ISSN: 1867-6189

Dublins Schriftsteller damals und heute – Dichter und Denker oder dichte Denker?

Dublin wird oftmals auch als „Stadt der trinkenden Dichter und dichtenden Trinker“ bezeichnet und das, wie es scheint, nicht zu Unrecht. In Dublin werden regelmäßig sogenannte >>Literary Pub Crawls<< im >>The Duke<< veranstaltet. An solchen Abenden wird man von zwei Schauspielern durch die Lieblingskneipen der Dubliner Literaten geführt, die unter anderem Zitate von Oscar Wilde zum Besten geben.

Doch nicht nur hier begegnet man den Schriftstellern Dublins – am Parnell Square befindet sich das Dublin Writers Museum, das dafür bekannt ist, das Zentrum der irischen Literaturgeschichte zu sein. Hier kann man unter anderem die Werke der Dubliner Schriftsteller George Bernhard Shaw, William Butler Yeats, Austin Clarke und Patrick Pearse finden. Aber auch Gegenstände aus dem persönlichen Besitz der Schriftsteller, Austin Clarkes Schreibtisch, Samuel Becketts Telefon, Mary Josephine Lavins Teddybär, Oliver Gogartys Auszeichnungen oder Brendan Behans Gewerkschafts-Karte, werden ausgestellt.

Um auch außerhalb von Dublin ein Gefühl von der Literatur und den genialen Köpfen dahinter zu bekommen, wurde aus den bekanntesten Schriftstellern Dublins eine Auswahl quer durch alle Jahre getroffen. Vierzehn Lebensgeschichten bieten einen Einblick in das Leben der Schriftsteller und ihre Werke.

Das verbindende Glied zwischen den Schriftstellern von damals ist das Studium, dabei tanzt nur einer aus der Reihe, George Bernard Shaw, er brach mit 15 die Schule ab und arbeitete danach bei einem Häusermakler. Nach eigenen Angaben, erhielt er den größten Teil seiner Bildung in der National Gallery, die er in seinem Testament großzügig bedachte. Ein Grund für seinen steinigen Weg, könnte das Umfeld sein, indem er aufwuchs, die Familie litt unter chronischem Geldmangel, da sein Vater nicht mit Geld umgehen konnte und Alkoholiker war.

Sechs der elf Schriftsteller studierten am Trinity College in Dublin, Jonathan Swift wurde im Long Room der Bibliothek des Colleges sogar eine Büste gewidmet. Unter der Büste steht D.N Swift, die Abkürzung für >>Dean of Patrick’s in Ireland<<, Dean heißt übersetzt Dekan und of Patrick’s in Ireland bezieht sich auf die St. Patrick’s Cathedral in Dublin, wo er von 1713 bis zu seinem Tod 1745 als Dekan tätig war. Ihm wurde die Ehre eines Begräbnisses in der St. Patrick’s Kathedrale erwiesen. Jonathan Swift wurde 1667 in Dublin geboren, am Trinity College studierte er Theologie und machte 1702 den Doktor in Theologie. Er war Anglophil, also ein Nicht-Engländer mit einer Liebe für englisches und bezeichnete sich selbst als in Irland geborener Engländer. Er führte ein irisches Leben mit Episoden in England, 1689 arbeitete er als Privatsekretär für Sir William Temple, einem Diplomaten, in England.

Durch die Arbeit lernte er die Tochter von Sir William Temple kennen, Esther  Johnson, die er Stella nannte und mit der er eine längere Beziehung hatte. 1694/95 entschied er sich für den Beruf des Priesters und wurde zum anglikanischen Priester geweiht, 1713 wurde er zum Dekan von St. Patrick ernannt. In seiner späten Lebenszeit litt er unter der Morbus Menière Krankheit, die eine Erkrankung des Innenohrs ist, die von Schwindel, Hörverlust und Tinnitus begleitet sein kann, Vincent van Gogh litt auch unter der Krankheit. Seine literarischen Neigungen betrafen die Poesie, Geschichte und Reiseliteratur. In die Zeit, die er in Dublin verbrachte, fallen die Entstehungen seiner größten Werke, darunter sein bekanntestes Werk Gulivers Reisen, das er 1726 fertigstellte. Das Buch war eine anti-englische Satire, die zu einem Kinderbuch entschärft wurde, anders als im Kinderbuch sind es im Originalwerk vier Reisen. Keines seiner 36 anderen Bücher ist populär geworden. William Butler Yeats, sagte über ihn, dass er der menschlichen Freiheit diente – er sah soziale Probleme im Land und schlug Wege aus der Armut vor. Im Kontrast zu seiner Anglophilie steht, dass er Menschen im Allgemeinen nicht mochte und Engländer noch weniger. 1742 erlitt er einen Schlaganfall und starb drei Jahre später, man ist sich im Unklaren darüber ob er ab 1740 geistig umnachtet war. Jonathan Swift war der bedeutendste englischsprachige Satiriker des 18. Jahrhunderts und 1729 wurde er zum Ehrenbürger Dublins ernannt.

