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Ausgabe I/2008 Ausgabe II/2008
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Bibliothekartag 2009 – Impressionen

von Anastasia Schadt, Ingo Caesar und Dierk Eichel

Abb. 1: Besucheransturm auf die Zukunftswerkstatt
Abb. 1: Besucheransturm auf die Zukunftswerkstatt
Abb. 2: Besucheransturm die Zweite
Abb. 2: Besucheransturm die Zweite
Abb. 4: Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt
Abb. 3: Podiumsdiskussion Zukunftswerkstatt
Abb. 5: Fabienne Kneifele
Abb. 4: Fabienne Kneifele
Abb. 6: Sebastian Wilke
Abb. 5: Sebastian Wilke
Abb. 7: Vergleich der aktuellen eBook-Reader
Abb. 6: Vergleich der aktuellen eBook-Reader
Abb. 8: Teil der Orga-Gruppe
Abb. 7: Teil der Orga-Gruppe
Abb. 9: Frau Georgi, Chefin der KIBA
Abb. 8: Frau Georgi, Chefin der KIBA
Abb. 10: Präsentationsvorbereitung der Genfer
Abb. 9: Präsentationsvorbereitung der Genfer
Abb. 11: Vortrag der Genfer I
Abb. 10: Vortrag der Genfer I
Abb. 12: Vortrag der Genfer II
Abb. 11: Vortrag der Genfer II
Abb. 13: Prof. Dr. Hobohm über Data Librarian
Abb. 12: Prof. Dr. Hobohm über Data Librarians
Abb. 14: Alumni der FH Potsdam im Goldenen Schwan
Abb. 13: Alumni der FH Potsdam im Goldenen Schwan

"Die Bibliotheken gehen spielen" - Wir spielten mit!

Wer mit offenen Augen das Messegelände erkundete, konnte viel Spannendes entdecken. Die KIBA-Lounge bot leckere Kirschen und Berichte von Studierenden und Alumni verschiedener Hochschulen. Es gab den Newcomertreff mit Postern rund um das Thema „Ein Blick über den Tellerrand!“, nette Gespräche bei Monsenstein und Vannerdat, Kaffee und bequeme Möbel bei Schulz Speyer, diverse Selbstverbuchungsautomaten zum Ausprobieren und vieles mehr. Und natürlich traf man irgendwann auch auf die Zukunftswerkstatt. Mit X-Box und Wii-Station zog sie die Vorbeiziehenden in ihren Bann. Hatte man erst einmal das Parallelprogramm von Jin Tan, Julia Bergmann und Christoph Deeg, den InitatorInnen der Zukunftswerkstatt, in der Hand, war klar: Das ist spannend, hier möchte man ein Weilchen länger bleiben. Das eigentliche Programm geriet schon bald in Vergessenheit.

Gleich am ersten Tag lud die Zukunftswerkstatt nicht nur zu Vorträgen am Stand, sondern auch zur Podiumsdiskussion im großen Panoramasaal ein. Mit interessanten Gästen wie Claudia Lux (Direktorin Zentral- und Landesbibliothek Berlin), Gabriele Beger (Direktorin Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg),  Malte Behrmann (Geschäftsführer des Bundesverbandes der Entwickler von Computerspielen) und Willi Schroll (Technologieanalyst, freier Strategieberater und Zukunftsforscher) wurde die Bedeutung von Games, dem Web 2.0 und modernen Techniken in Bibliotheken erörtert. Pro und Contra von Computerspielen wurden aufgezeigt und Fragen wie „Sind Games in Bibliotheken ein Trend oder nicht?“, „Handelt es sich dabei um ein vollwertiges Kulturgut?“ oder „Kann man gemeinsam daran arbeiten, dass Bibliotheken die Möglichkeit bekommen, Games langfristig zu archivieren, ohne Urheberrechte zu verletzen?“ diskutiert. Man wurde sich nicht in allen Punkten einig, allerdings war man einhellig der Meinung, dass Bibliotheken sich mehr trauen und ausprobieren müssen, um Trends rechtzeitig erkennen zu können und um für NutzerInnen attraktiv zu bleiben.

