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Groningen-Bericht

Groninger Neueste Nachrichten

von Julia Ernst

08. November 2008

Berlin Hauptbahnhof, 08:15 Uhr: Verwunderte Blicke seitens der vielen Berufspendler, die die Rolltreppe zum Gleis drei mit müden Augen herunterkommen: Die erste Sitzgruppe des Bahnsteigs ziert ein großer Haufen Rucksäcke, um den sich offensichtlich müde, aber dennoch freudig erregte junge Leute tummeln. Die Blicke der Beobachter schweifen zur Anzeigetafel und die Verwunderung auf den Gesichtern wandelt sich in nickendes Wissen: Zielort ist Schiphol (Airport), über Amsterdam Zuid. Die jungen Menschen scheinen Studenten zu sein, die eine Studienfahrt nach Holland zu tätigen gedenken. Glückwunsch, denkt der eine seufzend, während der andere sich schaudernd seiner gezahlten Steuergelder erinnert.

Groninger Fischmarkt
Ansicht der Groninger Altstadt

Berlin Hauptbahnhof, 08:15 Uhr: Verwunderte Blicke seitens der vielen Berufspendler, die die Rolltreppe zum Gleis drei mit müden Augen herunterkommen: Die erste Sitzgruppe des Bahnsteigs ziert ein großer Haufen Rucksäcke, um den sich offensichtlich müde, aber dennoch freudig erregte junge Leute tummeln. Die Blicke der Beobachter schweifen zur Anzeigetafel und die Verwunderung auf den Gesichtern wandelt sich in nickendes Wissen: Zielort ist Schiphol (Airport), über Amsterdam Zuid. Die jungen Menschen scheinen Studenten zu sein, die eine Studienfahrt nach Holland zu tätigen gedenken. Glückwunsch, denkt der eine seufzend, während der andere sich schaudernd seiner gezahlten Steuergelder erinnert.

Die Studenten der FH Potsdam ihrerseits werten die neugierigen Blicke großzügig als Neid. Schließlich befinden sie sich tatsächlich dabei, während des Semesters eine Exkursion in fremde europäische Gefilde zu starten, um damit dem vorangegangenen Besuch der holländischen Studenten Rechnung zu tragen.
Zielort ist zwar nicht Schiphol und auch nicht Amsterdam, dafür jedoch Groningen, welches so bedeutende Menschen wie Nico Rost, einen bekannten Schriftsteller und vehementen Vertreter des Antifaschismus hervorgebracht hat. 180.000 Einwohner stellen die Bevölkerung der Stadt, 60 % davon sind Studenten, die eine der zwei ortsansässigen Universitäten besuchen. Diese Zahl erklärt die Vorfreude der Potsdamer Studenten, die auf eine Mischung zwischen Studium und Urlaub eingestellt sind.

08:39 Uhr: Der Zug fährt ein, und sofort ist der Waggon Nummer 39 fast vollständig sowohl belegt als auch belebt. Lediglich auf einem der letzten freien Plätze sitzt ein älterer Herr, dessen sich langsam dunkelrot verfärbendes Gesicht zeigt, dass er zwischenzeitlich begriffen hat, welches Schicksal ihm seitens der Deutschen Bahn die nächsten sechs Stunden zugedacht wurde.

15:31 Uhr: Nach einer angenehmen Fahrt erreicht die Reisegruppe den Bahnhof Groningen. Hier warten bereits Studenten der Hanze Universität Groningen, um die deutschen Studenten zu ihren Unterkünften zu begleiten.

18.00 Uhr: Der Klassiker: Man trifft sich mit der versammelten Mannschaft vor dem Kino Groningens und macht sich auf, die holländische haute cuisine zu kosten um sich im lockeren Rahmen bekannt zu machen bzw. wiederzuerkennen .
Die haute cuisine entpuppt sich als Italiener, der mittels gigantischen Portionen und quasi Geschmacksexplosionen den Gaumen zu befriedigen weiß. Außerdem wird so ein Wiedererkennungseffekt der Gäste herbeigeführt, heimatliche Erinnerungen an Abende beim Italiener mit Freunden, das Unterbewusstsein wartet mit Assoziationen auf, und schon ist er da, der lockere Rahmen, und es entspannen sich interessante Gespräche. Später wird es noch lockerer, die einen ziehen ihr Bett vor, während die anderen noch das Nachtleben Groningens erkunden möchten.

09. November 2008

Kulinarisches in Goningen
Kulinarisches in Groningen

Da der Sonntag stets latent von dem Wort „Kultur” begleitet wird, steht der Sonntagvormittag genau unter diesem Stern: die wunderschön beschauliche Altstadt Groningens mit ihren für die Niederlande so typischen Grachten wird mit Vergnügen je nach Belieben erkundigt. Um 16.00 Uhr wird sich wieder vor dem Groninger Kino in der Gruppe zusammengefunden. Um zuerst der Lockerheit erneut Raum zu schaffen, wird Pool gespielt, um dann später wieder eine Lokalität auf Speisen, Arbeitskräfte und Nervenkostüme zu testen. Hierbei muss dringend erwähnt werden, dass es sich bei erwähnter Lokalität um das „Pannekookenship” handelt, welches besonderen Status bei den Einwohnern Groningens genießt. Serviert wurden überraschenderweise Pfannkuchen.