Ein weiterer Schriftsteller Dublins, dem ein Denkmal an seinem alten Studienort, dem Trinity College gewidmet wurde ist der 1729 geborene Edmund Burke. Nach seinem Studium der Fächer Geschichte und klassischer Literatur, begann er in London eine Ausbildung zum Anwalt, die er nicht beendete, weil er Schriftsteller werden wollte. Er war politisch sehr engagiert, Edmund Burke war Gegner der Französischen Revolution und gilt als geistiger Begründer des modernen europäischen Konservatismus. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller, war er außerdem als Politiker und Staatsphilosoph tätig. 1797 starb der Schriftsteller. Zu seinen wichtigsten Werken zählt >>Reflections on the Revolution in France<<, seine Betrachtungen über die Französische Revolution.

Thomas Moore, der auch zu den Schriftstellern zählt, die am Trinity College studiert haben, war der erste Katholik der an diesem College studieren durfte. Er gilt als Nationaldichter Irlands, seine Tätigkeiten umfassten die Schriftstellerei und das Dichten, außerdem war er Satiriker, Komponist, Sänger und Musiker. Seine Musik inspirierte Joyce als er >>Dubliners<< schrieb, der sich nach dessen Tod in seinem Werk >>Ulysses<< über den Ort, eine ehemalige Toiletten-Anlage, des Denkmals für Thomas Moore lustig machte. Als Schriftsteller war er nicht so sehr angesehen und erntete heftige Kritik. Seine Lebenszeit umfasst die Jahre 1779 bis 1852. Bis heute ist er vor allem für sein Gedicht >>The Last Rose of Summer<< aus dem Jahr 1805 bekannt.

Genau wie der früher wirkende Schriftsteller Edmund Burke erlernte auch Joseph Sheridan Le Fanu den Beruf des Anwalts, allerdings schloss dieser seine Ausbildung 1839 ab und bekam die Zulassung zum Anwalt, jedoch übte er genau wie Burke den Beruf nie aus. In seinem Studium am Trinity College engagierte er sich besonders für das Dublin University Magazine, für das er schrieb und später auch Eigentümer des Magazins wurde, außerdem schrieb er während seiner Studienzeit auch noch für andere Publikationen. Nach dem Tod seiner Frau lebte er sehr zurückgezogen, er schrieb zwischen Mitternacht und Morgengrauen in seinem Bett an seinen Werken. Er gilt als Meister viktorianischer Schauergeschichten. Die Sammlung >>In a Glass Darkly<< beinhaltet sein wohl bekanntestes Werk >>Carmilla<<, das von einer lesbischen Vampirin handelt. Joseph Sheridan Le Fanu lebte zwischen 1814 und 1873.

