Startseite > Ausgabe 1 > Projekt: „Wetterbibliothek“

Seite 1/4
nächste Seite

Projekt: „Wetterbibliothek“

von Steffi Schulz

Diesen Artikel als pdf

Das Fachgebiet der Meteorologie ist mit ca. 100 Jahren noch relativ jung. Um dieses Wissen langfristig auch für spätere Generationen zu bewahren, ist das Projekt „Wetterbibliothek“ ins Leben gerufen worden. Als Spezialbibliothek ist sie sowohl für die Fachöffentlichkeit zugänglich, als auch für die Allgemeinheit. Im folgenden wird das Projekt in Planung und Ausführung gezeigt, aber auch Ziele, Perspektiven und Funktionen beleuchtet.

Zur Entstehung der Idee

Die Meteorologie hat eine über hundertjährige Entwicklung durchlebt. Sowohl historische Instrumente als auch historisch bedeutende Dokumente zu Messverfahren, Forschungsaktivitäten und Weichenstellungen sind mehr und mehr der Gefahr ausgesetzt, als kulturelles Erbe verloren zu gehen. Ab den 90ern entstand die Idee, ein Wettermuseum am Meteorologischen Observatorium Lindenberg zur Sicherung der historischen Bestände aufzubauen. Diese Idee wurde 2002 wieder aufgenommen und führte zur Gründung des Wettervereins e.V., der sich der Umsetzung des Projekts widmete. Im Jahr 2003 konnte dann das Grundstück des historischen Ballonhauses für 5000 DM erworben werden. Schließlich konnte die baufällige Ballonhalle mit Hilfe des Fernsehsenders RBB durch die 96-Stunden-Aktion des Programms „Zibb“ und der Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wieder instand gesetzt werden. Am Ende der Aktion (am Abend des 22.03.2007) konnte das Wettermuseum in die restaurierte Ballonhalle einziehen.

Doch schon zwei Jahre zuvor meinte Cornelia Lüdecke, die Vorsitzende des Fachausschusses &bdqou;Geschichte der Meteorologie“ (FAGEM) der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG):

...Es wäre sicherlich sehr gut, wenn man das Projekt nicht als reines Museum aufziehen würde, sondern ... als Begegnungsstätte mit dem Wetter mit Vortragsreihen, Kursen für Interessierte, Ferienkurse (Thema Umwelt?) für Kinder ... Da gäbe es sicherlich viel anzubieten...

ˆˆˆ

Zum Projekt

Der Aufbau einer Wetterbibliothek ist ein elementarer Bestandteil des Gesamtvorhabens „Errichtung und Betrieb eines Wettermuseums“1. Diese Wetterbibliothek soll in Lindenberg entstehen, da dies ein bedeutsamer Standort einer über 100-jährigen Forschung am dortigen Richard-Assmann-Observatorium ist. Es gibt weder im Land Brandenburg, noch bundesweit eine bibliothekarische Einrichtung für die breite Öffentlichkeit, die sich auf meteorologische Bestände spezialisiert hat und auch historische Dokumente der Geschichte der Meteorologie sammelt und bewahrt. Es gibt zwar diverse Umweltbibliotheken (siehe Tabelle), die einen meteorologischen Teilbestand haben, aber diese sammeln entweder vorwiegend für wissenschaftliche Zwecke (wie die Bibliothek des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach), oder besitzen nur einen kleineren, wenig systematisierten Teilbestand bzw. haben in anderen Fachgebieten ihren Schwerpunkt gesetzt.

Die Daseinsberechtigung der geplanten Wetterbibliothek bestätigt indirekt auch Cornelia Lüdecke mit den Worten: „...Der Aufbau einer Bibliothek und eines Archives bietet sich an, da immer mehr Meteorologennachlässe zur Disposition stehen. Sie enthalten nicht nur Bücher, sondern z.T. auch hochinteressantes Material für die Geschichte der Meteorologie, für die es bisher noch keine Auffangstelle gibt.“ (Siehe Abbildung 1)

Die Wetterbibliothek soll daher fachspezifisch und zielgruppenorientiert aufgebaut werden und nahe dem bedeutenden Standort des Meteorologischen Observatoriums Lindenberg (MOL - jetzt Richard-Assmann-Observatorium) des Deutschen Wetterdienstes zu finden sein.

ˆˆˆ

„Wetterbibliothek“ - Vorschlag einer Definition

Die Wetterbibliothek ist eine öffentliche, der Allgemeinheit zugängliche2, spezialisierte Umweltbibliothek auf den Fachgebieten Meteorologie und Klimaforschung. Aufgabe ist die Sammlung, Erschließung, Bereitstellung, Vermittlung und Bewahrung der Medien, die der Ausrichtung entsprechen (Monographien, Fachzeitschriften, Graue Literatur und historische Dokumente der Wetterforschung und Klimatologie, elektronische Medien und Online-Angebote der eigenen Einrichtung und vielleicht anderer Institutionen). Darüber hinaus wirkt die Wetterbibliothek als interaktives Kommunikations- und Informationszentrum und bietet ein Diskussionsforum zu spezifischen, fachbezogenen Fragen der Wetterkunde und der Klimaentwicklung zielgruppenorientiert an.

ˆˆˆ

Fußnoten

1 www.wettermuseum.de

2 Dies ist bei der Bibliothek des DWD nicht der Fall, die man nur nutzen kann, wenn man Angehöriger des DWD ist oder gerade seine Magisterarbeit in der Meteorologie schreibt.

Seite 1/4
nächste Seite

ˆˆˆ

Abbildung 1

letzte Aktualisierung: 6. Juli 2008