ISSN: 1867-6189

Neues von Blogwatch

How to read?

Sie heißen Kindle, iLiad oder SonyTouch, sind handlich, speziell für den Genuss von E-Books konzipiert und kleine Stars der Frankfurter Buchmesse 2009. Daneben werden sie aber auch heiß und kontrovers diskutiert – die E-Book Reader.

Einen guten Einstieg in dieses Thema bietet ein Beitrag im Blog Innovation@ETH-Bibliothek von Dr. Rudolph Mumenthaler (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich), in welchem er die neusten Geräte, die in Frankfurt zu bewundern waren, beschreibt und bewertet.
Besonders der txtr Reader, welcher eine hohe Aufmerksamkeit in der Fachwelt genießt, schnitt dabei aufgrund seiner Navigationsmöglichkeiten und geringen Größe nicht gut ab. Auch die anderen vorgestellten Geräte boten wenig Neues, so dass Dr. Mumenthaler folgendes Fazit zog:

»viel Weltbewegendes war nicht zu sehen. Amazons Ankündigung, den Kindle jetzt auch nach Europa zu bringen oder Googles neue Pläne mit Google Editions scheinen mir wichtiger als diese Geräte, die mehr oder weniger auf derselben Technologie basieren.«

Generell wird auf diesem Blog häufig über Neuerungen im Bereich der E-Books und ihrer Reader berichtet, so dass er allen, die an diesem Thema interessiert sind, nur empfohlen werden kann.

Der txtr Reader wurde ebenfalls von den »uncoolen Bibliothekaren« auf der Frankfurter Buchmesse unter die Lupe genommen. Die Beurteilung des Readers ist dabei ähnlich wie die von Dr. Mumenthaler. Allerdings kann durch die, in den Beitrag integrierten, Videoclips ein besserer Eindruck von der Bedienung und den Funktionalitäten gewonnen werden.
Auch die Zukunftswerkstatt formulierte anlässlich der Frankfurter Buchmesse am 14.10.2009 einen Beitrag zu diesem Thema. Zwar stellt dieser Beitrag selbst »nur« eine Art Linksammlung dar. Dennoch er ist hochinteressant!
Besonders spannend ist dabei die Online-Umfrage, welche der Buchhändler und aktive Blogger Bernd Sommerfeld erstellt hat. Diese zeigt, wie groß die Skepsis gegenüber diesen Geräten auch unter technik- bzw. webaffinien Menschen ist und benennt die Gründe dafür. So wird beispielsweise das harte Digital Rights Management oder das geringe Angebot an deutsprachigen E-Books angesprochen – Argumente, die in vielen Diskussionen zu kurz kommen.

Bereits im Juni 2009 stellte sich Dörte Böhner im Blog bibliothekarisch.de die Frage: »Kühlt sich der Hype ums E-Book ab?«
Der Beitrag wertet dabei ein Interview mit Ralf Alkenbrecher, einem Experten auf dem Gebiet der E-Book, aus. Dieses wurde zum Zwecke einer Bilanzierung der Verbreitung kommerzieller E-Books geführt. Herr Alkenbrecher kommt dabei zu dem Schluss, dass die mediale Aufmerksamkeit, die diesem Thema gewidmet wird, erheblich geringer geworden ist. Begründet kann dies darin sein, dass der Hype, den es innerhalb der Fachwelt gab, bei den Käufern nicht angekommen ist. Zwar waren die Verkaufszahlen höher als bei früheren E-Book-Einführungsversuchen, aber immer noch recht gering. Hinzu kommt, »dass das Thema ‚E-Book’ in vielen Verlagen ein Angstthema ist und eben möglichst auf kleiner Flamme nebenbei läuft. Es ist nicht Chefsache, sondern einfach nur ein Test.« Dennoch ist Alkenbrecher der Meinung, dass proprietäre, monopolistische Systeme wie der Kindle für den ganzen E-Book-Markt positive Auswirkungen hätte, da durch eine größere Werbe- und Pressekampagne die Nachfrage nach E-Books gesteigert werden könnte.
Interessant ist auch, dass in der nachfolgenden, recht kurzen Diskussion auch die Frage nach den eigentlichen Nutzern von ebooks und ihrer Reader aufgeworfen wird und sich dabei zeigt, wie viele offenen Fragen noch mit diesem Thema verbunden sind.

Ihren ersten Selbstversuch mit e-books beschreibt die Bibliothekarin Heidi Kistenmacher in ihrem Blog Kitnahrs Schatzkiste. Interessant ist, dass sich die Autorin für diesen Selbsttest gegen einen »klassischen« E-Book-Reader entschieden hat. Die Begründung dafür liefert sie gleich mit:

»Die E-Book-Reader sind (immer noch) ganz schön teuer und können in der Regel nicht mehr als Texte anzeigen. Zwar mit langer Akkuhaltbarkeit, dafür sehen sie so farblos-langweilig aus.«

So fiel die Entscheidung auf den iPod touch 2G, welcher eine größere Vielfalt an Funktionalitäten hat. Trotz des vergleichsweise kleinen Displays war das Lesevergnügen mit der vorinstallierten Software Stanza ungetrübt. Schon weil die Schriftgröße, die Hintergrundfarbe etc. an die Bedürfnisse und den Geschmack des Lesers angepasst werden können und die Bedienung des Geräts einfach ist.

