ISSN: 1867-6189

Wissenschaftliche Bibliotheken in Riga

Lettland sollte es also sein. Wie die Bibliotheken dort wohl aussehen? Gibt es Unterschiede, Gemeinsamkeiten zu unseren Bibliotheken? Wo besteht in den lettischen Bibliotheken unter Umständen Verbesserungsbedarf, was können wir uns abgucken? Noch bevor wir uns diesen Fragen ausgiebig widmen konnten, war es bereits soweit. Über Riga, der Hauptstadt Lettlands, welcher wir schon bald einen Besuch abstatten würden, sowie dem dortigen Bibliothekswesen stand für die meisten von uns noch immer ein großes Fragezeichen.

 

Library for Natural Sciences der Library of University of Latvia

Mittwoch, 14.06.2017. Tag der Ankunft. Heute soll gleich die erste der beiden wissenschaftlichen Bibliotheken genauer unter die Lupe genommen werden. Auch unsere Erschöpfung vom Flug kann die vielseitigen Eindrücke nicht mindern. Der von außen recht unscheinbar wirkende Kasten verbirgt im Inneren wahre Schätze. Hierbei geht es jedoch weniger um kostbare Bücherschätze wie bei einer Bibliothek vermutet werden könnte. Die Bibliothek der Universität Lettlands soll an erster Stelle Raum zum Arbeiten und zur Interaktion bieten, der Fokus liegt mehr auf den neuen digitalen Medien und technischem Equipment als nur auf anfassbaren Büchern.

Außenansicht Bibliothek (Foto: Marius Michaelis)

Außenansicht Bibliothek
(Foto: Marius Michaelis)

Eingangsbereich (Foto: Sophie Schneider)

Eingangsbereich Bibliothek
(Foto: Sophie Schneider)

Man sieht es dem Gebäude und Inventar schon an, dass es bislang nicht viel Widerstand leisten musste. Die Bibliothek zog erst 2014 endgültig hier ein. Moderne Möbel und aktuelle technische Ausstattung wie ausleihbare Laptops sowie Informationsbildschirme an jeder Ecke mit Tipps oder Dozenten-Empfehlungen zu den neuesten E-Books machen die Bibliothek für ihre Zielgruppe sehr attraktiv. Wer sich zuerst bei einem Kaffee entspannen oder unterhalten möchte, der kann es sich in der hauseigenen Cafeteria gemütlich machen. Vielleicht fällt der eine oder andere Student auf dem Rückweg sogar noch über ein Buch. Denkt man jedoch an das Konzept des Dritten Ortes, so ist dies nicht einmal unbedingt notwendig. Viel wichtiger ist es, dass die Bibliothek ihre Nutzer unterstützt und sich an ihren Wünschen und Anforderungen orientiert. Deshalb stehen in dieser Bibliothek auch Präsenz- und Freihandbestand getrennt voneinander. „Um es den Nutzern so leicht wie möglich zu machen.“ Eine solche Herangehensweise ist definiv ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Kunden weiterhin von der Relevanz von Bibliotheken zu überzeugen.

Café für mehr Aufenthaltsqualität (Foto: Marius Michaelis)

Cafeteria für mehr Aufenthaltsqualität
(Foto: Marius Michaelis)

Viel technische Ausstattung, z.B. Tablets (Foto: Marius Michaelis)

Viel technisches Equipment, z.B. Tablets
(Foto: Marius Michaelis)

Blick in die Bibliothek (Foto: Marius Michaelis)

Blick in die Bibliothek
(Foto: Marius Michaelis)

 

Scientific Library der Riga Technical University

Donnerstag, 15.06.2017. Tag 2. Auch heute steht auf unserem Plan eine wissenschaftliche Bibliothek. Motiviert durch das schöne Wetter kommen wir mit guter Laune vor der Bibliothek der RTU (Riga Technical University) an und werden dort gleich von zwei freundlichen Mitarbeiterinnen begrüßt.

(Foto: Marius Michaelis)

Die Studierenden erreichen die Bibliothek der RTU
(Foto: Marius Michaelis)

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Außenansicht der Bibliothek
(Foto: Marius Michaelis)

(Foto: Sophie Schneider)

(Foto: Sophie Schneider)

Nach einer faktenreichen Kurzpräsentation dieser vielseitigen Bibliothek im bibliothekseigenen Konferenzraum durften wir sie auf eigene Faust erkunden. Dabei erfuhren wir, dass die Bibliothek zu einem späteren Zeitpunkt erweitert und somit deutlich vergrößert wurde. Dadurch bietet sie sehr viel Platz zum Arbeiten und individuellen oder gemeinsamen Lernen. So gibt es beispielsweise zwei Konferenzräume, diverse Gruppenarbeitsräume, Einzelkabinen und viele weitere Arbeitsplätze. Einige davon bieten einen schönen Blick auf die Düna, den Fluss, der durch Riga fließt. Bei diesem Ausblick falle es nicht schwer, eine gute wissenschaftliche Arbeit entstehen zu lassen, scherzt eine Mitarbeiterin.

Studenten der FH Potsdam besichtigen die Bibliothek der RTU (Foto: Sophie Schneider)

Studenten der FH Potsdam besichtigen die Bibliothek der RTU
(Foto: Sophie Schneider)

Studenten der FH Potsdam besichtigen die Bibliothek der RTU (Foto: Marius Michaelis)

(Foto: Marius Michaelis)

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(Foto: Marius Michaelis)

Es geht weiter und wir sehen vieles, was uns bekannt vorkommt. Nicht nur Rückgabemaschinen, virtuelle und persönliche Information gibt es hier, sogar eine beträchtliche Menge an deutschen Büchern lässt sich finden. Erstaunlich ist auch, dass es eine Gemeinschaftsküche gibt, in der jeder sich seinen Kaffee, Tee oder ein Sandwich selbst machen kann. Dieses Angebot wird von den Nutzern der Bibliothek gerne und verantwortungsbewusst genutzt. Dadurch wird einmal mehr klar, dass die Bibliothek versucht, auf ihre Zielgruppe einzugehen, und wenn es sein muss, dann auch mit einer solchen „self-service kitchen“. Auch Vorschläge können in anonymisierter Weise auf einen Zettel gekritzelt, zusammengefaltet und in eines der vielen dafür vorgesehen Kästchen geworfen werden. So macht Innovationsmanagement doch Spaß.

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Selbstbedienungsküche der Bibliothek
(Foto: Marius Michaelis)

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Kasten für Vorschläge
(Foto: Marius Michaelis)

 

Im Rückblick lässt sich sagen, dass die wissenschaftlichen Bibliotheken Rigas, die wir besichtigt haben, interessante Konzepte vorweisen und einige ganz neue Ideen und Eindrücke bei uns entstehen ließen.