Oscar Wilde, geboren 1854, studierte ebenfalls am Trinity College, durch herausragende Leistungen erhielt er 1871 ein Stipendium zum Studium der alten Sprachen. Im Jahr 1874 setzte er sein Studium in Oxford fort und erlangte literarischen Ruhm. Seine Mutter veranstaltete regelmäßig literarische Salons an denen jeder, der in Dublin Rang und Namen hatte teilnahm, wie Joseph Sheridan Le Fanu. Wildes Lebensphilosophie war „The first duty in life is to be as artificial as possible. What the second duty is no one has as yet discovered.”. Sein Leben bestimmte ein Balanceakt zwischen Provokation und Anpassung. Was durch die Ehe mit Constance Lloyd 1884, aus der zwei Söhne hervorgingen und dem Prozess wegen Homosexualität 1895 deutlich wird. Nach dem Prozess war er sowohl gesellschaftlich, finanziell als auch menschlich ruiniert und reiste durch Italien und Frankreich. Was man hingegen als Provokation werten kann, war sein Kleidungsstil, weswegen er als Dandy bezeichnet wurde, was nach dem Wörterbuch von Friedrich Kluge „junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“ bedeutet. Er gilt als bedeutender irischer Schriftsteller, sein bedeutendstes Werk ist >>Das Bildnis des Dorian Gray<<, das 1890 veröffentlicht wurde. Zehn Jahre danach, im Jahr 1900 starb er in Paris und wurde später auch dahin umgebettet.

Shaw George Bernard, der als einziger mit 15 die Schule abbrach und nicht studierte, war als einziger Träger des Nobelpreises für Literatur auch gleichzeitig Oscar-Preisträger. Den Oscar bekam er für sein Drehbuch zu My Fair Lady. Sein Geburtshaus ist jetzt ein Museum, das als Gedenkstätte dient. Oscar Wilde sagte einst über den 1856 geborenen: „er hat keine Feinde, aber seine Freunde können ihn nicht ausstehen“. Der irische Dramatiker starb 1950.

Ein weiterer Nobelpreisträger für Literatur William Butler Yeats, der ihn 1923 bekam. Der in Dublin 1865 geborene und 1939 gestorbene war ein bedeutender irischer Schriftsteller, dem in der Nationalbibliothek in Dublin eine ganze Ausstellung gewidmet ist. Er studierte an der Metropolitan School of Art Kunst. William Butler Yeats der Gründer des Abbey Theaters, schrieb vor seinem Tod eine Autobiographie.

Wie auch Edmund Burke und Joseph Sheridan Le Fanu erlernte Patrick Pearse den Beruf des Anwalts und wie Sheridan Le Fanu erhielt er eine Zulassung, jedoch übte der 1879 geborene Schriftsteller den Beruf genau wie seine Vorgänger nie aus. Er studierte an der Royal University Dublin und lernte Gälisch. Burke war in der Gaelic League, die sich dafür einsetzt, dass Irisch als Sprache in Irland erhalten bleibt. Später unterrichtete er Gälisch. Er war einer der sieben Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung und wurde nach der Niederschlagung des Osteraufstandes, bei dem er als Anführer agierte, 1916 im Gefängnis hingerichtet.

James Joyce fühlte sich wie Jonathan Swift, der England Irland vorzog, nicht direkt zu Irland hingezogen, jedoch verband ihn eine Art Hassliebe zu Dublin. Die Familie des 1882 geborenen Schriftstellers zog immer wieder um, da der Vater nicht mit Geld umgehen konnte. Es erfolgten unzählige Umzüge. Joyce besuchte zwei Jesuitenschulen, darunter das Jesuiteninternat Clongowes Wood College. Die Erinnerungen an diesen Ort nutzte er für sein halb autobiografisches Werk >>Portrait of the Artist as a Young Man<<. Er studierte an der Catholic University, später University College Dublin, Sprachen. Der Martello Tower in Dún Laoghaire, gehörend zur Grafschaft Dublin, beinhaltet ein Museum über James Joyce. Er gilt als einer der einflussreichsten Klassiker der internationalen Moderne. Sein selbstgewähltes Leben im Exil verbrachte er in Triest, Zürich und Paris mit seiner Lebensgefährtin Nora Barnacle ab dem Jahr 1904. Nora war der Ansicht, dass er bei der Musik hätte bleiben sollen. Trotz seines Lebens im Exil blieb er Dublin durch eine Art Hassliebe verbunden und kehrte ein paarmal zurück. Sein bekanntestes Werk ist das Hauptwerk „Ulysses“ aus dem Jahr 1922 das zunächst nur auszugsweise in Zeitschriften abgedruckt wurde. Im Jahr 1941 starb James Joyce.

