ISSN: 1867-6189

Interview mit den Studiengangsleitern

Für welchen Studiengang sind Sie an der Fachhochschule Potsdam hauptsächlich verantwortlich und welche Themen unterrichten Sie?

Prof. Dr. Jank: Ich bin verantwortlich für den Studiengang »Bibliotheksmanagement«. Meine Lehrgebiete: Allgemeine Informationsmittel, Wissenschaftliches Arbeiten, Formale Erschließung, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising, Informationsmittel Geisteswissenschaften, Vermittlung von Informationskompetenz
Prof. Dr. Poetzsch: Ich bin für den Studiengang »Information und Dokumentation« verantwortlich und unterrichte gegenwärtig die Lehrgebiete Information Retrieval (Grundlagen und Methoden), Wirtschaftsinformation, Naturwissenschaftlich-technische Information, Fachbezogenes Information Retrieval mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Naturwissenschaften sowie IuD-Infrastrukturen.
Prof. Dr. Walberg: Ich bin tätig in den Bereichen Diplom/B.A. Archiv und Master Archivwissenschaft. Die Themen sind: Archivwissenschaft (Archivtypologie, Archivmanagement, Archivische Erschließung) und Fachinformation Geschichte/Editionen

Inwiefern unterscheidet sich eine Diplomarbeit von einer Bachelorarbeit?

Prof. Dr. Jank: Was den wissenschaftlichen Standard anbelangt, unterscheiden sich Diplom- und Bachelorarbeit nicht. Für die Bachelorarbeit ist allerdings eine kürzere Bearbeitungszeit vorgesehen.
Prof. Dr. Poetzsch: Es gibt keine wesentlichen Unterschiede zwischen einer Diplomarbeit und einer Bachelorarbeit. Hinsichtlich Inhalt und Form müssen sowohl Diplomarbeit als auch Bachelorarbeit den Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit entsprechen. Ein Unterschied der Bachelorarbeit besteht in der gegenüber der Diplomarbeit (leider) verkürzten Bearbeitungszeit.
Prof. Dr. Walberg: Eine Bachelorarbeit unterscheidet sich von einer Diplomarbeit durch die Bearbeitungszeit und daher auch durch die Länge, nicht aber in Hinsicht auf die Wissenschaftlichkeit, Eigenständigkeit etc.

Welche Bewertungskriterien kommen zur Anwendung?

Prof. Dr. Jank: Wie schon gesagt: die Arbeit muss sowohl in inhaltlicher wie auch in formaler Hinsicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.
Prof. Dr. Poetzsch: Es gibt sehr viele Kriterien, die in unterschiedlichem Maß in die Bewertung eingehen. Die Gewichtung der Kriterien hängt auch vom Charakter der Arbeit ab, so dass es nicht möglich ist, diese Bewertungskriterien hier im Einzelnen aufzuzählen.
Die wesentlichen Kriterien werden über die inhaltliche Bearbeitung des Themas definiert, wozu u. a. der Gesamtaufbau der Arbeit, die stringente und logische Bearbeitung des Themas, die Genauigkeit der Untersuchungen, die Arbeit mit Informationsquellen u. v. a. m. gehören; aber auch Kriterien der sprachlichen Bearbeitung, der vorschriftsmäßigen Zitierungen und der Darstellungsform gehen in die Bewertung ein.
Prof. Dr. Walberg: Bewertungskriterien sind Sprache, äußere Form, Aufbau, Wissenschaftliche Erschließung, Eigenständigkeit.

Welche Rolle wird die Abschlussarbeit nach Abschluss des Studiums spielen?

Prof. Dr. Jank: Die Absolventen und Absolventinnen können sich damit eventuell gegenüber Mitbewerbern auf Stellen profilieren. Aber sicher spielen in einem Bewerbungsverfahren zahlreiche Kriterien für die Auswahl eine Rolle, und die Abschlussarbeit ist ein Kriterium – meiner Ansicht nach aber ein sehr wichtiges.
Prof. Dr. Poetzsch: Da die Absolventen sich mit dem Thema und der Note ihrer Bachelorarbeit bewerben, spielt die Abschlussarbeit eine große Rolle, zumal viele Studierende direkt nach dem Abitur mit dem Studium beginnen und daher in den Bewerbungsunterlagen neben den Praktikumszeugnissen und der Notenübersicht der Note der Abschlussarbeit eine große Bedeutung zukommt. Ich möchte diese Aussage durch ein Zitat belegen, das einer E-Mail entnommen ist, die ich gestern von einer Absolventin des Studiengangs »Dokumentation« erhielt: »Die Idee, in der Pharmabranche zu arbeiten, wurde nicht zuletzt durch Ihren Themenvorschlag für meine Diplomarbeit (Medizinische Information – Datenangebot und Datennutzung) gestärkt.«
Prof. Dr. Walberg: Die Abschlussarbeit ist für die Absolventen der wichtigste Nachweis neben Praktikumsergebnissen und Abschlussnote.

Wie finde ich ein Thema für meine Abschlussarbeit?

