ISSN: 1867-6189

Interview mit Herrn Claus Spieker (Projekt „Parthenos“ der FH Potsdam)

Interview mit Claus Spiecker

von Daniela Guhlmann, Elia Panskus, Christian Scheel

 

Forschungsdatenmanagement gewinnt in der Gegenwart immer mehr an Bedeutung. Waren Forschungsdaten in der Vergangenheit meist nur Mittel zum Zweck, der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, gewinnen nun ihre Aufbewahrung, Dokumentation und Verbreitung deutlich an Bedeutung. Das zeigt sich zum Beispiel an der Publikation des Handbuchs Forschungsdatenmanagement (http://www.forschungsdatenmanagement.de/) und an der großen Bedeutung welche die DFG dem Umgang mit Forschungsdaten zumisst (http://www.dfg.de/foerderung/antragstellung_begutachtung_entscheidung/antragstellende/antragstellung/nachnutzung_forschungsdaten/).

Die Art der Forschungsdaten und der Umgang mit ihnen ist in jeder Disziplin neben gewissen Gemeinsamkeiten auch von Unterschieden geprägt, darum ist es interessant mit Vertretern unterschiedlicher Fachrichtungen ins Gespräch zu kommen.

Bei Herrn Spiecker handelt es sich um jemandem aus dem Gebiet der Geistes- bzw. derzeit Informationswissenschaften.

 

Vorstellung Interviewpartner

 

Herrn Spieckers wissenschaftlicher Einstieg erfolgte durch ein Studium im geisteswissenschaftlichen Bereich. Neben der Sammlung von Berufserfahrungen in diversen Projekten, unter anderem bei der Fraunhofer-Gesellschaft, erwarb er zuletzt einen Master LIS im Fernstudium an der HU Berlin.

Aktuell arbeitet er seit einem Jahr an der FH Potsdam im Projekt PARTHENOS. (http://www.parthenos-project.eu/consortium/fhpotsdam/)

 

Das Interview

 

Grundsätzlich dient das Projekt PARTHENOS dazu bestehende Ansätze der Digital Humanities, zum Beispiel DARIAH und andere, besser miteinander zu vernetzen. Diese Vernetzung soll stattfinden durch das Definieren gemeinsamer Standards, Koordination gemeinsamer Projekte im gesamten europäischen Raum, die Angleichung der verschiedenen Policies und die Entwicklung gemeinsamer Services und Lösungen.

Herrn Spieckers Tätigkeit im Rahmen von Parthenos beläuft sich auf die Informationsaufbereitung, die Bearbeitung von Metadaten und Open Access.

 

Dadurch dass heutzutage betriebene Forschung sehr viele Daten benötigt und auch selbst produziert gewinnt die Informationsinfrastruktur zunehmend an Bedeutung.

Der Aufbereitung, dem Zugang und der Dokumentation der anfallenden oder benötigten Forschungsdaten ist viel Aufmerksamkeit zu widmen.

Andererseits braucht es jedoch auch die entsprechende Ausbildung der Wissenschaftler damit diese mit den Daten korrekt umgehen können, eine entsprechende Informationskompetenz besitzen.

Nur wenn diese beiden Aspekte gut ausgeprägt sind ist ein erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten möglich.

 

Unter den Herausforderungen, welche im Bereich der Forschungsdaten anfallen ist besonders die Heterogenität der Daten zu nennen. Diese entsteht durch unterschiedliche Datenformate, durch unterschiedliche Standards, jedoch auch durch eine unterschiedliche Gewinnung der Daten. So werden manche manuell, andere automatisch über Fernzugriff erhoben.

Eine weitere Herausforderung ist die Relevanz. In den großen Mengen von anfallenden Daten jene herauszufinden welche besonders bedeutsam sind, um sich diesen dann besonders zu widmen, und die anderen anfallenden Daten, welche aufgrund der beschränkten Ressourcen etwas weniger Aufmerksamkeit bekommen, von jenen abzugrenzen, ist eine schwierige Herausforderung.

 

Um die vorhandenen Kräfte zu bündeln, was besonders auch politische oder finanzielle Entscheidungen betrifft gibt es Initiativen wie die Allianzinitiative, welche sich mit bestimmten Gebieten der Forschung befassen. Die Allianzinitiative besitzt unter anderem eine Sparte für Forschungsdaten (http://www.allianzinitiative.de/handlungsfelder/forschungsdaten/).

Wissenschaftliche Institutionen, wie die Fraunhofer-Gesellschaft, von welcher Herr Spiecker zu einer Tätigkeit im Rahmen dieser Initiative entsandt wurden, stellen Wissenschaftler ab, damit diese gemeinsam zu neuen Ansätzen finden oder sich auch über ihre Erkenntnisse austauschen können.

 

Um als junger Wissenschaftler erfolgreich in Projekte einzusteigen bietet es sich an möglichst vielfältige Kontakte zu haben, sowohl unter Kommilitonen, als auch in Richtung möglicher zukünftiger Arbeitgeber.

Geht man den eigenen Interessen nach und versucht auf diesem Gebiet durch Gespräche, Praktika, Jobs oder auch den Besuch von Konferenzen ein breites Wissen und Kompetenzen zu erlangen stehen die Chancen sehr gut, dass man seinen Platz findet.

 

Um sodann erfolgreich in einem Projekt arbeiten zu können ist es vor allem wichtig die Strukturen der Daten und der verwendeten Programme zu verstehen bzw. selbst auch anwenden zu können. Äußerst hilfreich ist dabei die Beschäftigung mit dem Programmieren bzw. mit einzelnen Programmiersprachen. Dadurch ist es möglich besser in die erforderliche strukturierte Denkweise hereinzufinden und sich ausserdem auch Kenntnisse zu erarbeiten die in vielen Kontexten verwendbar sind, da heutzutage fast kein Projekt mehr ohne die Unterstützung von Programmen bzw. Software auskommt.

 

Die Berufsaussichten auf dem Gebiet Forschungsdatenmanagement stellen sich als sehr gut da. Oftmals ist keine einheitliche Berufs- bzw. Stellenbezeichnung vorhanden, so dass man seine Eignung, als Erfahrener im Umgang mit Forschungsdaten, zwischen den Zeilen herauslesen muss.

Da die Tendenz der anfallenden Menge von Forschungsdaten steigend ist, wird daher auch immer mehr Personal benötigt und daher dürfen junge Wissenschaftler mit Interesse an und Kenntnissen im Umgang mit Forschungsdaten unbesorgt in ihre Zukunft sehen.

 

Interviewaufzeichnung

Interview bei Zenodo

DOI 10.5281/zenodo.267968