Einer der Nobelpreisträger für Literatur, der aus Dublin stammt ist der 1906 geborene Samuel Beckett. Seine Familie war wohlhabend und in seinem Leben hatte er immer wieder Auseinandersetzungen mit seiner Mutter. Im Alter von 17 studierte er bereits am Trinity College Französisch und Italienisch. In seiner Studienzeit war er ein erfolgreicher Cricketspieler. Er assistierte Joyce, mit dem ihm eine Freundschaft verband, als Sekretär. Seine Werke kann man als Weltliteratur im doppelten Sinn sehen, da sie eine Schöpfung aus der Kultur vieler europäischer Länder sind, er veröffentlichte sie in unterschiedlichen Sprachen und übersetzte diese in die jeweils anderen. Die Sprachen in denen er selbst publiziert hat sind Englisch, Französisch und Deutsch. Um seine Werke dem Publikum nahe zu bringen, wandte er sich den modernen Medien zu, darunter Hörspiel, Fernsehen und Film. Sein bekanntestes Werk ist >>Warten auf Godot<<, wovon ein Ausschnitt bei den Literary Pub Crawls zum Besten gegeben wird. Samuel Beckett zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, er starb 1941.

Der trinkende Dichter par excellence war Behan Brendan, Noel Cummins von der Irish Actors Theatre Company sagte über den Schriftsteller mit Alkoholproblem: „der berühmte Dubliner Trinker mit einem Schreibproblem“. Mit einem Dutzend Pints und zwei Flaschen Whiskey pro Tag förderte er in der Spätphase seines Schaffens den Gedankenfluss, die Schreibmaschine brachte er mit in McDaid’s Bar. Der 1923 in Dublin geborene, trat 1939 zur IRA bei, der  Irish Republican Army, deren Ziel die völlige Unabhängigkeit Irlands gegenüber Großbritannien war. Im Verlauf seiner Tätigkeit bei der IRA wurde er inhaftiert, während dieser Zeit lernte er fließend Irisch. Behan Brendan starb 1964, er gilt als einer der erfolgreichsten irischen Dramatiker der letzten Jahrzehnte.

Zu den derzeitigen Schriftstellern gehört der 1958 geborene Roddy oder Roderick Doyle, die 1981 geborene Cecelia Ahern und der 1974 geborene Derek Landy. Roddy Doyle versuchte sich zuerst als Lehrer und gewann dann als Schriftsteller den Booker Prize, sein bekanntestes Werk ist >>Paddy Clarke Ha Ha Ha<<. Cecelia Ahern studierte Journalismus und Medienkommunikation. Ihren ersten Roman, P.S. Ich liebe Dich, der in mehr als 40 Ländern erschien schrieb sie mit 21 Jahren. Zu dem Buch gibt es eine gleichnamige Verfilmung, die auch ein internationaler Erfolg wurde. Ihre ersten zwei Romane schafften es auf der Bestseller-Liste Irlands und Englands auf Platz eins. 2005 gewann sie den Irish Post Award for Literature & CORINE Weltbild Leserpreis. Derek Landy der seit wenigen Jahren durch seine Reihe Skulduggery Pleasant bekannt ist, arbeitete vorher als Drehbuchautor und schrieb während seiner Tätigkeit zwei Drehbücher. Mit seiner Familie wohnte er auf einem Bauernhof in Lusk, das zur Grafschaft von Dublin gehört.

Literatur:

http://geboren.am/orte/Europa/Irland

http://geboren.am/orte/Europa/Irland/Leinster/Dublin

Tschirner, Susanne: Direkt Dublin, Ostfildern 3. aktualisierte Auflage 2015

http://www.dublin.de/schriftsteller/

Engler, Bernd [Hrsg.]:Englischsprachige Autoren, Stuttgart 2004

Rasche, Hermann/Raykowski Harald: Literarischer Führer Irland, Berlin 2010

http://www.booklove.de/menschen/interviews/derek-landy-im-interview.html; Interview mit Derek Landy

http://de.cecelia-ahern.com/cecelia/; Offizielle Website von Cecelia Ahern

Horn, Christian: Bücher, die man kennen muss – Populäre Bestseller, Mannheim [u.a.] 2011

Horn, Christian: Bücher, die man kennen muss – Klassiker der Weltliteratur,  Mannheim [u.a.] 2011

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr_kultur/28945_Der-Menschenfeind-als-Satiriker.html