ISSN: 1867-6189

Von Zwergen, Riesen und Göttern – Norwegens Mythologie

Eine Reise in ein Wunderland in dem Krieg und Zerstörung herrschen

Wenn man sich intensiv mit der Mythologie Norwegens beschäftigt, merkt man schnell, dass sich die Figuren mit Figuren anderer Mythologien überschneiden, diese haben oft den gleichen, einen ähnlichen Namen oder besitzen die gleichen Eigenschaften.

Die frühesten schriftlichen Überlieferungen, wurden leider durch die Christianisierung beeinflusst, daher kann man heute schlecht sagen, was abgeändert wurde und welche Stellen die ursprüngliche Mythologie wiedergeben. Da die Überlieferungen erst nach der Christianisierung angefertigt wurden, ist es auch nicht verwunderlich, dass Ähnlichkeiten mit der Religion bestehen.

Norwegens Mythologie, auch nordische Mythologie genannt gehört zur Obergruppe >>Skandinavische Mythologie<<.

Die bedeutendste handschriftliche Überlieferung der Mythologie ist die Lieder-Edda, die vor tausend Jahren entstand und von der es isländische Pergamenthandschriften aus dem 13. Jahrhundert gibt.

Im 4. Jahrhundert entstand die Siebentagewoche, der Montag wurde im germanischen vom Mond als Sinnbild vertreten. Der Kriegsgott Ziu stand für den Dienstag, Wodan war das Gegenstück zu Merkur für Mittwoch und Thor der Donnergott stand natürlich für den Donnerstag. Frigg, Odins Frau, stand für den Freitag. Für den Samstag wählte man nach langer Überlegungen Loki, für den Saturnstag wurde vorerst kein Vertreter gefunden, als dann aber Saturn mit Satan gleichgesetzt wurde, kam man auf Loki als Vertreter. Der Sonntag steht für die Sonne. Man könnte sagen, der Mond und die Sonne umschließen die Woche.

„Und die nordische Mythologie gehört – meiner Meinung nach – ganz einfach zu den spannendsten, originalsten und den am stärksten zum Nachdenken zwingenden Versuchen, die es überhaupt gibt, unsere innere und äußere Wirklichkeit zu beschreiben mit Worten und poetischen Bildern Leben und Dasein einzufangen.“ ¹

Geschichten und Filme zur norwegischen Literatur sind sehr beliebt. So gab es zum Beispiel eine Kinderserie im Fernsehen, die in Dänemark produziert wurde >>Tolle Trolle<<, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.

Tolkiens Werke, sowohl die Bücher als auch die Verfilmungen, werden immer wieder als Beispiel dafür genannt, einen Teil der nordischen Mythologie als Vorlage benutzt zu haben.

Michael Scott schrieb eine sechsbändige Bücherreihe um den Alchemisten Nicholas Flamel, in der sich die verschiedenen Mythologien der Welt zu einer großen Geschichte zusammenfügen, die skandinavische Mythologie spielt dabei neben der griechischen eine große Rolle.

Es gibt sogar Videospiele die die nordische Mythologie als Hintergrund nutzen. Ein Beispiel dafür ist das Spiel >>Underworld<< aus der Reihe der Lara Croft/Tomb Raider Spiele.

Götter (Asen):
Balder auch Baldur und Baldr genannt, ist der gemeinsame Sohn von Odin und Frigg. Wird als Gott von Sonne, Licht und Frühling verstanden und als Personifikation des Guten und der Gerechtigkeit. Loki stiftete den blinden Hödur an einen Mistelzweig auf Balder zu schießen, dieser traf ihn tödlich. So entschwanden das Glück und die Schönheit aus der Welt. Balders Tod wird in der großen Tragödie der Edda wiedergegeben.

Heimdal oder Heimdallr, ist der >>glänzendste der Asen<<. Er ist der Bewacher der Brücke – Bifröst – zwischen Asgard und Midgard.

Hödur oder auch Höd, Hödh und Hödhur ist ein Sohn Odins. Hödur ist blind, er ließ sich von Loki anstiften einen Mistelzweig auf seinen Bruder zu schießen, der dadurch ums Leben kam. Vali der Sohn von Odin und Rinda tötete Hödur zur Strafe.

Loki der Gott des Feuers war von solcher Verschlagenheit, dass man ihn manchmal mit Satan gleichstellte. Loki ist Sohn des Riesen Farbauti, war also kein Ase, wird aber hier unter den Asen gelistet, da er als Helfer der Götter fungierte. Es heißt er wäre kein Gott gewesen sondern nur Helfer, allerdings widersprechen sich hier die Quellen.

