ISSN: 1867-6189

Das norwegische Bibliotheksgesetz

Das norwegische Bibliotheksgesetz

Einleitung

Seit mehr als 100 Jahren findet in Deutschland eine Debatte über die Einführung eines nationalen Bibliotheksgesetzes statt. Immer wieder kam es zu Anläufen und Initiativen, die mal mehr und mal weniger zur Bildung von Bibliotheksgesetzen beigetragen haben. Das Problem dabei ist, dass der Erlass von Gesetzen für öffentliche Bibliotheken nur durch Empfehlungen gekennzeichnet ist. Zwar haben die Bundesländer Thüringen, Sachsen Anhalt und Hessen mittlerweile ein eigenes Bibliotheksgesetz, in manchen anderen Bundesländern hingegen kam es aber im besten Fall nur zur Einbringung von Entwürfen in diese Debatte. Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. In gewisser Weise besitzt Deutschland einen Sonderstatus, da die meisten anderen europäischen Länder schon lange auf ein nationales Bibliotheksgesetz schauen können.

In Norwegen spielt das nationale Bibliotheksgesetz eine wichtige Rolle. Da ein großer Teil der Bevölkerung weit verteilt wohnt, der Zugang zu öffentlichen Bibliotheken nicht immer für jeden Einwohner leicht ist, wurde gerade hier darauf geachtet das alle die gleiche Möglichkeit haben an Medien und Informationen zu kommen.

Eine kurze Beschreibung des Gesetzes

Das norwegische Bibliotheksgesetz einschließlich seiner Richtlinien, welche vom Ministerium für kirchliche und kulturelle Angelegenheiten herausgegeben wurde, schaffte den Grundstock für ein stabiles Bibliothekssystem für die öffentlichen Bibliotheken des Landes. Erstmals 1935 ins Leben gerufen, stammt das heute gültige Gesetz aus dem Jahre 1985 und wurde zuletzt 2003 überarbeitet.
Dieses Gesetz gilt für alle öffentlichen Bibliotheken Norwegens, auch für jene in den einzelnen Städten und Kommunen. Für die Durchführung des Gesetzes und der in ihm verankerten Pflichten ist die Regierung des Landes zuständig. Beim Lesen des Gesetzes fällt allerdings auf, dass in vielen Punkten das verantwortliche Ministerium Sonderregelungen erwägen kann. Im norwegischen Bibliotheksgesetz sind die Aufgaben der öffentlichen Bibliotheken des Landes klar definiert. In vier Kapiteln ist verankert, welchen Pflichten die öffentlichen Bibliotheken nachkommen müssen, aber auch wie sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen sind.

Inhalt des Gesetzes

Neben der kostenfreien Verteilung und Verbreitung von Informationen und Medien für die breite, norwegische Öffentlichkeit dienen Bibliotheken auch als Treffpunkte und Zentren des gegenseitigen Austauschs und der Förderung von Kinder- und Erwachsenenbildung. Im §1 ist außerdem festgelegt, dass alle öffentlichen Bibliotheken Teil eines nationalen Bibliothekssystems sind. Auch Personen wie Patienten in Krankenhäusern oder Menschen mit sonstigen Einschränkungen müssen ungehinderten Zugang zu den Bibliotheken haben.

An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass auch mobile Bibliotheken im Gesetz auftauchen. Den meisten Menschen in Deutschland sind die Bücherbusse bekannt, welche die ländlichen Regionen mit Literatur und Medien versorgen. Diese gibt es auch in Norwegen, dazu kommen allerdings auch noch Bücherschiffe welche entweder alleine oder in Kooperation mit anderen Bibliotheken oder Gemeinden agieren.

Darüber hinaus besagt das Gesetz, dass alle Stadtbezirke, Gemeinden und Kommunen eine Bibliothek unterhalten müssen. Zum Zwecke der Unterhaltung dieser Bibliotheken dürfen die Stadtbezirke, Gemeinden und Kommunen allerdings auch miteinander kooperieren. Eine weitere Verpflichtung der Bibliotheken ist dabei auch die Kooperation mit den Schulbibliotheken in den jeweiligen Kommunen und Gemeinden.

Auch in Bezug auf das Personal gibt es eindeutige Regelungen. So muss in jeder öffentlichen Bibliothek mindestens ein hauptberuflicher Bibliothekar mit der entsprechenden Qualifikation für diese Tätigkeit vorhanden sein.
Ebenfalls im Gesetz verankert sind die beratenden Pflichten der Bibliotheken. So sollen sie etwa lokale Behörden in bibliotheksverwandten Angelegenheiten unterstützen, als auch mit den örtlichen Schulbehörden kooperieren.

Fazit

Einige der im norwegischen Bibliotheksgesetz verankerten Regelungen werden in Deutschland zwar diskutiert, zur Umsetzung von Bibliotheksgesetzen kam es aber es in Deutschland bisher nur vereinzelt . Ein solches Gesetz könnte auch in Deutschland förderlich sein, da gerade Bibliotheken den Sparmaßnahmen der Kommunen und Gemeinden oft als erstes zum Opfer fallen. Wie alle anderen skandinavische Länder auch spielt Norwegen in Sachen Bildung in Europa in den ersten Rängen mit. Vielleicht auch deshalb, weil die Bibliotheken als Bildungseinrichtungen dort Pflicht sind und keine freiwillige Leistung wie in Deutschland.

Link zum norwegischen Bibliotheksgesetz in englischer Sprache

http://archive.ifla.org/V/cdoc/norway.htm

Weitere Quellen

http://www.bibliotheksportal.de/fileadmin/user_upload/content/bibliotheken/international/4297-EN-_act.pdf

Egeland, Lars; Im Gespräch mit Ronald Kaiser und Wolfgang Ratzek, gefunden auf: http://www.b-i-t-online.de/heft/2011-01/interviews.pdf, letzter Zugriff: 21.07.2015

Indergaard, Leikny Haga; Auf dem Weg zum „nahtlosen Bibliotheksangebot“, gefunden auf: http://www.bibliotheksportal.de/fileadmin/user_upload/content/bibliotheken/international/dateien/_nor_leikny_haga_indergaard.pdf, letzter Zugriff: 21.07.2015

Steinhauer, Eric W.; Vonhof, Cornelia (Hg.), Bibliotheksgesetzgebung, Ein handbuch für die Praxis, insbesondere im Land Baden-Würtemberg. Rüthen u.a.: Bock+Herchen, 2011