Tags darauf wurde ein Dauerprogramm interessanter Vorträge direkt am Stand der Zukunftswerkstatt geboten. Sebastian Wilke machte den Anfang und berichtete von seiner Zeit in den Staaten und seinen Praktika in der New York Public Library und der Library of Congress. Dabei brachte er uns die amerikanische Arbeitsweise in Bibliotheken ein wenig näher. Es folgte Spannendes zum Web 2.0 von Fabienne Kneifel, Anne Christensen, Lambert Heller, Patrick Danowski u.a. Sie alle erklärten uns, warum sie das Web 2.0 nutzen und warum Bibliotheken es Ihnen nachtun sollten. Christoph Deeg bot einen augenöffnenden Vortrag zu Marketing in Bibliotheken und Prof. Dr. Hans Christoph Hobohm beschrieb ein Projekt seiner Studierenden zum Thema Trends und Trendforschung. Dabei erklärte er auch, dass Web 2.0 schon gar kein Trend mehr sei und man zur Zeit eher auf Themen wie Ökologie und Green-IT setzten könne. Abschließend sprach Jin Tan darüber, wie Handyromane zur Zeit in Japan boomen. Dabei handelt es sich um Texte in kurzen und einfachen Sätzen, die ihre Verbreitung über das Mobiltelefon finden und erst später eventuell in Printform erscheinen.

Diese und zahlreiche weitere Beiträge mehr kann und sollte man sich nachträglich über Youtube anschauen. Außerdem stehen die Folien der Vorträge in Slideshare und die am Stand gemachten Fotos in Flickr online. Dieser Service bietet eine wunderbare Möglichkeit, Verpasstes nachzuholen oder Beiträge, die einem besonders gefallen haben, noch einmal anzuschauen. Außerdem wird durch diese Diensten natürlich denjenigen, die nicht in Erfurt sein konnten, eine tolle Gelegenheit geboten, sich das Programm zu Gemüte zu führen. Bei dem umfangreichen Angebot wäre dies eine wünschenswerte Dienstleistung für den gesamten Bibliothekstag und natürlich auch für andere Konferenzen und Tagungen.
Vor, nach und während der Beiträge wurde diskutiert, was das Zeug hielt. Leute kamen vorbei und blieben, aufmerksam geworden durch die Parallelveranstaltungen, Spielekonsolen und zappelnden Wii-Spieler, neugierig stehen. Viele wollten wissen, was es mit diesem Stand auf sich hatte, ließen sich die eBook-Reader erklären, diskutierten über Web 2.0, Spiele und die neusten Entwicklungen in der Bibliothekswelt. Viele kamen wieder, teils um Gespräche erneut aufzugreifen, teils zum Twittern oder Bloggen, oder einfach zum Entspannen und Spielen.  Spaß hatten auf jeden Fall alle, die die Zukunftswerkstatt besuchten und die meisten zogen um einige Erkenntnisse reicher weiter.

KIBA-Lounge

Die Lounge der „Konferenz der informations- und bibliothekswissenschaftlichen Ausbildungs- und Studiengänge“ wurde dieses Mal von StudentInnnen der FH Potsdam betrieben. Acht KommilitonInnen aus dem 4. und 6. Semester (der Bachelorstudiengang nennt sich „library management“, der Diplomstudiengang  „Bibliothek“) organisierten schon Wochen im Vorfeld das Programm, druckten Flyer und Poster, machten die KIBA-Lounge publik. Sie waren es auch, die den Stand auf dem Bibliothekstag auf- und wieder abbauten. Diese sogenannten Lounger betreuten während der drei Tage liebevoll die Gäste  und dekorierten, mit viel Gefühl für die Kleinigkeiten, die Lounge mit Blümchen, Kirschen (nächstes Mal gibt’s vielleicht auch Bananen) und Süßigkeiten.
Zum zweiten Mal auf dem Bibliothekstag, bot sich die KIBA-Lounge all denjenigen als Gastgeberin an, die sich keine eigene Präsenz leisten wollten oder konnten. Ob als Party-Meile für die Alumni-Treffen von Köln, Hamburg oder Hannover mit Sekt, Keksen und Luftballons oder als informativer Beratungsort für Leipzig, Genf und Potsdam, es war eine lockere Atmosphäre mit vielen Menschen in angeregter Unterhaltung. Und auch die LIS-Corner war zu Gast. Als Netzwerk vieler StudentInnen aus dem deutschsprachigen Library und Information science (LIS) -Bereich bot sich hier die ideale Gelegenheit, sich auch mal persönlich zu treffen und natürlich auch, um Pläne für die zukünftige Entwicklung der LIS-Corner zu schmieden.
Die AutorInnen möchten an dieser Stelle allen LoungerInnen für die aufopferungsvolle Arbeit danken und Ihnen ein dickes Lob aussprechen. Vielen, vielen Dank!