Odin oder Wodan beziehungsweise Wotan ist der Namensgeber für den Wochentag Mittwoch. Er ist der Sohn von Bör und Bestla, seine Brüder sind Vili und Ve. Er wird als höchster Gott der Asen angesehen.

Thor, der Gewitter- und Blitzgott, auch Donar genannt ist Namensgeber für den Donnerstag. Seine Aufgabe ist der Krieg und der Donner, er wird durch den Bock symbolisiert. Seine Waffe ist Mjöllnir, sein Hammer.

Tyr (Ziu) ist der Namensgeber für den Dienstag, seine Aufgabe ist Krieg und die Gerechtigkeit. Sein Symbol war das Schwert, im Gegensatz zu Odin kämpfte er direkt im Schlachtgetümmel.

Götter (Asinnen):
Frigg ist die Namensgeberin für den Freitag, sie wird oft mit Freyja gleichgesetzt. Ihr Symbol ist der Wolf und ihre Aufgabe die Fruchtbarkeit, ihr Begleiter ist Odin.

Götter (Vanen):
Freyja, ihre Aufgabe ist die Liebe und Wollust, sie wird durch das Symbol der Katze dargestellt.

Freyr ist zuständig für die Fruchtbarkeit sein Symbol ist der Eber. Er ist der Sohn des Vanen Niörd und Bruder von Freyja. Er war Gott des Himmellichts, der Wärme, des Friedens, der Fruchtbarkeit und des Wohlstandes.

Niörd der Gott des Meeres und der Seefahrt ist Vater von Freyja und Freyr.

Nornen:
Nornen sind schicksaalsbestimmende Wesen.

Skuld, die das, was sein wird kennt.

Urdr, die Lenkerin des Schicksaals.

Verdandi, die das Seiende kennt.

Alben:
Beyla und Byggvi sind zwei im Zusammenhang genannte Ackerbaugottheiten, die im Dienste Freyrs standen.

Walküren:
Walküren sind zu unterteilen in Kämpferinnen, Gunn (>>Schlacht<<), Hild (>>Kampf<<), Hrist (>>Waffenschüttlerin<<), Baudihillie (>>Regelt Kampf<<), Hladgunnr (>>Kampf mit der Schlinge<<); und in Zauberinnen, Göndul (>>Geschickt im Umgang mit dem Zauberstab<<), Göll (>>Schreckensgeheul<<), Herfjoturr (>>Die mit Zauberbanden lähmt<<) und Mist (>>Erstarrung<<). Sie sind Vogelgeschöpfe und Göttinen der Fruchtbarkeit.

Die getöteten Kämpfer geleiten sie nach Walhall, der auserwählten Helden vorbehalten ist. Die Walküren verteilen den Tod im Namen Odins und als Belohnung und nicht als Bestrafung für die Krieger.

Tiere:
Audhumla ist eine riesige Kuh, sie entstand aus den Tropfen des geschmolzenen Eises, ihre Milch, die in Strömen floss, war Ymirs Nahrung. Die Kuh ernährte sich von den umherliegenden Eisblöcken, die salzig waren und legte beim lecken einen Menschen frei, Buri.

Der Fenriswolf wurde von Loki gezeugt, er wurde immer gewaltiger und gefährlicher, deshalb beschloss man ihn mit Fesseln zu bändigen, das gelang allerdings erst, als man dafür ein von Zwergen geschmiedetes unzerreißbares Band benutzte. Der Fenriswolf konnte letztlich aber doch entkommen und verschlang Odin und die Sonne. Vidar gelang es den Fenriswolf zu töten, damals brach die dunkle und eiskalte >>Wolfszeit<< an, die das Ende der Welt ankündigte.

Hugin bedeutet der Gedanke, er ist einer der beiden Raben Odins, die ihn über die Neuigkeiten in der Welt unterrichteten.

Die Midgardschlange wurde genauso wie der Fenriswolf von Loki gezeugt. Sie lebte im Meer und Umgab die Erde. Thor versuchte mehrfach die Schlange zu vernichten, mit Mjölnir seinem Hammer schaffte er es die Schlange zu töten, dabei starb er allerdings durch ihren giftigen Atem.

Muninn bedeutet das Gedächtnis, die Erinnerung, er ist der andere der beiden Raben Odins.

