ISSN: 1867-6189

Von Giraffen in Bibliotheken

Im Programm des Bibliothekartags 2018 standen einige Bibliotheksbesichtigungen zur Auswahl. Die Kurzbeschreibungen hatten mein Interesse an der veterinärmedizinischen Bibliothek der Freien Universität Berlin geweckt. So kam es dazu, dass für mich die Tagung bereits Dienstag früh in Düppel, und nicht wie für die meisten, erst gegen Mittag im Estrel begann.

Eingang der veterinämedizinischen Bibliothek der FU Berlin (Foto: Catharina Tschishkow)

Eingang der veterinämedizinischen Bibliothek der FU Berlin (Foto: Catharina Tschishkow)

Insgesamt waren wir 9 Teilnehmer aus den verschiedensten Bibliotheken, 2 Bibliothekare aus Bern, die, wie wir zum Ende der Führung erfahren haben, die veterinärmedizinische Bibliothek in ihre humanmedizinische Bibliothek integrieren werden, desweiteren interessierten sich 2 Bibliothekarinnen von der TU München und ein Bibliothekar aus Wien für diesen Ort. Die Führung übernahm der Leiter der Bibiliothek Herr Dr. med. vet. Tobias Ripp M.A. (LIS). Kurz zu seiner Person, er hat sein Tierarztstudium in Düppel absolviert und damals schon zeitweise in der Bibliothek gearbeitet, entwickelte also so gesehen eine gewisse Verbundenheit. Später erlangte er seinen Master im Bereich der Library and Information Science und übernahm 2013 die Leitungsposition.

Die umgebaute Reithalle (Foto: Catharina Tschishkow)

Die umgebaute Reithalle (Foto: Catharina Tschishkow)

Teil des Bestandes in der oberen Etage (Foto: Catharina Tschishkow)

Teil des Bestandes in der oberen Etage (Foto: Catharina Tschishkow)

„Seit 1998 nutzt die Bibliothek des Fachbereichs Veterinärmedizin das Gebäude, das 1983 als Reithalle für den Studentischen Reiterverein erbaut worden war. Der Vorgängerbau, die „Deutsche Reithalle“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts, war 1982 vollkommen niedergebrannt.“ (siehe Geschichte der Bibliothek)

Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sieht aus wie eine klassiche Universitätsbibliothek, doch schaut man genauer hin entdeckt man immer mehr spezifische Besonderheiten, so stehen z.B. am Eingang Vitrinen mit verschiedensten Präparaten. In dieser Bibliothek nichts ungewöhnliches, denn für Studium und Lehre ist es erforderlich das die Studierenden Tiere und deren Bestandteile zu Lernzwecken untersuchen können. Mit Präparaten und Modellen ist dies am ehesten zu erfüllen. Auf der oberen Etage, hinter den Regalen erstreckt sich entlang der gesammten Länge der Bibliothek, die Arbeitsplätze mit reichlich Steckdosen und Lampen. Wie Herr Dr. Ripp uns berichtete, sei das Gebäude auch für Architekten und Fotografen sehr interessant und durchaus gefragt. Ebenfalls auf der oberen Etage befinden sich die Gruppenlernräume und der VetSkillsNet Raum, in dem Studierende, an einem eigenst entwickelten Latexmodell verschiedene Nähtechniken und Knoten ausprobieren können.

Beispiel einer Vitrine in der Bibliothek, hier z.B. Hufe und Klauen von verschiedenen Tieren (Foto: Catharina Tschishkow)

Beispiel einer Vitrine in der Bibliothek, hier z.B. Hufe und Klauen von verschiedenen Tieren (Foto: Catharina Tschishkow)

Um auf den Titel zurückzukommen, JA in dieser Bibliothek steht eine Giraffe! Um genau zu sein das Skelett der Giraffe Rieke, welche “ […] im Besitz des Zoologischen Gartens Berlin war und zu den Publikumslieblingen der Besucher zählte. Sie war das einzige evakuierte Tier, das nach dem Zweiten Weltkrieg in den Berliner Zoo zurückkehrte.“ (Wikipedia Artikel zu Rieke)

Giraffe Rieke (Foto: Catharina Tschishkow)

Giraffe Rieke (Foto: Catharina Tschishkow)

Immer wieder findet man in der Bibliothek Anspielungen auf Tiere und den Tierarztberuf. So sind  z.B. am Neuerwerbungsregal, am Lesesaal und bei der Lehrbuchsammlung immer wieder Schilder zu finden, die von Tieren „gehalten“ werden. Auch an den Wänden erkennt man die Liebe zu dem Beruf.

Neuerwerbungsregal (Foto: Catharina tschishkow)

Neuerwerbungsregal (Foto: Catharina tschishkow)

Anspielungen wie diese gibt es mehrere (Foto: Catharina Tschishkow)

Anspielungen wie diese gibt es mehrere (Foto: Catharina Tschishkow)

Im Erdgeschoss gibt es eigens einen Raum für Eltern mit Kindern, wie wir erfahren haben, wird dieser aber meistens von Studierenden zum Schläfchen halten genutzt. Einladend ist er auf jeden Fall.

Raum für Eltern und Kinder (Foto: Catharina Tschishkow)

Raum für Eltern und Kinder (Foto: Catharina Tschishkow)

Nach der Bibliothek selbst erkundeten wir mit Hernn Dr. Ripp noch den Campus Düppel und bekamen die Gelegenheit in einen Teil der Klinik, um genau zu sein die Tierklinik für Fortpflanzung. Auch dort arbeiten die Lehrenden mit verschieden Modellen, wir hatten die Möglichkeit im Nutztier Skills Lab vorbei zu schauen, die Tierärztin die uns dort empfing hatte eine kleine Aufgabe für uns vorbereitet. Anhand eines Kuhmodells sollten freiwillige beschreiben was sie ertasten und fühlen, so wie es auch von den Studierenden abverlangt wird.

Aufgabe: Was können Sie ertasten? (Foto: Catharina Tschishkow)

Aufgabe: Was können Sie ertasten? (Foto: Catharina Tschishkow)

Auflösung: es war ein Buch! (Foto: Catharina Tschishkow)

Auflösung: es war ein Buch! (Foto: Catharina Tschishkow)

Als kleinen Scherz hatte die Tierärztin für die Bibliothekarführung ein Buch mit dem Titel „Die klinische Untersuchung des Rindes“ in der Kuh versteckt.

Auch hier können Studierende verschiedene Nahttechniken, Kaiserschnitte oder ähnliches üben (Foto. Catharina schishkow)

Auch hier können Studierende verschiedene Nahttechniken, Kaiserschnitte oder ähnliches üben (Foto. Catharina schishkow)

Schnell wurden dann aus den angesetzten 90 Minuten Führung gute zweieinhalb Stunden, aber wann hat man schonmal die Möglichkeit als Bibliothekar*in bis zur Schulter in einer (Modell-)Kuh zu stecken?!

Auch Tierärtze haben Humor!! (Foto: Catharina tschishkow)

Auch Tierärtze haben Humor!! (Foto: Catharina tschishkow)

Mein kleines Highlight war die Kombination von diesem Parkplatzschild und dem Nummerschild des Autos ;) Falls also irgendwann nochmal die Möglichkeit besteht diese Bibliothek zu besuchen, kann ich es nur empfehlen! Sehr speziell aber auch unheimlich interessant.