Was sonst noch so ging

Weitere interessante Beiträge waren der Vortrag von Curtis Rogers: "Social Media, Libraries, and Web 2.0: How American Libraries are Using New Tools for Public Relations and to Attract New Users", der eindringlich zeigte, dass ein toller Webauftritt mit minimalen Mitteln zu erreichen ist, dass es aufregend sein kann, Web 2.0 Anwendungen in der eigenen Bibliothek auszuprobieren, aber auch, dass diese Anwendungen so funktionieren wie Haustiere: Man muss sie pflegen, sich um sie kümmern, ihnen Nahrung und Zuneigung geben, damit sie wachsen und gedeihen können.

Für alle One Person Libraries (OPLs) und -librarians interessant war sicherlich der alljährlich stattfindende OPL-Workshop, der diesmal von Dr. Jürgen Plieninger eingeleitet wurde, der aus seinem Bibliotheksalltag berichtete. Er präsentierte einen kurzen, auch historischen Abriss des OPL-Managements, wies auf die Unterstützung hin, die die OPL-Kommision des BIB (Berufsverband Information Bibliothek) allen OPLs gibt, wenn sie dieser bedürfen. Herr Plieninger wies auf alle wesentlichen Bestandteile einer qualifizierten OPL-Arbeit hin: Leitbild, Mission Statement, Beachtung der OPL-Checklisten, das Profil der Bibliothek scharf halten, Umfragen und Statistiken nicht vernachlässigen etc. Man muss verdeutlichen, dass die Nutzer die Bibliothek wertschätzen, Führsprecher gewinnen, Rahmenbedingungen erkennen und ausweiten. Neue Dienste sollten ohne viel „Tamtam“ eingeführt und getestet werden. Wichtig in kleinen Bibliotheken ist besonders die Erfolgsdarstellung (Jahresbericht, Newsletter, Statistiken). Herr Plieninger betonte, dass die Geschichte der OPLs auch immer eine Geschichte des Downsizings und der Bibliotheksschließung war und ist. Man könne letztendlich eine Schließung nicht verhindern, aber man kann darauf hinarbeiten, dass man in solchen Momenten viele Fürsprecher hat, dass man wichtige Dienstleitungen aufzeigen kann und dass man wichtige Multiplikatorinnenarbeit nach innen und nach oben leistet. Am Ende wurde das Bild vom Generalisten Robinson um das Bild vom lachenden Sisyphos ergänzt: Der Stein, den er immer wieder den Berg hochrollt, kann durch gute Arbeit etwas runder werden, so dass es leichter fällt, ihn zu bewegen - die Arbeit wird dann hoffentlich leichter und zugleich besser.

Eine weitere interessante Veranstaltung war das völlig überfüllte Panel zu dem Thema "Hinter den Kulissen einer Suchmaschine - optimierte Recherche durch Integration, Innovation und Kooperation". Hier wurden unter anderem diverse Konzepte zur Suche in verschiedenen Repositorien in Vascoda oder Sowiport aufgezeigt. Es ging um verschiedene Protokolle, um das Mapping von Thesauri und Schlagwortlisten, um Metadata-Harvesting und um IT-Infrastrukturen. So wurde etwa der von der GESIS entwickelte Heterogenitätschecker vorgestellt. Dieses Tool hat  bei einer Sowiport Suche die Aufgabe, dass man über einen bestimmten Suchbegriff etliche andere sinnverwandte Begriffe mitsuchen kann. Technisch umgesetzt wurde dieses durch sogenannte Krosskonkordanzen: Etwa vierzehn Thesauri wurde so miteinander verbunden (gemappt), das die sinnverwandten Wörter der verschiedenen Thesauri in Übereinstimmung gebracht werden können. Sucht man etwa nach dem Term "Politik", kann man eine Option einschalten, die den "Heterogenitätschecker" aktiviert: So wird automatisch auch nach den Begriffen "Policy" und "Politics" gesucht. Weiteres Highlight, diesmal aus dem Bereich der Öffentlichen Bibliotheken, war der Bericht der Stelle Medienkonvergenz Monitoring zum Thema „Der Spieler - Veränderungen in der Medienwelt Heranwachsender“, vorgestellt durch Prof. Dr. Hartmut Warkus. Kernaussage war hier, dass TV und Radio für Jungendliche zunehmend langweilig werden. Das gilt  besonders im Musikbereich: PC, MP3-Player und Handy sind total in. Auch die Anwendung von Social-Networks für die Gruppe der Jugendlichen wurde betont: Schüler-VZ laufe bei allen PC-Tätigkeiten permanent im Hintergrund, so Warkus.

