ISSN: 1867-6189

Suomi-Kaleidoskop

Finnland. Das Land der 1000 Seen – genau genommen der über 180 000 Seen. Das Land, in dem man im Winter das Polarlicht (Aurora Borealis) sehen kann und der Himmel sich wie verzaubert rot und grün verfärbt. Das Land, in dem der Weihnachtsmann wohnt – zumindest der europäische. Das erste europäische Land, in dem das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, bereits 1906.

 

Polarlicht

Abbildung 1: Polarlicht

 

Finnland, in der Landessprache Finnisch „Suomi“ genannt, liegt hoch oben im Norden. Mit einer Fläche von 338 424 km2 wird es von 5,4 Millionen Menschen besiedelt. 17,7 Einwohner können sich bequem auf einem Quadratkilometer ausbreiten (im Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von 357 104 km2 mit 234 Einwohnern pro km2), wobei sich ein Drittel der Landesfläche über dem Polarkreis befindet – eben dort, wo der Weihnachtsmann wohnt. Tatsächlich entspricht die Bevölkerungsdichte in den Ballungsgebieten im Süden, wo unter anderem die Hauptstadt Helsinki liegt, mit 130 Einwohnern/km2 dem europäischen Mittel, während im lappländischen Norden Finnlands lediglich 2,2 Einwohner mutterseelenallein durch den Quadratkilometer streifen.

Erstmals erwähnt wurden die Finnen 98 n. Chr. bei Tacitus, wobei die Frage, woher sie eigentlich ursprünglich stammen, bis heute die Gelehrten beschäftigt. Funde belegen, dass bereits vor über 9000 Jahren Menschen in der Region lebten und neueren Forschungen zufolge gehen die heutigen Finnen aus einer mehrfachen Völkervermischung von Germanen, Balten und Bewohnern Sibiriens hervor.

Nach der Zeit der Wikinger (800-1100 n. Chr.) prägten die Schweden das Land, wovon bis heute die Folgen zu beobachten sind. Der Name „Finland“ stammt aus dem Schwedischen und Schwedisch ist bis heute offizielle Amtssprache sowie die Muttersprache von 5,5 % der Landesbewohner. Abgelöst wurden die Schweden – nach Absprachen von Zar Alexander I. mit Napoleon – 1809 in Folge des gewonnenen Finnlandkrieges von Russland.

Die russische Phase Finnlands wirkt sich gleichermaßen bis in die heutige Zeit aus. Helsinki wurde von Alexander I. zur Hauptstadt Finnlands ernannt und Finnisch als offizielle Verwaltungssprache dem Schwedischen gleichgestellt.

Passenderweise ist der Nationalfeiertag der Unabhängigkeit Finnlands am 6. Dezember, dem Nikolaustag. In Folge der Oktoberrevolution in Russland wurde in Finnland im Jahr 1917 die Republik ausgerufen und 1918 offiziell die Flagge Finnlands eingeführt. Darauf ist ein blaues skandinavisches Kreuz (typisch für die Flaggen der nordeuropäischen Länder) vor weißem Hintergrund zu sehen.

 

Flagge

Abbildung 2: Flagge Finnlands

 

Finnland. Das Land in der Europäischen Union, welches bei den PISA-Studien immer Spitzenergebnisse absahnt, weshalb unzählige Abgesandte aus den unterschiedlichsten Ländern in der Hoffnung nach Finnland reisen, vom dortigen Schulsystem zu profitieren. Finnland investiert knapp 8% des BIP in die Bildung. Finnische Eltern haben bereits für Kleinkinder das Anrecht auf eine Ganztagesbetreuung in Wohnortnähe. Die Schulen beschäftigen unter anderem auch Sonderpädagogen und Sozialarbeiter, jedes Kind bekommt kostenlos ein Mittagessen in der Schule und hat freien Online-Zugang zu 800 Bibliotheken. Finnland ist das Land, in dem jeder Einwohner seit Juni 2010 verfassungsmäßig garantiert freien Breitband-Internet-Zugang hat.

Finnland. Das Land, in dem die Sprache kein grammatisches Geschlecht kennt. Das Finnische gehört zur finno-ugrischen Sprachgruppe und ist unter anderem verwandt mit dem Ungarischen. Substantive werden in Finnland nur unterschieden in „belebt“ oder „unbelebt“, dafür verfügt die Sprache über 15 Fälle. Die Worte für die 15 Fälle werden wiederum lediglich aus 21 Buchstaben zusammengesetzt, diese aber sehr gerne in mehrfacher Zahl aneinandergereiht – insbesondere die Vokale! Um den Einsatz noch zu erhöhen, sind die Lautdopplungen je nach Aussprache bedeutungsunterscheidend.

 

Regalbeschriftung

Abbildung 3: Regalbeschriftung Metso Library Tampere. Bedeutung in etwa: Buchneuheiten für Sie. Foto: Tabea Klaus

 

Finnland. Das Land, in dem im Sommer die Sonne tatsächlich nicht untergeht. Das Land, in dem jeder aufgrund des „Jedermannsrechts“ die Möglichkeit hat, sich frei in der Natur zu bewegen und unter Achtung der Privatsphäre der Anwohner, landwirtschaftlicher Nutzflächen oder Naturschutzgebiete zu zelten, zu baden, zu wandern sowie Beeren und Pilze zu pflücken.

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen, über Märchen und Mythologie, über Brauchtum und Feste, die Wirtschaft, Literatur und berühmte Landesvertreter – aber nehmen wir uns für heute ein Beispiel an den Finnen, die nicht plappern, sondern fassen direkt zusammen:

Finnland. Ein Land, das definitiv mehr als eine Reise wert ist.

 

 

Literatur:

Kruse-Etzbach, Dirk: Finnland. 6. Auflage. Dormagen: Reisebuchverlag Iwanowski 2012.

Baedeker Finnland. 7. Auflage. Ostfildern: Verlag Karl Baedeker 2014.

Knoller, Rasso: Finnland. Ein Länderporträt. Berlin: Christoph Links Verlag 2011.

https://de.wikipedia.org/wiki/Finnland (9.02.2017)

https://www.canoeguide.net/allgemeines/das-jedermannsrecht (9.02.2017)

http://www.finn-land.net/finnland-j/jedermannsrechte.htm (9.02.2017)

 

Abbildungen:

Flagge – https://commons.wikimedia.org/wiki/Suomi_%E2%80%93_Finland#/media/File:Suomen_lippu_valokuva.png (10.02.2017)

Polarlicht – https://commons.wikimedia.org/wiki/Aurora#/media/File:Aurora_and_sunset.jpg (10.02.2017)