ISSN: 1867-6189

Die Monarchie Norwegens

Die Wurzeln der norwegischen Monarchie reichen zurück auf eine über tausendjährige Geschichte voller Taditionen, Kriege und weltbekannter Könige. Die Monarchen der heutigen Zeit entstammen dem Hause Glücksburg, die seit der Unabhängigkeit Norwegens im Jahre 1905 das Land regieren.

Harald I. Hårfagre, erster König Norwegens Quelle: http://www.frodelillesund.com/skulptur_ haarfagre_file/harfagre_detalj_ skulptur_sculpture_kunst_art_frode _mikal_lillesund_.jpg

Harald I. Hårfagre, erster König Norwegens
Quelle:
http://www.frodelillesund.com/skulptur_
haarfagre_file/harfagre_detalj_
skulptur_sculpture_kunst_art_frode
_mikal_lillesund_.jpg

Könige der Sagazeit

Laut den Sagen und Legenden war Harald I Hårfagre („Schönhaar“, ca. 865 – ca. 933) der erste König Norwegens, der nach dem Tod seines Vaters mit gerade einmal zehn Jahren das Königreich übernommen hatte. Sein Vater herrschte über die Ländereien Vestfold und Oppland, doch der junge König hatte sich die Vereinigung Norwegens als ein großes gemeinsames Reich zur Aufgabe gemacht. Seine Ziele und Visionen wurden von seinem Sohn, Håkon I. Haraldsson (ca. 920 – 960), fortgeführt, indem er versuchte, durch eine gemeinsame Küstenverteidigung Norwegen zusammenzufassen. Die Einführung des Christentums und die Errichtung einer landesweiten Kirche unter Olav II (995 – 1030), entsprach der gewünschten vereinigenden Funktion. Im Hochmittelalter entwickelten sich die aristokratisch geprägten Kleinkönige zunehmend zu einer Gesellschaft mit einer dem König verpflichteten Oberschicht, deren Staatsverwaltung die Einrichtungen Reichstag, Rat des Königs und Kanzlei innehatte. Die örtliche Verwaltung wurde einheitlich gestaltet, indem der Sysselmann in einem Bezirk der oberste königliche Beamte war und der Lagmann die rechtlichen Fragen klärte. Zudem entwickelten sich Gesetzgebungen, wie das Thronfolgegesetz von 1163, welches festlegte, dass nicht jeder Königssohn einen Anspruch auf den Thron erhielt.

Die Kalmarer Union

Der norwegische König Håkon VI. Magnusson (1340-1380) heiratete die dänische Prinzessin Margarete (1353 – 1412), die nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes König Olav IV. (1370 – 1387) zur „mächtigen Herrscherin von Norwegen und Dänemark“ ausgerufen wurde. Dies geschah einige Jahre später wieder, als sie den schwedischen König Albert von Mecklenburg besiegte und ihren nächsten Verwandten, Erich von Pommern (ca. 1382 – 1459) auf den schwedischen Thron setze und er somit der Herrscher der Kalmarer Union (Norwegen, Dänemark und Schweden) wurde. Der Dreistaatenbund zerfiel im Jahre 1520 nach der Eroberung Schwedens durch Christian II. (1481-1559) in die zwei politischen Einheiten Dänemark-Norwegen und Schweden-Finnland. Die Ständeversammlung 1660 in Kopenhagen ernannte König Frederick III. (1609 – 1670) als Erbkönig der dänisch-norwegischen Krone und überließ es ihm, dem Königreich eine neue Verfassung zu geben. Die Verfassung bildete die Grundlage für eine absolutistische Monarchie, die die Union mit Dänemark kennzeichnete und eine Regierung von Kopenhagen aus festlegte.

Frieden von Kiel

Im Jahre 1807 griffen britische Marinestreifkräfte Kopenhagen an, um die Übernahme der dänisch-norwegischen Flotte durch die Franzosen zu verhindern. Daraufhin erklärte Dänemark-Norwegen Großbritannien den Krieg. Das Schicksal des Staates war abhängig vom Ausgang der napoleonischen Kriege, denn im Falle eines Sieges Großbritanniens würde Dänemark das Anrecht auf Norwegen verlieren. Der schwedische Kronprinz Carl Johan (1763 – 1844) gab der Außenpolitik seines Landes eine neue Richtung und trennte Schweden von der Union mit Finnland. Als Ersatz wollte er das Land Norwegen, welches er mithilfe von Großbritannien und Russland für sich zu beanspruchen versuchte. Im Frieden von Kiel am 14.01.1814 wurde Norwegen an Schweden abgegeben und beide Staaten bildeten gemeinsam die schwedisch-norwegische Union.

