ISSN: 1867-6189

Interactive Media & quality of life

„What is happening in the world is bypassing (university) libraries“ Professor Peter Murray-Rust

Vor dem schließen der Haustür überprüfte Anne noch einmal, ob sie auch ihren Schlüssel in ihre Jogginghose gesteckt hatte. Seit dem sie einmal vor dem Studentenwohnheim stand und vier Stunden auf den mürrischen Hausmeister wartete, damit dieser ihr die Tür aufschließt, gehörte der überprüfenden Griff nach ihrem Schlüsselbund einfach zu ihrem Morgenritual. Beim hinuntergehen der Treppen kam ihr Josch entgegen, dem, wie nicht anders zu erwarten, eine Geruchswolke von Taurin umhüllte. Während Anne sich die Kopfhörer aufsetzte, klickte sie auf ihrem Apple Display das neuste Album von Kayne West an. Der kurze Blick in die Health App veriet ihr, dass sie bei der letzten Joggingroute 7km zurückgelegt hatte.

Wearables im Gesundheitswesen

Wearables im Gesundheitswesen

Unsre Smartphones erfassen heutzutage nicht nur unsere zurückgelegten Kilometer und erkennen zudem ob wir uns zu Fuß, mit dem Rad oder schwimmend fortbewegen, sondern sammeln und interpretieren auch sehr viele andere Daten, die durchaus viele gesundheitsrelevante Informationen beinhalten können. Unter anderem werden unsere Atemfrequenz, Blutdruck, Herzfrequenz und unsere Körpertemperatur gespeichert. Und nicht nur Smartphones, sondern auch Smartwatches, -glasses, -clothing u.v.m. sind heutzutage in der Lage den menschlichen Körper zu analysieren.

Wearables

Wearables

Diese gesundheitsrelevante Daten können einem praktizierenden Arzt bei einer richtigen Diagnose behilflich sein und ermöglichen ihm sich nicht mehr ausschließlich auf das, meist Lückenhafte, Erinnerungsvermögen des Patienten verlassen zu müssen. Ungesunde Verhaltensweisen können mithilfe dieser Metadaten vom Fachmann oder von dem Patienten selber vor dem eintreten einer Erkrankung erkannt und schädliche Verhaltensweisen abgelegt werden. Die Lebensqualität jedes einzelnen Menschen könnte sich dadurch verbessern. Aber warum werden diese relevanten Informationen dann nicht Digital für jedes Individuum und dem zugehörigem Gesundheitswesen zusammenfassend und übersichtlich zur Verfügung gestellt, ja sogar gesammelt und archiviert? Genaugenommen wird diese Art von „E-Health“ bereits praktiziert und zwar in den Niederlanden. Der sogenannte Personal Health Train aufbereitet, sammelt und analysiert die Daten eines Bürgers und stellt diese dann berechtigten Personen & Institutionen zur Verfügung. Auch wenn dieses Verfahren viele Vorteile bietet darf nicht vergessen werden, dass es sich hier um hochsensible Daten handelt. Der Health Train besitzt einen geheimen Verschlüsselungscode, der diese gesammelten Metadaten schützt.

Die Niederländer sind beim Thema interaktive Medien sogar noch einen Schritt weiter. Es existieren E-Spiele, die es Angehörigen von einem bereits z.B. an Alzheimer erkrankten Menschen ermöglichen in dessen Universum einzutauschen und sich so in deren Lage hineinversetzen können. KIs, auch AIs (artifizielle Intelligenz) genannt, wie IBM Watson werden in Orthologie & Radiologie Abteilungen bereits angewendet. Riesige Mengen von Daten können durch IBM Watson innerhalb von Sekunden verarbeitet werden. Zudem kann diese KI schlüssige klinische Folgerungen aus diesen verarbeiteten Daten ziehen und Hypothesen für die Behandlung des Patienten aufstellen. „Watson also applies evidence-based learning, forcing the accuracy and results to improve“, sagt Guus van den Brekel

Aber was ist mit den Bibliotheken? Bibliotheken müssen sich eingestehen, dass sie niemals die Nummer eins für ihre Kunden sein werden, aber dies sollte sie nicht davon abhalten alles dafür zu tun um auf der imaginären Rangliste zweiter zu sein. Leider haben viele Mitarbeiter dieser Institutionen eine ganze Zeit verschlafen und müssen nun viele Dinge nachholen. So hätte schon vor 20 Jahren Webseiten existieren müssen, die ein Interface besitzten, dass den Kunden z.B. ermöglicht online an den Regalen zu browsen. Bibliotheken müssen sich zukünftig mehr mit den neusten Technologien auseinandersetzten und sich selbst angagieren. So bieten verschiedenste Firmen eBook-Apps an, die allerdings immer nur bestimmte Formate verarbeiten und nur auf bestimmten Geräten funktionieren. Warum versuchen Bibliothekare nicht eine universelle App zu entwickeln? Die Bibliotheken müssen ihr altes Image ablegen und anfangen sich selber anders wahrzunehmen. Experimentiert mehr!

„When you let commercial companies do your work, no innovation will happen in the libraries“ Guus van den Brekel

 

Bücherempfehlungen von Guus van den Brekel:

Quellen:

  • http://hitconsultant.net/2015/02/13/infographic-wearables-in-healthcare/
  • http://de.slideshare.net/digicmb