ISSN: 1867-6189

Geschichte Lettlands

Latvijas Republika, Lettland, Latvija

Abriss der Lettischen Geschichtsschreibung

Roland Statue

Roland Statue auf dem Marktplatz in Riga ( Foto: Toni Matzdorf)

Latvijas Republika, Lettland, Latvija – ein nordosteuropäischer Staat, kleiner als Bayern, mit gerade einmal 64,573 Quadratkilometern besticht mit seiner atemberaubenden natürlichen Schönheit. Lettland besteht im Wesentlichen aus vier historischen Regionen: Kurland, Livland, Smengallen und Letgallen. Die weite Natur, bestehend aus Wäldern und Seen, schafft ein natürliches Reservat für diverse Wildtierarten, so sind Hirsche, Rehe, Elche, Wölfe und Luchse keine selten gesehenen Mitbewohner der Bevölkerung. Besucher des Landes spüren nicht nur die tiefe naturverbundene Wildheit des  geografischen Territoriums, sondern auch die Geschichte des Landes findet in vielen Bereichen ihren Anklang. Schon im 2. Jahrtausend vor  Christus besiedelten die ersten indoeuropäischen Stämme, Vorläufer der heutigen Letten/Litauer das Gebiet. Nach 1237 wurden lettische Fürstentümer vom Deutschen Orden erobert und es erfolgte eine starke Einwanderung von Deutschen. Während der Reformationszeit hielt der lutherische Glaube auch in Lettland Einzug, jedoch unter dem Druck der umliegenden Mächte kam die Livländische Konförderation im 16. Jahrhundert in Abhängigkeit von Polen, wodurch Teile Lettlands heute katholisch sind. Durch die zahlreichen Kriege und Epidemien sanken die Bevölkerungszahlen erheblich. In Folge der dritten Teilung Polens wurde das Gebiet Lettlands 1795 an das Russische Kaiserreich angegliedert. Während die deutsch-baltische Oberschicht ihre Privilegien bewahren konnte, hatte sich unter der lettischen Bevölkerung eine weitgehend homogene lettische Bevölkerungsschicht herausgebildet. Revolution und Unabhängigkeit. Freiheit und Gleichberechtigung – Wörter die, für die Letten, im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielten.  Mit den „Jungletten“ und der „Neuen Strömung“ begann, sich unter der Bevölkerung ein Unabhängigkeitswillen zu entwickeln. Nach der Russischen Revolution und des Ersten Weltkrieges erklärte Lettland am 18. November 1918 die Unabhängigkeit und konnte diese im Lettischen Unabhängigkeitskrieg durchsetzen. Die kommenden 1920er Jahre sollten für die Letten im wahrsten Sinne die Bedeutung der „Goldenen 20er“ bedeuten. Im Jahre 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken eröffnet. Beginnend mit dem Jahr 1920 eröffnete der lettische Staat diplomatische Vertretungen in vielen europäischen Ländern und am 7. November 1922 trat die noch heute gültige Verfassung der Republik Lettland in Kraft. Unglücklicherweise wurde eben diese, welche für Freiheit stehen sollte, nach einem Staatsstreich am 15. Mai 1934 durch Kārlis Ulmanis teilweise außer Kraft gesetzt und der Staat wurde von ihm autoritär regiert. Wie fast jedes Land, so blieb auch Lettland nicht von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges verschont.  So wurde in Zeiten des Krieges das Land erst von der Sowjetunion und später vom Deutschen Reich besetzt. Am 14. Juni 1941, während sowjetischer Besetzung, wurden mehr als 15.000 Personen in Gulags deportiert.  Fast die gesamte jüdische Bevölkerung Lettlands wurde, auch mit Beteiligung lokaler Kollaborateure, während der nationalsozialistischen Besetzung ermordet. Als Lettische SSR wurde das Land gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von der Sowjetunion besetzt und rechtswidrig  angegliedert.  Erst am 4. Mai 1990 beschloss  der Oberste Rat der LSSR die „Wiederherstellung der Unabhängigkeit“, welche jedoch erst am 21. August nach dem Zerfall der Sowjetunion in Kraft treten konnte. Mitglied der EU und der NATO  ist Lettland seit dem Jahr 2004 und führte 10 Jahre später, am 1. Januar 2014, als zweiter baltischer Staat den Euro ein. Seit dem 1. Januar 2016 ist das Land zudem Mitglied der OECD.

 

Quellen:

https://europa.eu/european-union/about-eu/countries/member-countries/latvia_de

Ulrike von Hirschhausen: Die Grenzen der Gemeinsamkeit: Deutsche, Letten, Russen und Juden in Riga 1860-1914
Vandenhoeck & Ruprecht, 2006 – 430 S.