10. November 2008

10:00 Uhr: Nachdem 50 % der Erwartungen bereits zu vollster Zufriedenheit erfüllt sind, ist es an der Zeit der anderen Hälfte Platz einzuräumen. Das Groninger Kino dient wieder als Treffpunkt, und gemeinsam tritt man die Fahrt gen Hanze Universität an. Ein Vergleich mit der FH Potsdam / Standort Friedrich-Ebert-Straße ist in diesem Fall nicht ratsam. Die Universität Hanze weiß bereits in der Eingangshalle neben Café und Bistro mit architektonischem Charme zu begeistern, wobei man natürlich auch der FH Potsdam zumindest einen geschichtlichen Charme nicht absprechen kann.

10:30 Uhr: Eine energiegeladene, hochmotiviert wirkende Frau empfängt uns. Linda Ashcroft, Vertreterin des informationswissenschaftliche Fachzeitschriften publizierenden Verlages Emerald. Mrs Ashcroft möchte mit den Studenten einen Workshop durchführen, in dessen Verlauf die Studenten sowohl theoretisch als auch praktisch lernen sollen, wie informationswissenschaftliche Artikel zu verfassen und zu publizieren sind. So teilen sich nach einer theoretischen Einleitung die Studenten in international gemischte Gruppen auf, und arbeiten ein selbstgewähltes Thema aus, um es später vor der gesamten Gruppe zu präsentieren. Linda Ashcroft wird den ihrer Nation zugeschriebenen Stärken der immerwährenden Höflichkeit und Freundlichkeit absolut gerecht und gestaltet einen überaus interessanten Workshop, und bietet den Studenten darüber hinaus bei Interesse ihre Mithilfe beim Verfassen eines Artikels in der Zukunft an.

18.00 Uhr: An einem geheimen Ort trifft die Gruppe zusammen, um sich in der Fremde weiter in kulinarische Abenteuer zu stürzen.

11. November 2008

10.00 Uhr: Erneut steht ein Workshop auf dem Programm. John Jenkins, der Indiana Jones der Hanze Universität, Globetrotter in spe, veranstaltet einen sehr guten Workshop mit dem Thema „International Competence”. Hier wird der Schwerpunkt auf die womöglich vorhandenen kulturellen Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland gelegt. Sehr effizient ist die Auswertung des Studentenaustausches zwischen der Hanze Universität und der FH Potsdam. Sowohl die niederländischen als auch die deutschen Studenten entwickeln jeweils in einer Arbeitsgruppe Rück- und Ausblicke für das Projekt. Die Groninger Studenten bemängeln die lange Anfahrtszeit nach Berlin bzw. von Berlin nach Potsdam, und auch das in der Mensa der FH Potdam ausgegebene Essen scheint nicht unbedingt neue Verehrer gefunden zu haben. Auf das Schloss Sanssouci ist jedoch wie immer Verlass, es weiß zu begeistern. Auch die Workshops, das Hostel und die Altstadt treffen den Geschmack.

Campus der Hanze Universität
Campus der Hanze Universität

Die Potsdamer Studenten ihrerseits beklagen sich über die doch recht teuren Unterbringungen, und hätten sich einen zügigeren Gruppenbildungsprozess gewünscht. Die Universität jedoch schindet definitiv Eindruck, und auch die Workshops werden sehr gelobt. Es wird vorgeschlagen, in Zukunft eine Campusbesichtigung mit in das Programm aufzunehmen.

13:00 Uhr: Der Besuch in Groningen neigt sich dem Ende zu. Da man nie weiß, wann die Apokalypse eintrifft, versorgen sich die meisten noch mit einer Stärkung und Proviant, dann wird die Heimreise angetreten. Die Zugfahrt ist erfüllt mit rückblickenden, überaus positiven Gesprächen und etwaige Auslandssemester in Groningen werden eifrig in Erwägung gezogen.

Berlin Hauptbahnhof, 21:06 Uhr: Verwunderte Blicke seitens der Wartenden am Gleis sechs: Aus dem Waggon Nummer 24 des IC schleppt sich eine Gruppe müde, aber zufrieden aussehender junger Menschen. Der Blick der Passanten schweift zur Anzeigetafel: Schiphol — Berlin Hauptbahnhof, über Amsterdam Zuid. Alles klar, wird wissend und mit unverhohlenem Neid genickt.

| ©2008 FH-Potsdam, FB Informationswissenschaften | Stand: 19.12.2008