Union mit Schweden

Im 18 Jahrhundert wuchs das Nationalbewusstsein des Bürgertums und der Widerstand der Nation. Der Thronfolger Christian Frederik  (1786-1848) weigerte sich den Frieden von Kiel anzuerkennen und hielt an seinem Anspruch auf den norwegischen Thron fest. Es wurde eine verfassungsgebende Versammlung einberufen, da die Souveränität Norwegens auf das norwegische Volk übergegangen war. Der Prinz sollte den Staat gemeinsam mit einem bestehenden Regierungssitz regieren. Allerdings unterstützten nicht alle die Selbstständigkeit des Staates, trotzdem wurde eine neue Verfassung, in der Prinz Christian Frederick als König aufgeführt wurde, verabschiedet. Doch Schweden machte nach Ende der napoleonischen Kriege seinen Anspruch auf Norwegen geltend.

Carl XIV. Johann (Jean Baptiste Bernadotte) Quelle:  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/05/CarlXIVJohnSweden.jpg

Carl XIV. Johann (Jean Baptiste Bernadotte)
Quelle:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/05/CarlXIVJohnSweden.jpg

Zwischen Norwegen und Schweden brach ein Krieg aus, den Schweden aufgrund seiner Überlegenheit gewann. Christian Frederick verzichtete auf den Thron und Carl XIII. (1748-1818) wurde wude  geänderte Verfassung rief als König der Union ausgerufen. Nach seinem Tod wurde sein Adoptivsohn Jean Baptiste Bernadotte (1763-1844), ehemaliger französischer Marshall, als Carl Johan König. Der schwedische Leutnant Carl Otto Mörner bot ihm die Krone an, da der König kinderlos war. Carl Johan war ein machtbesessener Herrscher, der versuchte seine Interessen durchzusetzen und die Verfassung nach seinem Belieben zu ändern. Das scheiterte jedoch am Nationalbewusstsein der Norweger. Nach seinem Tod bestieg sein Sohn Oscar I. den Thron.

König Oscar I. (1799-1859) war seit 1824 Vizekönig von Norwegen und hatte eine liberale politische Einstellung, die sich von der konservativen Einstellung seines Vaters deutlich unterschied. Im Jahre 1844 wurde er König und zeigte großes Interesse an der außenpolitischen Arbeit und ergriff in diesem Zuge oft für Norwegen Partei. Er hatte mit seiner Frau Josephine fünf Kinder, von denen zwei Söhne König von Schweden und Norwegen waren. Der erste war König Carl IV. (1826-1872), der erste des Hauses Bernadotte der in Schweden geboren und die schwedische Sprache beherrschte. Er zeigte keinerlei Interesse an norwegischen Angelegenheiten und ergriff nie Partei für das Land, was sich deutlich darin zeigte, dass er sich weigerte Verfassungsänderungen zu unterzeichnen und norwegischen Veranstaltungen fernblieb. Er starb 1872 und übergab demThron seinem Bruder, Oscar II. (1829-1907), da sein einziger Sohn im Alter von zwei Jahren gestorben war. König Oscar II. sprach sehr gut norwegisch und hielt sich oft im Land auf. Er führte einen langen Kampf gegen das Sorting wegen der Verfassungsänderung, der er später nachgab. Er forderte eine konservative Regierung, die allerdings nicht mit dem Sorting zusammenarbeiten konnte. Deswegen musste eine neue Regierung mit parlamentarischen Züge gebildet werden. 1905 wurde das Gesetz über eigene Konsulate in Norwegen verabschiedet, welches der König vorerst verweigerte und erst zustimmte, als das Kabinett seinen Rücktritt androhte. Da der König keine neue Regierung ernennen konnte, löste sich am 07. Juni 1905 die Union mit Schweden auf und Norwegen erhielt seine Unabhängigkeit.

