ISSN: 1867-6189

Stadtgeschichte Riga

Dieser Artikel behandelt die Stadtgeschichte Rigas, der Hauptstadt Lettlands.

 

Gründung:

Die Entstehungsgeschichte bzw. der Ursprung der Stadt Riga liegt in dem ehemaligen Fischerdorf „Liv“ oder „Latgal“. Dieses lag ungefähr am heutigen Albertplatz nahe der Mündung der beiden Flüsse „Daugava“ und „Ridzene“. Das damalige Fischerdorf wurde schon vor der eigentlichen  Gründung Rigas als Handelszentrum genutzt, hauptsächlich von skandinavischen und russischen Kaufleuten und Händlern. Aus diesem Fischerort und einer von Handelsleuten gegründeten Siedlung nahe des Ortes entstand die Stadt Riga.

Gegründet wurde die Stadt Riga vom Erzbischof Albert von Buxhoeveden im Jahr 1201. Albert von Buxhoeveden fungierte zusätzlich als Stadtherr. Bei der Namensgebung verhalf der naheliegende Fluss „Ridzene“. Den Namen nutzte der Erzbischof und leitete daraus den auch heute gültigen Namen Riga ab. Der Fluss „Ridzene“ existiert jedoch heute nicht mehr; er wurde schon vor vielen Jahrhunderten trockengelegt und zugeschüttet.

Riga entwickelte sich zunehmend zum Handelszentrum und gewann weiter an Bedeutung, zudem lag dort der Sitz der Erzbischöfe der Region. Im Gründungsjahr 1201 ließ Erzbischof Albert von Buxhoeveden eine deutsche Festung bauen, diese war die erste deutsche Festung des Baltikums. Sie sollte als Zentrum für die Missionierung der Heiden dienen. Kurz darauf siedelten sich viele deutsche Bischöfe in Riga und Umgebung an. Der Erzbischof und Stadtherr gründete darüber hinaus einen Schwertbrüderorden in Riga. Mit dessen militärischer Hilfe und den zur Verfügung stehenden Rittern wollte er die Macht über Livland erlangen.

Einwanderung deutscher Kaufleute:

Nach der Ansiedlung weiterer Deutscher – meist aus Norddeutschland – entwickelte sich die schon für den Handel bekannte Region zu einem der wichtigsten Handelszentren. Gerade beim Austausch von Waren zwischen Ost und West spielte Riga eine große Rolle.

Im Jahre 1282 trat Riga in die Hanse ein. Die Hanse war eine Vereinigung niederdeutscher Händler und Kaufmänner. Sie existierte zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert, ihre Ziele waren die Sicherung von Überfahrten und die Wahrung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen.

1354 wurde die Große Gilde der Kaufleute im Schwarzhäupter Haus gegründet. Das Schwarzhäupter Haus liegt auf dem Rathausplatz, es diente hauptsächlich deutschen Kaufleuten für gemeinsame Besprechungen und wurde zum regen Austausch von Informationen genutzt. Der architektonische Stil des Gebäudes entsprach den schon zuvor existierenden Artushöfen.

Luthertum in Riga:

1522 wechselte Riga zum Luthertum. Dies hatte zur  Folge, dass die erzbischöfliche Macht in der lettischen Hauptstadt endete. Der zu dieser Zeit regierende Erzbischof Wilhelm von Brandenburg dankte im Jahre 1561 ab. Er war der letzte Erzbischof der Stadt.

Von 1561 und 1581 war Riga 20 Jahre lang autonom. Dies war das Ergebnis eines fortschreitenden Prozesses des Zusammenbruchs des Ordensstaats. Im Jahr 1581 regierte der polnische König über Riga, nachdem sich die Bevölkerung unterwarf.  Zirka 40 Jahre später regierte Schweden über Riga, die Schweden übernahmen die Herrschaft im Jahr 1621. Zu dieser Zeit erlebte die Stadt ein erhebliches Wachstum der Bevölkerungszahl und wuchs erstmals über ihre Stadtmauern hinaus.

Durch den von Johannes von Gutenberg entwickelten Buchdruck konnte die erste lettische Bibel im Jahre 1698 gedruckt werden.

Russland regiert Riga:

Nach dem großen nordischen Krieg im Jahre 1710 erlangte Russland die Macht über Riga. Die Stadt entwickelte sich trotz der zahlreichen Unruhen und des Krieges stetig. Die lettische Hauptstadt gewann erneut zunehmend an Bedeutung als Handelszentrum.

1796, nachdem sich Riga dem russischen Zarenreich anschloss, regierte Peter der Große über die Handelsstadt. Er ließ den bedeutenden Hafen weiter aufwendig ausbauen, der sich daraufhin zum wichtigsten russischen Hafen für den Handel und den Austausch von Gütern entwickelte. Einige Jahre später, zwischen den Jahren 1850 und 1900, stieg die Bevölkerungszahl Rigas erneut merklich an.

Industrie in Riga:

Industrielle Produktionsstätten von Gütern wie Metall, Gummi, Autoreifen, Waggonbau, Textilien, Tabak und alkoholischen Getränken siedelten sich zwischen 1900 und 1918 an. Diese unterschiedlichen Industriezweige entwickelten sich stetig. Die angesiedelten Industrien waren für die Stadt von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Gleichzeitig siedelte sich auch die Elektroindustrie in Riga an und wurde wie schon existierende Industriezweige ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Auch die Bevölkerungszahl stieg weiter rasant an. Das Ende der Leibeigenschaft der Bauern trug zum sprunghaften Anstieg der Einwohner Rigas bei, da sie sich in großer Zahl in Riga ansiedelten.

