergnügen zu sorgen.

Dass die Solinger Bibliotheksdirektorin aber noch mehr kann als nur lustig aus dem Nähkästchen zu plaudern, verrät ein Blick auf ihre Homepage. Dort wird neben den Aktionen, mit denen sie besonders die Solinger Kinder- und Jugendbibliothek bereichert hat, auch der mehrfach preisgekrönte Blog jubiso („Lesen, Gucken, Hören“) vorgestellt. Dieser war der erste Bibliotheksblog in Deutschland von Jugendlichen für Jugendliche, wobei auch dort Frau Elsner-Overberg selbst (unter ihrem Vormann Claudia) fleißig mitbloggt. Mittlerweile wurden hier von den ca. 30 jugendlichen Bloggern und der Bibliotheksdirektorin mehr als 700 Beiträge verfasst. Vorgestellt werden darf dort alles, was man „sehen, hören oder gucken“ kann, dabei wurde mit den jugendlichen Autoren vereinbart, dass die Texte selbst verfasst werden müssen und man sie nicht einfach abschreiben darf. Um dennoch die Qualität der Beiträge zu sichern, gibt es zwei Editoren, welche die Texte überprüfen.
Jedoch ist dieser Blog nicht nur als Marketinginstrument nützlich, sondern gibt dem Bibliotheksteam wertvolle Einblicke in das Leseverhalten der jugendlichen Kunden. Auch die Interessenskreise innerhalb der Jugendbibliothek entsprechen nun mehr den Kategorien innerhalb von jubiso. Denn wer sagt denn, dass „Geschichte“ immer „Geschichte“ heißen muss, besonders wenn „Leben damals“ viel spannender klingt.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bibliothek ein großes Interesse daran hat, das Blogteam immer wieder aufs Neue zu motivieren und dafür ab und zu auch mal eine Pizza springen lässt.

Das neuste Kind der Solinger Blogfamilie heißt stabiso („Medientipps aus der Stadtbibliothek Solingen“) und bietet den erwachsenen Nutzern der Stadtbibliothek ein Forum, um Bücher, Musik und Filme vorzustellen.
Anders als beim Jugendblog, an welchem sich jeder Inhaber eines wordpress- Accounts beteiligen kann, ist hier lediglich Bibliothekskunden eine Mitarbeit möglich. Die Gestaltung des Blogs wirkt seriöser und ist auch leicht an das Corporate Design der Stadt Solingen angelehnt.
Denn eins muss beachten werden: Keiner dieser Blogs konnte in den städtischen Webauftritt integriert werden und so laufen sie alle über eine eigene Domain. Damit zeigt sich ein Problem, dass in vielen, besonders öffentlichen Bibliotheken eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema web 2.0 behindert.

Zwar bieten diese Blogs keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Trends, dennoch zeigen sie auf eindrucksvolle Weise, wie öffentliche Bibliotheken das Medium Blog effektiv nutzen können. Besonders der Blog „Büchertage“ zeigt den Blick in eine Bibliothek und die Erlebnisse einer Bibliothekarin, welcher ganz weit weg vom typischen Klischee ist. Dabei wird uns Studierenden einen Bereich des Berufes gezeigt, auf den kein Lehrbuch vorbereiten kann.

| ©2008 FH-Potsdam, FB Informationswissenschaften | Stand: 17.06.2009