ISSN: 1867-6189

Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin

Die ersten Eindrücke und Erfahrungen der Diplombibliothekarin Michaela Jobb

Über einige Umwege entschied sich Frau Michaela Jobb 1999 an der Fachhochschule Potsdam »Informationswissenschaften« (Fachbereich Bibliothek) im Hauptfach Bibliothek und im Nebenfach Dokumentation zu studieren1.
Während Ihrer Studienzeit absolvierte sie Praktika in der Bibliothek der Technischen Universität Berlin, im Frauen Computer Zentrum Berlin und für das Nebenfach Dokumentation bei der Firma IMAC, die im Bereich Information & Management Consulting tätig ist.  Darüber hinaus  arbeitete sie neben dem Studium in der Bibliothek der Fachhochschule Potsdam und im Internationalen Designzentrum Berlin (IDZ), wo sie  erste Erfahrungen  als »One-Person-Librarian« sammelte.
Ende 2003 schloss Michaela Jobb ihr Studium mit der Diplomprüfung erfolgreich ab und begann im Januar 2004 ihre berufliche Karriere im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Dort arbeitete sie in dem DFG-geförderten Projekt »Auf- und Ausbau der virtuellen Fachbibliothek Sozialwissenschaften« mit. 2005 verließ Sie das Projekt, um seit dem an der neugegründeten Hertie School of Governance2 (HSoG) die Bibliothek aufzubauen und deren Leitung zu übernehmen3.
Seit 2002 ist Michaela Jobb Mitglied der AG OPL Berlin/Brandenburg4 und steht dort im regen Austausch mit BibliothekarInnen anderer OPLs aus der Region. Sie ist Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende der im April 2009 gegründeten AG  Privater Hochschulbibliotheken5. Wenn es ihre Zeit erlaubt ist sie nebenberuflich an verschiedenen Institutionen als Dozentin tätig. Sie interessiert sich besonders für die Themen Informationskompetenz und Web 2.0.
Seit Oktober 2009 belegt Sie, neben Ihrer Tätigkeit an der HSoG, den Masterstudiengang »Bibliotheks- und Informationswissenschaft« im Fernstudium an der Humboldt Universität Berlin.

BRaIn: Warum haben Sie sich für den Masterstudiengang an der Humboldt Universität entschieden und welche Erwartungen haben Sie an das Studium?

M.J.: Ein sehr guter Kollege von mir hat vor kurzem den Master in Bibliotheks- und Informationswissenschaften (Library and Information Science) erlangt und mir empfohlen.
Ich habe aber schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, mich weiter zu qualifizieren. Direkt nach meinem Diplomstudium hielt ich es aber für keine gute Idee, da man auch schnell als »überqualifiziert« gilt. Außerdem wollte ich zuerst mehr Praxiserfahrung sammeln und entschied mich noch etwas zu warten.
Mit dem Studium möchte ich zu allererst mein Wissen und Horizont erweitern, hoffe aber auch nach dem Studium auf neue Herausforderungen und noch bessere Karrierechancen.

BRaIn: Welche inhaltlichen Ansprüche haben Sie an das Studium?

M.J.: Mir ist es wichtig meine bereits während des Studiums erworbenen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen und mich mit den neuesten Entwicklungen in unserem Bereich auseinanderzusetzen. Ansonsten würde ich gerne den Schwerpunkt auf den Managementbereich lenken, was für eine Leitungsfunktion auch von größerer Bedeutung wäre.

BRaIn: Würden Sie  ein Masterstudium empfehlen?

M.J.: Der Master ist auf jeden Fall sehr nützlich, wenn man in einer Informationseinrichtung eine Leitungsfunktion übernehmen möchte bzw. schon ausführt. Nach meinen Erfahrungen, wäre es aber sinnvoller  erst einmal Praxiserfahrung zu sammeln und nicht gleich den Master zu machen.

BRaIn: Wie unterscheidet sich der Masterabschluss von den früheren Abschlüssen?

M.J.: Das ist schwer zusagen. Zurzeit befinden wir uns  in einer Übergangsphase. Soweit ich weiß wird ein (FH)Diplomabschluss  gleichgesetzt  mit einem Bachelorabschluss an einer Universität. Ich glaube, wir müssen abwarten und schauen wie es sich in der Zukunft entwickelt und in der Praxis umgesetzt wird.

BRaIn: Zum Schluss noch eine Frage zum Umfang des Studiums. Da Sie neben dem Studium als Leiterin einer Bibliothek tätig sind, würde mich interessieren, ob sich das Studium mit Ihrem Berufs- und Privatleben6 vereinbaren lässt und wie viel Zeit Sie täglich für das Lernen investieren?

M.J.: Da ich gerade erst mit dem Studium begonnen habe, kann ich das noch nicht beurteilen. Natürlich muss man alles genau organisieren und viel Disziplin an den Tag legen, um sich nach der Arbeit oder am Wochenende noch ein paar Stunden hinzusetzen und zu lernen. Da ich aber im Alltag bzw. im Berufsleben mit den Thematiken aus dem Studium zu tun habe, verliere ich nie den Anschluss und kann mein dazu gewonnenes Wissen sofort in die Praxis umsetzen.
Vor der Masterarbeit, die ich dann auch nebenbei schreiben muss, habe ich aber großen Respekt. Sie wird mich sicher sehr viel Zeit und Kraft kosten. Da ich aber viel Rückhalt und Unterstützung aus meinem persönlichen und beruflichen Umfeld, insbesondere meinem Arbeitgeber, erfahre, freue ich mich auch auf diese Herausforderung!

Fussnoten

1. Das Studium war damals in Archiv, Bibliothek und Dokumentation strukturiert.
3. Jobb, Michaela: Von Null auf Hundert : Library and Information Service an der Hertie School of Governance. In: BuB . . – Bd. 59.2007, 9, S. 640-643
6. Michaela Jobb hat ein schulpflichtiges Kind