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Die Phantastische Bibliothek Wetzlar

von Franziska Hörold

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Die Phantastische Bibliothek Wetzlar ist fest mit der „phantastischen“ Tradition ihres mittelhessischen Heimatortes, die jährlich in den „Tagen der Phantastik“ mit Preisverleihung gipfelt, verbunden. Dieser Artikel geht aber auch auf Standort, Gründung, Finanzierung und Aufgaben ein, bevor abschließend die Frage nach dem „Besonderen“ dieser Bibliothek gestellt und beantwortet wird.

Standort der phantastischen Bibliothek

Die weltweit größte öffentlich zugängliche phantastische Bibliothek befindet sich im Herzen der Stadt Wetzlar. Wetzlar liegt mit 53.000 Einwohnern als Oberzentrum, Hauptsitz der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises und wichtiges Industrie- und Handelszentrum in Mittelhessen und hat einen Sonderstatus innerhalb des Kreises. Die Stadt übernimmt Aufgaben des Landkreises und gleicht damit in vielen Dingen einer kreisfreien Stadt. Unmittelbar östlich grenzt sie an die Universitätsstadt Gießen und mit dem Umland bilden sie einen Ballungsraum. Die Stadt ist geprägt von einer historischen Altstadt mit einem Dom, bedeutenden Museen sowie einer 750 Jahre alten Lahnbrücke. Die jährlichen kulturellen Höhepunkte in Wetzlar sind die „Wetzlarer Festspiele“ und die „Tage der Phantastik“1. Die Lage ist somit optimal für eine außergewöhnliche Bibliothek wie die Phantastische Bibliothek geeignet.

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Die Gründung

Ins Leben gerufen wurde die Phantastische Bibliothek Wetzlar vom damaligen Wetzlarer Oberbürgermeister Walter Froneberg 1987, die Eröffnung fand jedoch erst im Jahre 1989 statt. Auf Grund des schnellen Wachstums der Bibliothek und ihrem großen Zuspruch von der Öffentlichkeit wurde sie ein Jahr später als eigenständige Abteilung der Stadtverwaltung unter Leitung der Diplom-Bibliothekarin Bettina Twrsnick eröffnet. Nach nur sechs weiteren Jahren zog die Bibliothek in ein größeres Gebäude im Stadtzentrum von Wetzlar um, welches ein großer Drache zierte.

Das Zentrum für Literatur

2001 wurde dann die Gemeinschaftseinrichtung „Zentrum für Literatur“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und des staatlichen Schulamtes gegründet. Hierbei handelt es sich um ein hessenweit einmaliges Projekt, welches zum größten Teil mit Landesmitteln, zusätzlicher Unterstützung des Lahn-Dill-Kreises sowie durch Mittel der regionalen Wirtschaftsverbände finanziert wird. Das „Zentrum für Literatur“ möchte mit Hilfe von Wissensvermittlung über Literatur und Leseförderung die besonders begabten und die schwächeren Schüler fördern. Die Leseförderung beginnt hierbei bereits im Kindergarten, beispielsweise mit Bücherkisten, und geht weiter über die Grundschule bis hin zu Literaturkursen in der Oberstufe. Des Weiteren bietet es Aktivitäten im Bereich Schulkooperation, Lehrerfortbildung und Lehrerausbildung an2.

Im letzen Jahr zog die Phantastische Bibliothek dann in ein 15.000 qm großes Gebäude um, wobei es sich ursprünglich um das ehemalige Stadtbauamt von Wetzlar handelt.

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Die Tage der Phantastik

Dieses neue Gebäude hat in Hinblick auf die „Tage der Phantastik“ der Stadt Wetzlar den Vorteil, dass diese nun im Gebäude der Phantastischen Bibliothek ausgerichtet werden können und somit die Tagungslogistik für die Bibliothek einfacher wird, und die Tagungsteilnehmer in den Pausen in den Beständen stöbern können. Die seit 1981 stattfindenden „Tage der Phantastik“ richten sich an ein breites, heterogen zusammengesetztes Publikum auch über den wissenschaftlichen Bereich hinaus und haben zum Ziel, den Literaturbereich mit anderen Disziplinen zu verknüpfen. Jährlich finden in diesem Rahmen Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Diskussionen statt, wobei am Ende ein Tagungsband erstellt und herausgegeben wird mit den Ergebnissen dieser Tagung.

Der Preis der Phantastik

Im Rahmen der „Tage der Phantastik“ Wetzlar wird der „Preis der Phantastik“ der Stadt Wetzlar seit 1983 jährlich verliehen. Hierbei wird die beste deutschsprachige Originalveröffentlichung beziehungsweise Geschichte innerhalb der phantastischen Literaturgenres, die zwischen dem 1. April des Vorjahres und dem 31. März des laufenden Jahres erschienen ist, ausgezeichnet. Juroren sind 14 Wetzlarer Bürger aus Bibliotheken und Buchhandlungen, der Stadtverwaltung, Presse und Rundfunk sowie Leser ohne bestimmten beruflichen Hintergrund, wobei man „keine elitären Fachleute wie Literaturkritiker [ausgewählt hat] um näher am Publikumsgeschmack zu liegen“3. Dieser Preis ist seit 2002 mit 4.000 Euro dotiert.

Finanzierung

In den Jahren 1992 bis 2006 wurde die Phantastische Bibliothek durch die von Le Blanc gegründete Phantastik-Stiftung gefördert. Le Blanc ist ein engagierter Kenner der phantastischen Szene, Kritiker, Herausgeber zahlreicher Anthologien deutscher Phantastik und Autor von Essays und Erzählungen. Diese Stiftung wurde im Jahr 2006 durch die neugegründete „Phantastische Bibliothek Wetzlar“-Stiftung bürgerlichen Rechts abgelöst, die ein Stiftungskapital von 400.000 Euro aufweist, welches aus dem privaten Vermögen von 19 Stiftungsmitgliedern stammt4. Des Weiteren wird die Phantastische Bibliothek durch Spenden und Nachlässe, mit Hilfe eines Schriftentausches mit Universitäten aus dem In- und Ausland sowie durch kostenlose Buchexemplare von zahlreichen Verlagen finanziert.

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Fußnoten

1 Vgl. dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Wetzlar

2 http://www.phantastik.eu

3 Phantastik-Preis Wetzlar / fictionfantasy.de http://www.fictionfantasy.de/load.php?name=News&file=article&sid=2681

4 Schneidewind: Stiftung „Phantastische Bibliothek Wetzlar“ gegründet / In: Vampyr-Journal http://www.vampyrjournal.de/phastift.htm#bild

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letzte Aktualisierung: 5. Juli 2008