ISSN: 1867-6189

Ein Tiger auf dem Vorhof

Was ist wohl das am meisten fotografierte Objekt in Oslo? Nicht, wie man sich vorstellen könnte das Schloss oder die neue Oper, sondern ein Tiger auf dem Bahnhofsvorplatz. Die von Elena Engelsen gefertigte Skulptur wurde im Jahr 2000 der Stadt zur 1000 Jahresfeier von dem Unternehmen Eiendomsspar geschenkt. Aber warum ausgerechnet der Tiger? Erstmals benutzte Bjørnstjerne Bjørnson 1870 den Tiger als Vergleich für die Stadt. Seither trägt Oslo den Spitznamen Tigerstadt.

Doch genug der „Wahrzeichen“ und auf zu unserem architektonischen Rundgang. Die meisten Besucher sehen als erstes Gebäude zu ihrer Ankunft den Hauptbahnhof. Als Durchgangsbahnhof nutzen fast 150.000 Reisende täglich die Sentralstasjon, welche 1980 nach Planung des Architekts John Engh eröffnet wurde. Fast alle Züge der norwegischen Bahn halten hier. Außerdem startet und endet hier die schnelle Verbindung zum Flughafen mit dem Flytoget. Verlässt man den Bahnhof und geht in Richtung des Fjords, kommt man zur Oper. Ab 2018 wird man jedoch vorher am neuen Gebäude der Deichmanske Bibliotek stehen und das von dem Architekt Lund Hagem in Zusammenarbeit mit dem Atelier Oslo geplante Gebäude bestaunen können. Als öffentliche Bibliothek für jeden zugänglich ist sie zentral gelegen und soll durch ihre Architektur Besucher anziehen. Besonders beeindruckend soll der Anblick nach Einbruch der Dunkelheit werden: die Bibliothek soll die stattfindenden Aktivitäten und Veranstaltungen durch farbiges Leuchten und das Verändern des Aussehens widerspiegeln.

Blick auf neuere Gebäude und den Baugrund der Deichmanske Bibliotek

Blick auf neuere Gebäude und den Baugrund der Deichmanske Bibliotek

Die Oper ist eines der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Oslos. Sie ist nicht nur ein Kulturgebäude, sondern dient gleichzeitig als Aussichtsplattform. 2008 eingeweiht wird das von dem Architekturprojekt Snøhetta geplante Gebäude meist als größtes Kulturprojekt der Nachkriegszeit Norwegens bezeichnet. Äußerlich ist das gebäude einem treibenden Eisberg nachempfunden. Neben dem begehbaren Dach zeichnet sich der Bau durch die hauptsächliche Verwendung von Camara-Marmor aus. Die Innenraumgestaltung des Saals, in welchem man Norwegens größten Kronleuchter findet, gleicht dem der Semperoper Dresdens. Die Einrichtung ist vorwiegend in dunkel geöltem Eichenholz gehalten.

Die Oper

Die Oper

Weiter am Wasser entlang Richtung Westen kommt man zur Festung Akershus, welche 1299 bi 1304 unter den Königen Hakon V. und VI. erbaut wurde. Ein Blitzschlag 1527 vernichtete Teile der Burg. Im Wandel der Epochen wurde die Burg Stück für Stück zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Die letzte Sanierung fand 2010 statt. Die Festung wird nach wie vor militärisch als Sitz des Verteidigungsministeriums genutzt. In der Krypta der Schlosskirche im Südflügel findet man die Ruhestätte vieler Könige der Neuzeit.

Die alte Festungsgelände zur Festung Akershus

Das alte Festungsgelände zur Festung Akershus

Weiter auf der kleinen Stadtrundreise geht es vorbei am Rathaus, welches als Wahrzeichen der norwegischen Unabhängigkeit gesehen wird. Hervorstechend ist die Bauweise mit rotem Backstein mit der kantigen geraden Form. 1931 wurde der achte Entwurf der Architekten Arnstein Arnberg und Markus Poulsson umgesetzt, welche den Wettbewerb gewannen. 1939 wurde es bezogen, war jedoch noch nicht vollständig fertiggestellt. Die komplette Fertigstellung erfolgte erst 1950, da der Zweite Weltkrieg den Bau unterbrach. Äußerlich schlicht mit den zwei Türmen, weist es in der Innengestaltung doch eher luxuriöse Züge auf. Mit den Gestaltungen durch Marmor und Malereien soll es an verschiedene italienische Gebäude anlehnen und erinnern. Jährlich finden im Rathaus ca. 400 Veranstaltungen statt, darunter auch die Verleihung des Friedensnobelpreises.