Sleipnir ist Odins achtbeiniges Pferd, es galt als das schnellste Pferd.

Gegenstände:
Draupnir, ist der von Zwergen geschmiedete Ring Odins. Von dem Ring tropfen in jeder 9. Nacht acht Ringe, dadurch erlangte der Besitzer des Ringes ständig wachsenden Reichtum.

Miöllnir ist Thors Hammer mit dem er in den Schlachten kämpft.

Orte:
Asgards Sitz ist im mythologischen Ursprung in der Mitte des Weltenbaums Ygdrassil und sollte die Asen vor Angriffen der Riesen schützen. Dort konnten sie unbesonnen feiern und trinken und auf die Menschen herabschauen.

Bifröst kann man mit einer gewaltigen Brücke vergleichen, wie im Film Thor eine Brücke in andere Welten. Wobei diese Brücke nur in der norwegischen Mythologie Asgard und Midgard verband, er wurde vom Gott Heimdal bewacht, der die Asen im Ernstfall warnte und zum Kampf rief.

Ginnungagap die große gähnende Schlucht, steht für das am Anfang stehende gähnende Nichts. Aus ihr entstand die Welt, als erstes der Riese Ymir und die Kuh Audhumla. Die Schlucht ist mit dem griechischen am Anfang stehendem Chaos zu vergleichen.

Hel (Helheim) Niflhel wird auch Totenreich genannt. Wie in vielen Mythen gibt es ein Reich der Toten hier geführt von Hel der Halbtochter Lokis und Angrboda einer Riesin. Hels Körper ist halb schwarz und blau und hat die Aufgabe die Toten, die nicht nach Walhall ziehen zu leiten und zu hüten.

Midgard ist die Mittelwelt beziehungsweise Menschenwelt, diese wurde aus den Augenbrauen des Urriesen Ymirs geschaffen. Midgard ist über einen Regenbogen mit Asgard verbunden.

Muspellsheim wird als ein Meer von lodernden Flammen beschrieben, der Ort ist der in Flammen stehende Teil der Unterwelt unter der Herrschaft des Feuerriesen Surt. Die ersten beiden Silben von Muspellsheim könnten Weltbrand bedeuten.

Niflheim auch Nebelheim der Bereich mit Kälte, Frost, Nebel und Todesdunkel liegt im Norden. In Niflheim entsprangen zwölf Eisströme aus denen sich das erste Leben entwickelt hat.

Walhall ist ein Ort an den nur tapfere und ehrenvoll gestorbene Krieger einziehen durften, bis zur Schlacht des Weltenendes (Ragnarök). Dort konnten sie schlemmen und trinken und bei ihren Kämpfen in Walhall war es unmöglich sich Verletzungen zuzuziehen oder zu sterben. Walhall ist die Wohnstadt Odins, der Palast mit den fünfhundertundvierzig Türen, in dem die Balken aus Sperren und das Dach aus Schildern gemacht sind.

Ygdrassil (Weltenbauch/Weltenesche), der in mystischer Literatur ein Symbol für den mythischen Kosmos und dessen Aufbau ist. Seine Wurzeln und Äste umfassen und durchdringen die Welt als Zeichen der Lebenskraft. Er ist immer grün und spendet den Tau der die Täler bewässert. Seine drei Wurzeln stehen für die Menschen, die Riesen und die Totengöttin Hel. Schon früher standen Bäume als Symbol für vielerlei Kulturen, so gab es schon Berichte von Tier- und Menschenopfern, die an Bäumen hingen und auf ein Ritual zurückzuführen sind.

Riesen:
Ymir ist ein Frostriese, er wurde geformt von der Kälte und von der Hitze zum Leben erweckt, er ist der größte aller Riesen. Er ist ein Urzeitriese, der sich von der Milch der Kuh Audhumla ernährte. Der Riese wurde von Odin und seinen Brüdern getötet, aus seinen körperlichen Bestandteilen wird die Welt erschaffen.

„Sein Blut wird zum Meer. Sein Fleisch zur Erde. Seine Gebeine werden zu Gebirgen und Klippen. Die Zähne und zersplitterte Knochenreste werden zu Steinen und Geröll. Die Haare zu Bäumen und Gras. Sein Gehirn werfen die Götter hoch in die Luft. Auf diese Weise entstehen die Wolken. Und der Himmel? Er entsteht aus seiner Schädeldecke…, die sie wie ein Gewölbe, eine Kuppel über alles Erschaffene stülpen. Danach fangen die Götter Funken aus dem heißen Muspellsheim ein und setzen sie an den Himmel. Dort hängen sie jetzt und funkeln. Auf der Innenseite dessen, was einst des Riesen Ymir Schädel war… So wurden die Sterne erschaffen.