Einen genaueren Überblick über die momentan erhältlichen E-Book Reader kann man im Übrigen auf dieser Seite http://www.ebookreader-info.de/ erhalten.

Dennoch stellt sich damit die Frage, wie sinnvoll diese Geräte überhaupt sind. »Ebook-Reader im Test – Ergebnis: Ernüchternd« lautete es zum Beispiel im NetBib weblog am 16.10.2009. Dieser bezieht sich auf einen Artikel des Kolumnisten Michael Stein im online Magazin evangelisch.de. Dieser ist, nach ausführlichen Tests auf der Frankfurter Buchmesse, alles anderen als überzeugt von diesen elektronischen Lesehelfern. Neben der Frage nach dem Mehrwert für den Kunden benennt er die Nachteile, welche E-Book Reader seiner Meinung nach haben.

»Es ist ein Gerät, das Zeit kostet. Es will aufgeladen, upgedatet und synchronisiert werden. Die Zeit nutze ich lieber, um die Bücher zu lesen. Man kann sich keine handschriftlichen Notizen machen, das Markieren von Textstellen ist umständlich – und: man kann das eigentliche Buch nicht anfassen, man kann das Papier nicht riechen, den Einband nicht fühlen.«

Damit fasst er eine Vielzahl von Vorurteilen, die gegenüber E-Books bestehen, zusammen und entfacht dadurch eine hitzige Diskussion im NetBib Weblog, in der auch von der Akzeptanz von E-Books im Vergleich zu gedruckten Büchern im bibliothekarischen Alltag geschrieben wird.

Dass solche Diskussionen nicht immer bitterernst geführt werden müssen, zeigt die Videoreihe »The book vs. the kindle«, welche vom Team des Blogs »The green Apple Core« erstellt wurde.
Eine vollständige Auflistung dieser Videos ist auf bibliothekarisch.de verzeichnet.

Enden soll dieser Artikel mit den Fragen, die sich auch die Zukunftswerkstatt in ihrem Beitrag gestellt hat:

»Bis Mitte nächsten Jahres wird sich einiges getan haben in diesem Segment. Wer wird das Rennen machen? Die 2-seitigen Screens mit dem Buchfeeling? Die Reader mit den größten eigenen Buchangebotsplattformen im Rücken? Oder doch Multifunktiongeräte wie das iPhone?«

Bibliothekarischer Rechtsdschungel

Ob Urheberecht, Datenschutz oder gar Bibliotheksgesetze – es ist schon eine Herausforderung, einen bibliothekarischen Blog zu finden, in dem das Thema »Recht« komplett ausgeklammert wurde. Zwar stellt dies ein deutliches Indiz für die Wichtigkeit dieses Bereichs dar, bewirkt aber zeitgleich eine unübersichtliche Informationssituation.

Dem an den rechtlichen Aspekten des Bibliothekswesens interessierten Bloglesern kann an dieser Stelle der Blog Bibliotheksrecht von Dr. Eric Steinhauer empfohlen werden. Dieser »virtuelle Zettelkasten mit Hinweisen und Anmerkungen zu bibliotheksrechtlichen Themen«» informiert regelmäßig über aktuelle Fragen. Besonders interessant sind die Verweise auf bibliothekarische Themen in der politischen Diskussion, welche ja nach der Bundestags- und verschiedener Landtagswahlen sehr heiß geführt wird und auch in den einzelnen Koalitionsverhandlungen ein Gesprächspunkt ist. Dabei wird auch auf das dauerhaft aktuelle Themengebiet des Bibliotheksgesetzes eingegangen. Aktuell (Stand 19.11.2009) befinden sich 97 mit »Bibliotheksgesetz« getaggte Beiträge in diesem Blog, wodurch die thematische Relevanz verdeutlicht wird.
Das an der Anzahl der Tags gemessene Topthema stellt aber mit 173 Tags (Stand 19.11.2009) das Urheberrecht dar. Durch die verstärkten Bemühungen hinsichtlich der digitalen Zugänglichmachung von Bibliotheksbeständen und die digitalen Angebote von Google wird das Urheberrecht zu einem immer wichtigeren Aspekt für Bibliotheken. Dabei werden hier, neben der Darstellung der jeweils relevanten Paragraphen, diese von Dr. Steinhauer auch erläutert und in einen fachlichen Kontext gesetzt.
Zusätzlich dazu betreibt Dr. Steinhauer auch einen Blog zum Wissenschaftsurheberrecht, welcher dieses Thema noch genauer, aber leider nicht ganz so aktuell betrachtet.

Um konkrete Informationen zu Bibliotheksurteilen zu erhalten, bietet auch die Seite bibliotheksurteile.de eine gute Anlaufstelle. Untergliedert in die Kategorien Rechtsgebiete, Bibliotheken und Gerichte bietet diese Website einen sehr übersichtlichen Zugriff auf die Gesetzestexte im Volltext. Zwar ist dieses von den Studierenden der HAW Hamburg und von wordpress gehostete Angebot kein klassischer Blog, stellt aber eine wertvolle Informationsquelle dar.