Die Union wird aufgelöst

Nach der Auslösung der Union mit Schweden erhielten die Mitglieder des Staatsrates die Vollmacht, die dem König obliegenden Befugnisse auszuüben. Zusätzlich dazu wurden die norwegischen Streifkräfte in Alarmbereitschaft gesetzt, da ein Krieg mit Schweden zu befürchten war. Dies blieb jedoch aus, da sich die öffentliche Meinung Schwedens dagegen aussprach, die Union durch einen Krieg zu verteidigen und durch Krieg zu erhalten. Die Volksabstimmung im Jahre 1905 sollte endgültig darüber bestimmten, ob Norwegen eigenständig sein sollte oder eine Verbindung mit Schweden weiterhin bestehen sollte . Ungefähr 308.208 norwegische Bürger stimmten dem Austritt zu, 184 waren dagegen. Unter den Wählern waren nur Männer, da die Frauen zu dieser Zeit nicht wahlberechtigt waren und nur durch Unterschriftensammlungen ihre Meinung kenntlich machen konnten. Der Ministerpräsident Christian Michelsen leitete die Verhandlungen mit Schweden, in der sich beide Staaten auf eine nach bestimmten Bedingungen geknüpfte Auflösung der Union einigten. Eine andere wichtige Diskussion erfolgte bei der Auswahl der Staatsform Norwegens. Es etablierten sich zwei verschiedene Gruppierungen, in der die eine sich für eine Republik aussprach und die andere die Monarchie bevorzugte. Als König wurde Prinz Carl, Sohn von Oscar II., angefragt, der den Thron allerdings ablehnte.

König Haakon VII. von Norwegen und seine Frau Maud Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Haakon_and_Maud_1906.jpg

König Haakon VII. von Norwegen und seine Frau Maud
Quelle:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Haakon_and_Maud_1906.jpg

Ein vom Volk gewählter König

Vor dem Beschluss am 07. Juni 1905 kam der Prinz Carl von Dänemark für den norwegischen Thron ins Gespräch. Er bot gute Voraussetzungen für den Posten, da seine Frau Maud eine britische Prinzessin war (Englands Unterstützung war sehr wichtig für die damalige Lage) und der Prinz bereits einen Sohn hatte, der die Thronfolge sichern konnte. Prinz Carl wollte den Thron nur unter der Bedingung annehmen, dass es auch der Wille des norwegischen Volkes sei. Zu diesem Zwecke erfolgte eine weitere Volksabstimmung in der das Volk über das Schicksal der Monarchie entschied. Die Mehrheit der Wähler sprach sich für eine Monarchie aus und somit wurde Prinz Carl als König Haakon VII. König von Norwegen.

Eine selbstständige Nation

Kronprinz Haakon von Norwegen und seine Frau Mette-Marit Quelle: http://www.schwarzwaelder-bote.de/media.facebook.1c8ab05b-e412-4418-94e1-b075e938048c.normalized.jpg

Kronprinz Haakon von Norwegen und seine Frau Mette-Marit
Quelle:
http://www.schwarzwaelder-bote.de/media.facebook.1c8ab05b-e412-4418-94e1-b075e938048c.normalized.jpg

Am 25. November erreicht das Königsschiff der neuen Königsfamilie Norwegen und wurde vom Ministerpräsidenten Michelsen empfangen. König Haakon VII. regiert sein Land 50 Jahre lang, in der seine Herrschaft von den zwei Weltkriegen überschattet wurde. Am 21. September 1957 stirbt der König und sein Sohn Olav V. (1903 – 1991) wurde König von Norwegen. Der König war bei der norwegischen Bevölkerung aufgrund seiner Volksnähe und Bescheidenheit sehr beliebt. Dementsprechend löste sein Tod 1991 große Trauer aus. Mit seiner Frau Märthe hatte der König drei Kinder, von denen sein Sohn Harald V. (1937) der heutige König ist. Im Jahre 2003 wurde bei dem König Blasenkrebs diagnostiziert, sodass Kronprinz Haakon die Amtsgeschäfte vorübergehend übernehmen musste. Kronprinz Haakon ist seit2001 mit der bürgerlichen Mette-Marit verheiratet und hat mit ihr drei Kinder, zwei gemeinsame und einen Sohn aus der früheren Beziehung der Prinzessin.