ISSN: 1867-6189

Interview mit Frau Monika Hagedorn-Saupe (Stellvertretende Leiterin des Instituts für Museumsforschung der staatl. Museen Berlin, preußischer Kulturbesitz)

In unserem Podcast haben wir am 17. Januar 2017 mit Prof. Monika Hagedorn-Saupe, stellvertretende Leiterin des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz gesprochen.


Das Interview ist hier zu finden.

 

 

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Prof. Monika Hagedorn-Saupe. Foto: Prof. Monika Hagedorn-Saupe.

Museen sind keine Einrichtungen, die man beim ersten Gedanken mit Forschungsdaten(management) in Verbindung bringt. Dabei wird das Forschen als eine der Kernaufgaben von Museen durch den Deutschen Museumsbund definiert.[1] Über diese Kernaufgabe haben wir mit  Frau Prof. Monika Hagedorn-Saupe gesprochen. Sie ist seit 1994 Leiterin des Referates “Besucherbezogene Museumsforschung und Kulturstatistik” am Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz sowie dessen stellvertretende Leiterin. Darüber hinaus ist Frau Hagedorn-Saupe Vorstandsmitglied in der Europeana Foundation und in ICOM-Europa. Sie ist Sprecherin der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund; Leiterin der Arbeitsgruppe „Museums Documentation Centers in ICOM CIDOC“ (International Council of Museums – Comité internationale pour la documentation). Seit 2006 ist sie Honorarprofessorin an der HTW Berlin.[2]

Als Expertin im Bereich der Museumsdokumentation und Digitalisierung konnte Frau Hagedorn-Saupe viele Einblicke in die Rolle der Forschungsdaten im Museumssektor geben.

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Wie werden „Forschungsdaten“ im Museumsbereich definiert?

 

Laut ICOM Definition gehört “Forschen” zu den Grundaufgaben des Museums.[3] Jedes Museum definiert dabei selbst seine Forschungsaufgabe. Forschung findet aber meist im Rahmen von Ausstellungsvorbereitungen oder in der Objekterschließung statt. Nur größere Museen oder Forschungsmuseen widmen sich über längere Zeiträume einem Forschungsschwerpunkt. Eine konkrete Definition von Forschungsdaten im Museumsbereich wurde im Interview nicht getroffen.

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Welche Rolle haben Museen bei der Bereitstellung von Wissens- und Forschungsumgebungen, v.a. im Hinblick auf die Verknüpfung der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen?

 

Eines der großen Probleme ist die mangelnde Expertise in kleineren Museen und die damit einhergehende Unkenntnis über die Bedeutung einzelner Sammlungsobjekte. Eine Chance diese “hidden treasures” sichtbar zu machen ist die Digitalisierung. Die breite Verfügbarkeit digitaler Daten im Museumsbereich macht es der Forschung schneller und leichter möglich an die gewünschten Informationen zu gelangen. Dafür sind aber weitere Standards nötig, um das Retrieval sowie den Austausch von Informationen ermöglichen zu können. Hierbei sind die unterschiedlichen Fragestellungen der Fachdisziplinen, die sich auf Form und Umfang der Objekterschließung auswirken, zu beachten. Daher ist es wünschenswert, dass Museen nicht nur anlassbezogen mit externen Partnern zusammenarbeiten.

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Welche Kompetenzen für den Umgang mit Forschungsdaten werden im Museumsbereich gesucht?

 

Das größte Problem stellt die Kommunikation dar. Museen sind diverse Einrichtungen, die Experten aus verschiedenen Fachgebieten vereinen. Diese Experten haben unterschiedliche Fachvokabulare, zwischen denen “übersetzt” werden muss. Eine gemeinsame Terminologie ist erstrebenswert. Informationswissenschaftler*innen können als Mediatoren zwischen den Disziplinen vermitteln.[4]

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Was sind die Herausforderungen im Bereich der Forschungsdaten?

 

Für die kommenden Jahre muss eine gemeinsame Sprache für die zusammenarbeitenden Disziplinen gefunden werden, um den Austausch und Kooperationen zu erleichtern. Strukturierte Vokabulare sowie Terminologien müssen dafür festgelegt werden, unter Berücksichtigung der relevanten Aspekte der einzelnen Forschungsdisziplinen.

Ein gemeinsames Verstehen der digitalen Daten ist wichtig. Das bedeutet nicht, dass man einen gemeinsamen Standard benutzt – kein Standard kann alle Anforderungen der einzelnen Fachdisziplinen verbinden – sondern dass ein Verständnis für die Daten und die Fachtermini besteht.

Virtuelle Forschungsumgebungen werden viel besprochen und diskutiert, nur finden sie keine Anwendung. Entwickelte Tools sind nicht bekannt oder können nicht gefunden werden. Dabei wäre eine Nachnutzung dieser Tools für viele Einrichtungen sinnvoll. Eine zentrale Zugangsplattform für die (meist von öffentlichen Geldern entwickelten) Forschungstools muss geschaffen werden.

Eine gemeinsame Basisinfrastruktur, ähnlich wie eduroam, sollte für den Austausch von Forschungsdaten zunächst auf Museumsebene etabliert werden. Bereits vorhandene Fachinfrastrukturen können mit einbezogen werden.

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Spieldauer: 31:15 min

auch in Zenodo unter: https://zenodo.org/record/267967

DOI: 10.5281/zenodo.267967

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[1] Vgl.: Deutscher Museumsbund e. V.: Geschichte & Definition, o. D., online unter: http://www.museumsbund.de/de/das_museum/geschichte_definition/aufgaben_des_museums/forschen/ (letzter Zugriff 26.01.2017).

[2] Vgl.: http://www.zugang-gestalten.de/programm/biographie-prof-monika-hagedorn-saupe/ (letzter Zugriff 26.01.2017).

[4] Vgl.: International Council of Museums (ICOM): Museum Definition, 2007, online unter: http://icom.museum/the-vision/museum-definition/ (letzter Zugriff: 26.01.2017).

[4] Dazu zählen auch andere Museen. Die Problematik wird in der vorangegangenen Frage zur Standardisierung der Objektdaten diskutiert.