ISSN: 1867-6189

Das märchenhafte Baltikum

Es waren einmal drei märchenhafte Länder, welche gemeinsam das Baltikum bildeten. So sehr sie durch ihre geografische Lage an der östlichen Ostsee und ihren langen Küstenlinien miteinander verbunden waren, so sehr unterschieden sich die Kulturen, Sprachen und Traditionen dieser Länder. Estland, Lettland und Litauen waren eigenständige Nationen. Auf spannenden Routen durch diese Länder fand man einzigartige Landschaften, verwinkelte Altstädte und prachtvolle Kirchen. Die kulturellen Höhepunkte des Baltikums bildeten gewiss die drei Hauptstädte Tallinn (Estland), Riga (Lettland) und Vilnius (Litauen). Die Natur verführte die Reisenden mit unberührten Wasserlandschaften, den schneeweißen Stränden der Ostsee und den immergrünen Nationalparks.

 

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Man sagte, dass das Baltikum über eine Million Bürger hatte, deren Muttersprache Russisch war. Eine Tatsache, die die Mehrheit der Reisenden nicht kannte. Besonders Geschichts- und Politikinteressierte fanden die baltischen Staaten spannend. Für jene Kunstinteressierte unter den zahlreichen Reisenden war barocke Pracht, die Leichtigkeit des Jugendstils, mittelalterliche Mauern sowie Schlösser und Burgen aus der Zeit der Ordensritter allgegenwärtig. Als Reisegast ließen sich entlang der Ostseeküste stundenlange Wanderungen durch die herrliche Natur durchführen. Eine Kulturreise zwischen dem satten Grün der Naturparks und den weißen Stränden der Ostsee ließ Besucher freudig heimkehren.

 

REISEN DURCH ESTLAND

Die mächtigsten Mauern der mittelalterlichen Wehranlage waren in der historischen Altstadt von Tallinn zu bestaunen. In der lebhaften Hauptstadt ließen sich traditionsreiche Orte finden, wie die älteste Apotheke Europas (Tallinner Ratsapotheke – Tallinna Raeapteek) oder die Werkstätten der Katharinen-Gilde. Reisende, die sich besonders für die Natur interessierten, kamen im Lahemaa-Nationalpark auf ihre Kosten. Wunderbare Einblicke in vergangene Lebenswelten gab das historische Strand- und Fischerdorf Altja.

REISEN DURCH LETTLAND

Im Jahre 2014 war Riga die Kulturhauptstadt Europas! Die Stadt am Meer bot eine multikulturelle Atmosphäre. Das Jugendstilviertel, welches zu den größten Sehenswürdigkeiten zählte, lockte etliche Kunstinteressierte nach Riga. Zudem waren zahlreiche Reisende von der Hansestadt Kuldiga mit der Ziegelbrücke über der Venta, der Kurländischen Schweiz, dem Gauja-Nationalpark sowie den kulturhistorischen Stätten Sigulda und Turaida begeistert.

REISEN DURCH LITAUEN

Vilnius faszinierte mit dem Flair der barocken Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählte. Darüber hinaus verzauberte Vilnius die Besucher mit unzähligen Museen, eine der ältesten Universitäten Osteuropas und einer lebhaften Atmosphäre. An der Ostseeküste wurde man von kilometerlangen Sanddünen auf der Kurischen Nehrung empfangen. Im Landesinneren fand man weite Wasserlandschaften und wunderschöne Nationalparks.