Prof. Dr. Jank: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann – angeregt durch das Praxissemester – ein Thema in Kooperation mit der Praxis bearbeiten, man kann sich aber auch ein eher theoretisches Thema suchen. Herr Hobohm hat in seinem Wiki eine umfangreiche Themenliste mit Themen für Abschlussarbeiten. Ich habe einen Fragebogen entwickelt, den Studierende, die mich als Erstgutachterin wählen, zunächst ausfüllen müssen. Aufgrund der individuellen Angaben erarbeite ich dann im Gespräch mit den Studierenden ein auf sie und ihre besonderen Interessen zugeschnittenes Thema, es ist eine Art »Coaching«. Es sollte ja auch Spaß machen, sich mehrere Wochen intensiv mit einem Thema zu befassen und wenn man sich mit einem Thema identifiziert, arbeitet man umso lieber daran – so meine Erfahrung.
Prof. Dr. Poetzsch: Es gibt viele Möglichkeiten der Themenfindung. Dazu gehören u. a.:
Gespräche mit den Dozenten, die z. B. Listen mit möglichen Themen zur Verfügung stellen oder mit den Studierenden mögliche Themen erarbeiten; Themen von Hausarbeiten, die Ausgangspunkt für eine intensivere Bearbeitung im Rahmen der Bachelorarbeit sein können; Kontakte, die aus Praktika und studentischer Tätigkeit resultieren; Angebote von Institutionen, die sich zum Teil aus langjährigen Kontakten der Dozenten zu den Institutionen ergeben; Öffentliche Ausschreibungen von Themen; Recherche in Datenbanken und Bibliothekskatalogen, um Anregungen zu erhalten u. a. m.
Ich persönlich führe mit jedem Studenten/jeder Studentin, die bei mir ihre Abschlussarbeit schreiben möchte, ausführliche Gespräche über mögliche Themen und meine Anforderungskriterien.
Prof. Dr. Walberg: Die Themenfindung kann mit Hilfe von Seminararbeiten, die Sie interessiert haben und die sich ausweiten lassen, erfolgen. Außerdem können Themen aus dem Praktikum, dem Studium der Fachliteratur und Beratungsgesprächen mit Dozenten hilfreich sein.

Welche Hilfsmittel können bei der Themenwahl für die Abschlussarbeit in Frage kommen?

Prof. Dr. Jank: Sich die Arbeiten früherer Jahrgänge anschauen, in denen vielleicht auf weitere noch nicht bearbeitete Aspekte eines Themas hingewiesen wird, aktuelle Literatur lesen, sich dadurch anregen lassen, Forschungsprojekte
Prof. Dr. Poetzsch: Diese Frage habe ich bereits im vorangegangenen Abschnitt beantwortet.
Prof. Dr. Walberg: Mögliche Hilfsmittel sind Fachliteratur, Fachtagungsergebnisse und Forschungsprojekte.

Inwiefern können Erfahrungen aus dem Praxissemester bei der Themenfindung helfen?

Prof. Dr. Poetzsch: Es gab in der Vergangenheit stets Themen für Diplomarbeiten, die sich aus den Praktika ergeben hatten und so wird es auch für die Themen der Bachelorarbeiten sein.
Prof. Dr. Walberg: Es ist sehr häufig der Fall, dass Erfahrungen aus dem Praxissemester bei der Themenfindung helfen.

Wie kann man Praxispartner für die Abschlussarbeit finden? Welche Besonderheiten treten bei dieser Art der Erarbeitung der Arbeit auf?

Prof. Dr. Jank: Man sollte vor allem im Praxissemester die Augen offen halten. Wenn man neben dem Studium als studentische Hilfskraft in einer Bibliothek arbeitet, kann man vielleicht auch ein spannendes Thema entdecken, Man kann mit den Professoren reden, oft erhalten diese Angebote aus der Praxis mit dem Wunsch nach Kooperation. Ein Praxispartner hat in der Regel natürlich besondere Erwartungen an eine Arbeit, dann gilt es einen Ausgleich zu finden zwischen den Ansprüchen des betreuenden Professors und denen des Praxispartners.
Prof. Dr. Poetzsch: Wie bereits gesagt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Praxispartner zu finden. Dazu gehören u. a. die Kontakte aus den Praktika und studentischen Jobs, die Vermittlungen über Kontakte der Dozenten, die eventuelle Mitarbeit an Projekten während des Studiums u. a. m.
Prof. Dr. Walberg: Praxispartner können auf Fachtagungen, durch das Studium der Fachliteratur und durch Beratung von den Dozenten gefunden werden. Der externe Partner sollte engen Kontakt zum FHP-Betreuer der Arbeit suchen.

Wird bis zum Ende des Studiums für die ersten Bachelorabsolventen an der Fachhochschule Potsdam ein konsekutiver Masterstudiengang angeboten werden? Inwiefern sind Inhalte des Studiengangs »Archiv« dabei vertreten?

Prof. Dr. Walberg: Der Master wird angeboten werden ab Mitte 2011 und er wird als integrativer Studiengang integrative ABD-Themen anbieten. Bitte erwarten Sie aber keinen »Archiv«-Studiengang als Fortführung der klassischen archivarischen Inhalte. Der Fachbereich plant rechtzeitig eine Infoveranstaltung, um dafür zu werben.