Rigas Leiden unter 1. und 2. Weltkrieg:

Während des Ersten Weltkriegs brach der Aufschwung Rigas zusammen. Das rege Treiben der Stadt kam zum Erliegen. Die Bevölkerung litt sehr unter den Folgen des Krieges. Durch die direkte Nähe zur Frontlinie des Krieges entlang des Flusses Daugava war Riga dem Zentrum der Kämpfe äußerst nah. Die Zahl der Bevölkerung sank während des Krieges auf ca. 180.000 Einwohner. Nach der deutschen Besetzung riefen die Letten erstmals am 18.11.1918  die Unabhängigkeit der Republik Lettlands aus.

Die Stadt fand langsam zur Normalität zurück und das Leben entwickelte sich in Riga. Nach dem polnisch-sowjetischen Friedensvertrag 1921 entwickelte sich die Stadt äußerst positiv. Dieser Aufschwung hielt jedoch nicht lange an.  In den 30 Jahren forderten die Russen Riga auf, sich gegen den deutschen Nationalsozialismus zu verbünden. Dieser Aufforderung kam Riga nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 gezwungener Weise nach. Deutschstämmige Einwohner siedelten sich wieder in Deutschland an.

Russland nahm die Stadt 1940 ein, um das strategisch wichtige Gebiet zu kontrollieren. Doch schon ein Jahr später im Jahre 1941 übernahm Deutschland wieder die Kontrolle über die Region. Die deutsche Besetzung hielt bis 1944 an. Die jüdischstämmige Bevölkerung hatte unter den grausamen Verbrechen besonders zu leiden. Sie musste in einem jüdischen Ghetto leben, in dem sie während deutscher Besetzung ermordet oder deportiert wurden.

Nach dem Ende des Krieges übernahm die Sowjetunion wieder die Kontrolle über Lettland. Riga wurde zwangsweise eine sozialistische Sowjetrepublik.

Unabhängigkeit Rigas:

Erst im Jahre 1990 wurde  die zweite Unabhängigkeitserklärung  Lettlands ausgerufen. Doch dies wollte Russland bzw. die Sowjetunion nicht zulassen. Um eine Unabhängigkeit zu verhindern, besetzten sie 1991 das lettische Parlamentsgebäude in Riga. Erst am 21.08.1991 erlangte Lettland die Unabhängigkeit zurück.

Sieben Jahre später wurde 1998 die geschichtsreiche und historische Altstadt Rigas zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. 2001 feierte die Stadt ihr achthundertjähriges Jubiläum, zu diesem Ereignis feierte Riga ein großes Stadtfest.

Im Jahre 2014 wurde Riga zur Kulturhauptstadt gekürt. Der Titel „Capital of Culture“ wurde von der EU vergeben. Die Europäische Union vergibt jedes Jahr an zwei Städte den Titel „Capital of Culture“. Die Bedingung, die daran geknüpft ist lautet, dass einer der Europäischen Mitgliedstaaten ein neues Mitglied der EU sein muss.

Riga im 21. Jahrhundert:

Im derzeitigen Jahr (2017) findet ein großes Stadtfest unter dem Motto „Riga – Stadt der Gärten und Parks“ in der lettischen Hauptstadt statt. Das Stadtfest bietet verschiedene kulturelle Events, die sich über die ganze Stadt verteilen. Vor allem in den Parks und Gartenanlagen Rigas gibt es viele Open-Air-Veranstaltungen. Dies sind zumeist Aufführungen und Konzerte, zudem werden viele Bauern ihre frischen Produkte anbieten und zusammen mit Kunsthandwerkern ihre Waren auf Märkten zum Kauf anbieten.

Quellen:

1.) Goruma: „Stadtgeschichte“.URL:https://www.goruma.de/Staedte/R/Riga/Stadtgeschichte.html [Stand: 20.06.2017]

2.) Baltikum-Tours: „Riga – Lettlands quirlige Hauptstadt“. URL:https://www.baltikum-tours.de/infos/riga.html [Stand:20.06.2017]

3.) Lettland Guide: “Geschichte von Riga” URL: http://www.lettland-guide.de/staedte/geschichte-von-riga/  [Stand:20.06.2017]

4.) Nordic promotion: „Riga – Stadtgeschichte“. URL:    http://www.kulturhauptstadt2014.de/riga_ge_riga.html [Stand:20.06.2017]

5.) Arbeitsgemeinschaft für politische Bildung  im Hochtaunuskreis: „Das Baltikum – gestern und heute: Litauen, Lettland und Estland vom 25. Juli bis 4. August 2011“ URL: http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/AuL_HTK.Studienreise_BALTIKUM_2011.pdf [Stand:20.06.2017]

6.) NORDISCH.info Media UG: „Geschichte Riga in chronologischer Reihenfolge“ URL: http://www.vialatvia.de/staedte/riga/info-riga/historie.html [Stand:20.06.2017]

7.) Leo,S.(2016): „Blühendes Lettland Riga: Eine Stadt auf der Überholspur“       http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.bluehendes-lettland-riga-eine-stadt-auf-der-ueberholspur.2fe4e5c0-b987-47d9-a2d6-99acb3959a6d.html [Stand:20.06.2017]

8.) Rigaer Büro für Tourismusentwicklung „Stadtfest Riga 2017“ http://www.liveriga.com/de/9487-stadtfest-riga-2017 [Stand:20.06.2017]