 

NATUR

Der höchste Berg der baltischen Nationen erreichte bloß eine Höhe von 300 m, weshalb das Baltikum geologisch nicht besonders herausstach. Nichtsdestotrotz bietet das Baltikum hinreißende Landschaften, von denen die Kurische Nehrung mit ihren bizarren Wanderdünen gewiss am bekanntesten ist. Doch überaus sehenswert war auch der Glint, eine Bruchkante im Karst, die sich von St. Petersburg bis zu den Aland-Inseln zieht. Unzählige Bäche und Flüsse stürzen über den Glint in die Tiefe. Besonders der Anblick des Jägala-Wassers war für Reisende ein einmaliges Naturschauspiel. Auch im gefrorenen Zustand ließ sich das Wasser bestaunen. Der Lahemaa-Nationalpark fesselte durch jede Menge Inseln, Halbinseln und Buchten. Im Nationalpark lebten einige seltene Tiere und Pflanzen, welche die Suche nach neuen Entdeckungen in Flora und Fauna ziemlich spannend machten.


KULTUR

Funde der Kunda-Kultur, mit dem Hauptfundort im Norden Estlands, stellten die ersten Zeugnisse von Jägern und Sammlern im Baltikum dar. Der Kunda-Kultur folgte die Narva-Kultur, welche schon die Tonverarbeitung kannte und auf landwirtschaftliche Strukturen hindeutete. Im Mittelalter gab es im Gebiet des heutigen Litauen die ersten Fürstentümer. Naturgottheiten wurden bis zur Christianisierung in Folge der Krakauer Hochzeit im 14. Jahrhundert von den dort lebenden „letzten Heiden Europas“ außerordentlich verehrt. Bereits im 14. Jahrhundert siedelten sich im Baltikum unzählige Juden, welche im übrigen Europa verfolgt wurden, an. Vilnius (Litauen) erhielt im 18. Jahrhundert den Beinamen Jerusalem auf Grund der Zuwanderung der jüdischen Bürger. Das war wohl auch einer der Gründe, weshalb Litauen lange Zeit als ein Ort der Toleranz galt. Wegen der Fremdherrschaft ab dem Mittelalter in Estland und Lettland wurde kulturelles Gut hauptsächlich mündlich in Liedern und Sagen weitergegeben. Erst im 19. Jahrhundert begann man, besondere Geschehnisse niederzuschreiben und zu archivieren.

 

GESCHICHTE

Vor fast 10.000 Jahren begann die erste Besiedlung des heutigen Gebietes namens Baltikum. Eine Vermischung der zugewanderten Völker aus Asien und Europa führte zu eigenständigen Kulturen. Im Mittelalter hatten die Völker im nördlichen Teil des Baltikums, auf dem Gebiet des heutigen Estlands und nördlichen Lettlands, noch keine feudalen Strukturen ausgebildet. Diese Völker lebten in dörflichen, von einander unabhängigen Verbänden. Den Eroberungszügen der Kreuzritter hatten diese Völker nichts entgegenzusetzen. Nach der Unterwerfung durch den Schwertbrüderorden wurde dieses Gebiet Livland genannt. Zu dieser Zeit lebten die Litauer im südlichen Baltikum bereits in größeren, von Fürsten geleiteten Stammesverbänden. So konnten sie sich erfolgreich gegen die Eroberung durch das preußische und livländische Ordensland wehren. Im Jahre 1410 leitete die wahrhaft berühmte Schlacht von Tannenberg den Niedergang der Ordensherrschaft ein, während bereits im Jahre 1236 die Ordensritter bei Siauliai (Litauen) vernichtend geschlagen wurden. Daraufhin folgten Jahre der wechselnden Oberherrschaft durch Deutsche, Russen, Polen und Schweden.

 

Und wenn Sie nach dieser kleinen Reise durch die drei baltischen Staaten noch nicht genug haben, dann sollten Sie sich vergewissern, ob es dieses märchenhafte Baltikum in der Gegenwart noch immer gibt. Viel Vergnügen!

 

 

 

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QUELLENVERZEICHNIS

https://www.welt.de/reise/article156744606/Was-wir-am-neuen-grenzenlosen-Europa-haben.html

https://www.baltikum-tours.de/infos.html

http://zeitreisen.zeit.de/europa/baltikum/

 

BILDVERZEICHNIS

http://www.timediver.de/img/geschichte/mh_baltikum_karte.jpg