Neue Bürogebäude und Wohnungen findet man auf der Insel Tjuvholmen, direkt hinter dem kleinen Stadtteil Aker Brygge. Hier findet man das Astrup Fearnley Museum für moderne Kunst und das Designhotel „The Thief“, passend, da die Insel auch „Insel der Diebe“ genannt wird, da Diebe bis ins 18. Jahrhundert an diesem Ort gehängt wurden. Im benachbarten Stadtviertel Aker Brygge findet man alte Werkshallen die früher als Teil der Werft für den Schiffsbau dienten. Nachdem 1982 die Werft jedoch geschlossen wurde, wurden sie zu einem Kaufhaus umgebaut und 1986 als dieses geöffnet.

Eins der alten Werftgebäude

Eins der alten Werftgebäude

Der Rundgang geht weiter. Von Aker Brygge und Tjuvholmen aus nach Norden gelangt man zu Det Kongelige Slott, dem königlichen Schoss. 1823 beauftragte man Hans Detlev Franciscus von Listow mit der Planung der Residenz, welche mit 173 Räumen als kleine Residenz gilt. Ursprünglich wurde das Schloss in H-Form und zweistöckig geplant. 1924 war Baubeginn und zwei Flügel wurden aus Kostengründen wieder gestrichen. Nach der Streichung der Flügel wurde allerdings der Hauptbau um ein Stockwerk erhöht. 1848 wurde das Schloss fertiggestellt. Das Schloss zählt als Staatseigentum, wird allerdings der Königsfamilie zur Verfügung gestellt. Als Touristenmagnet werden auch, vor allem im Sommer, Führungen durch die Räume angeboten.

Das königliche Schoss.

Das königliche Schoss

Ein weiteres beeindruckendes Gebäude, jedoch einige Jahre jünger, ist das Reichsarchiv. Es befindet sich außerhalb des Zentrums und ist der nördlichste Punkt dieser architektonischen Rundreise. Das beeindruckende an dem Bau ist, dass er in den Berg hinein gebaut wurde. Seit 1978 ist das Reichsarchiv in diesem Gebäude. 2005 wurde der Eingangsbereich neu gestaltet und ein Anbau erfolgte. Durch die unterirdische Bauweise hat man gut klimatisierte Lagerräume.

Das Reichsarchiv Copyright Stephan Büttner

Das Reichsarchiv

Auf eine neue Entwicklung im Zeichen der Nachhaltigkeit kommen wir vom Reichsarchiv zum Vulkan-Viertel. Dieses ehemalige Industriegelände am Fluss Akerselva wird auch häufig als Grünes Viertel bezeichnet. Auszeichnend für diesen Stadtteil ist die umweltfreundliche Architektur. Neben vielen nachhaltigen Einzelheiten hat der Stadtteil ein Energiezentrum, welches die Wärmeregelung aus den Geothermalquellen gut 300 Meter tief zieht. Weiterhin besonders ist das Bürogebäude in diesem Stadtteil, denn hier findet man ein aufwendiges Solar-Wasserheizsystem.  Auf dem Gelände findet man seit 2014 auch zwei Bienenkörbe, welche zusätzlich dazu beitragen, dass dieser Stadtteil nur wenig nördlich des Zentrums die Bezeichnung „Grüner Stadtteil“ verdient.

Damstredet und Telthusbakken ein wenig südlich des grünen Viertels im Stadtviertel St. Hanshaugen sind zwei Straßen, welche einheitlich mit Holzhäusern bebaut sind. Die Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind zum Großteil bis heute bewohnt.

Nach diesem kleinen Rundgang kommen wir Richtung Südosten wieder zum Hauptbahnhof und sind wieder am Ausgangspunkt angekommen. Nachdem man nun viele verschiedene Eindrücke sammeln konnte hat,  kann man feststellen, dass die Stadt aus älteren und moderneren Gebäuden besteht, was sie interessant macht. Aus diesem Grund verzichteten die Autorinnen sich allgemein zu halten und beschlossen auf einzelne Gebäude und Stadtteile einzugehen.