Aus Ymirs Leiche kriechen kleine Würmer. Sie sind der Ursprung der Zwerge, der Unterirdischen, die in Grotten und Höhlen leben. Die Asen wählen vier von ihnen, die das Himmelsgewölbe tragen, die vier Ecken der Welt bewachen sollen. Diese Zwerge heißen: Osten, Westen, Norden und Süden.“ ²

Zwerge:
Speziell beim Thema Zwerge werden bei Lesens- und Sehenswertem die beiden Werke von J.R.R. Tolkien – Der Hobbit und Der Herr der Ringe – angegeben. In der Literatur wird auch immer wieder auf den Zusammenhang zwischen der nordischen Mythologie und den beiden Werken hingewiesen.

„J. R. R. Tolkien griff bei der Gestaltung seiner Zwerge viel stärker als bei Elben auf bestehende Mythen und Stereotype zurück. So ist die Idee von kleinwüchsigen, handwerklich geschickten, bärtigen Bergleuten, die eine große Faszination für Gold und Edelsteine haben, auch in anderen und älteren literarischen Zusammenhängen zu finden. Zahlreiche von Tolkiens Zwergennamen stammen wie auch der Name Gandalf aus der altnordischen Tradition, genauer aus dem Dvergatal, der Zwergenerzählung in der Völuspá, einem Teil der Älteren Edda.“ ³

Diese Zwerge aus der nordischen Mythologie kommen in >>Der Hobbit<< einem Werk von Tolkien vor:
Bifurr, Dain, Durin, Dvalin, Fili, Gloin, Kili, Oin, Ori, Thorin, Thrain und Thror.

Der ursprüngliche Zwerg aus der nordischen Mythologie Gandalf ist in >>Der Hobbit<< und >>Der Herr der Ringe<< ein Stab-Elb beziehungsweise ein Zauberer. Gandalf (Der Hobbit; Der Herr der Ring): „In der Edda bedeutet dieser Name allerdings: ein Zwerg der mit magie umgehen kann oder magisch begabter Zwerg.“4

Menschen:
Ask und Embla waren die ersten Menschen, wie sie entstanden, weicht in den Quellen voneinander ab, auf jeden Fall wurden sie aus zwei Baumstämmen erschaffen. Bei der Erschaffung heißt es einmal, dass es Odin, Hönir und Lodur waren die das Menschenpaar erschuf, ein anderes Mal heißt es, dass es Odin, Ve und Vili waren.

Beowulf der Neffe des Gautenkönigs Hygelac, er ist Bestandteil einer der berühmtesten norwegischen Sagen neben dem Nibelungenlied. Neben seinen zahllosen Heldentaten vom Erschlagen eines Drachen, bis hin zum Töten von Riesen. Seine berühmteste Tat war das Töten des Grendels.

 

Quellen:

¹ http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=98:nordische-mythologie-&catid=8:mythologie&Itemid=27 [22.07.2015]

² Ebd.

³ https://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_in_Tolkiens_Welt [22.07.2015]

http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Diskussion:Edda [22.07.2015]

 

Literatur:

http://www.trolljenta.no/kultur/sagenwelt

http://www.norwegenservice.net/land-und-kultur/kultur-lebensart/mythologie

http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=98:nordische-mythologie-&catid=8:mythologie&Itemid=27

http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Diskussion:Edda

https://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_in_Tolkiens_Welt

Golowin, Sergius; Eliade, Mircea; Campbell, Joseph: Die großen Mythen der Menschheit, Freiburg [u.a.] 1998

Comte, Fernand: Mythen der Welt, Stuttgart 2008

Herder Lexikon – Germanische und keltische Mythologie, Freiburg [u.a.] 1993

Simek, Rudolf: Die Edda, München 2007

Blödl, Klaus: Götter und Mythen des Nordens: Ein Handbuch, München 2013

Jacoby, Edmund: 50 Klassiker Mythen und Sagen des Nordens:  die keltische und germanische Überlieferung, Hildesheim 2007

Jamme, Christoph; Matuschek, Stefan: Handbuch der Mythologie, Darmstadt 2014