Prof. Dr. Hobohm, Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften der FH Potsdam, stellte uns einen neuen Typus von BibliothekarIn vor, den "Data Librarian" (Wir verwenden diesen Begriff geschlechtsneutral). Anstatt mit Büchern hantiert dieser mit Daten. Diese sogenannten Rohdaten sind das Produkt meist jahrelanger Forschung von WissenschaftlerInnen aus allen möglichen Bereichen. SozialforscherInnen erheben Umfragen, GeologInnen sammeln Gesteinsproben und PhysikerInnen notieren Messwerte. Sie erzeugen neues Wissen und publizieren es in Fachzeitschriften. Die Daten allerdings, die die Grundlage dieses Wissenserwerbs bilden, werden meist vergessen. Mit der zunehmenden digitalen Erfassung der Rohdaten wird auch der weltweite Zugriff über das Internet möglich. Da oft Unmengen an solchen Daten erzeugt werden, sehen sich die potenziellen NutzerInnen einer wahren Datenflut gegenüber. Genau hier kommt der/die BibliothekarIn ins Spiel mit ihren altbewährten Tugenden vom Sammeln, Zugänglichmachen und Erhalten, nämlich als Schnittstelle zwischen den WissenschaftlerInnen, welche die Daten erzeugen und denjenigen, die diese Daten etwa für ganz andere Bereiche nutzen möchten. Der Data Librarian sammelt die digitalen Daten in geeigneter Weise, macht sie über eindeutige Identifikatoren über das Internet bequem zugänglich und kümmert sich auch um deren Langzeitarchivierung. So ist uns InforamtionswissenschaftlerInnen das Aufgabenspektrum des Data Librarian durchaus vertraut. Er benötigt aber auch eine spezielle Anpassung an das „neue Medium“ DATA. Und mit der Ausbreitung des Konzepts des „open data“ kann er zugleich einem Lieblingsthema der BibliothkarInnen nachgehen: OPEN ACCESS.

Abgerundet ...

... wurde der Besuch des Bibliothekstag durch insgesamt trockenes Wetter mit einem schönen und heiter-fidelen Alumni-Treffen der Potsdamer InformationswissenschaftlerInnen im Goldenen Schwan am Mittwoch Abend. Wie immer diente die Veranstaltung vor allem dem regen Austausch und dem Knüpfen neuer Kontakte. Unseres Erachtens lassen sich als Fazit drei Besonderheiten herausstellen:
Öffentlichkeitsarbeit und Bibliotheksmarketing wurden verstärkt als die Kernaufgabe von Bibliotheken wahrgenommen. Der sinnvolle Umgang mit Web 2.0-Anwendungen in Bibliotheken hat sich zum Mainstream entwickelt.
Die Welt wird zukünftig verstärkt über Games erfahrbar werden. Dabei bleiben die Bibliotheken am Ball.

Allerdings war es etwas traurig, dass bei der Preisverleihung zum studentischen Ideenwettbewerb der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) "Lebendige Lernorte" die innovative Gruppe der "Grünen Bibliothek" nicht prämiert wurde. Das Vorurteil vom verstaubten Altherrentreffen fanden wir nicht bestätigt. Uns begegneten durchaus viele junge und fortschrittliche BibliothekarInnen und es war schön zu sehen, wie die klischeebehaftete Bibliothekswelt ihre Fühler ausstreckte und offen für Neues war. Denn auch im eigentlichen Programm konnte man interessante, zukunftsorientierte Themen wie z.B. Web 2.0 in öffentlichen Bibliotheken, Bibliotheksdienste für soziale Netzwerke oder Open Data und Open Access finden. Wir wünschen uns mehr Stände wie die Zukunftswerkstatt für den Bibliothekskongress in Leipzig 2010 und hoffen dort wieder auf innovative, spannende und fortschrittliche Beiträge.



Über die AutorInnen

Anastasia Schadt studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam. Sie ist Mitorganisatorin der diesjährigen KIBA-Lounge und Mitinitiatorin der  LIS-Corner.




Ingo Caesar studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam und unterstützte die Arbeit der Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekstag.


Dierk Eichel studiert im 6. Semester am Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam. Er ist Mitorganisator der diesjährigen KIBA-Lounge und Mitinitiator der LIS-Corner.

 


Alle drei AutorInnen sind aktive BloggerInnen und InitiatorInnen des coolen Bibliotheksblogs "BibliothekarInnen sind uncool".

| ©2008 FH-Potsdam, FB Informationswissenschaften | Stand: 17.06.2009