ISSN: 1867-6189

Kann man sich anschauen, muss man aber nicht: Das provisorische Bauhaus-Museum in Weimar

Weimar bietet dank seiner interessanten Geschichte und seiner sehr ansehnlichen Stadtgestaltung eine Reihe von „must-sees“. Man sollte Goethe und Schiller in irgendeiner Form begegnet sein, der Gedenkstätte Buchenwald einen Besuch abgestattet und auch einen kurzen Blick in den Park an der Ilm geworfen haben (s. z.B. „Auf den Spuren von Goethe & Schiller in Weimar“). All jene, die sich weniger „Verstaubtes“, Feingeistiges oder Aufwühlendes wünschen, freuen sich sicherlich auf das, was Weimar an innovativem Zusammenspiel von Farbe und Form zu bieten hat: das Bauhaus.

In 5 Jahren feiert die von Walter Gropius gegründete Kunstschule 100-jähriges Jubiläum. Durch die beeindruckende Überwindung von Grenzen konnten Kunst, Handwerk und Architektur zu einem ganzheitlichen Konzept vereinigt werden. Zahlreiche bedeutende Künstler formten die Kunstschule durch ihre Tätigkeit als Lehrende: Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy, Mies van der Rohe u.v.a.m. Inmitten politischer Umbrüche versuchten sie sich in kreativer Zusammenarbeit mit den Bauhaus-Schülern an einer Reform der künstlerischen Arbeit. Eine solide Handwerksausbildung sollte als Fundament für die eigenen gestalterischen Ideen dienen. Das Kunstverständnis der Bauhaus-Anhänger folgte keinen starren Richtlinien, sondern veränderte und formte sich vielmehr im Kontext der zeitgeschichtlichen Strömungen. So band man beispielsweise nach einiger Zeit die Industrie und maschinelle Produktion als treibende Kräfte in die Bauhaus-Lehre ein. Als Arbeitsgemeinschaft vereinte man die schöpferischen Impulse aller Beteiligten und schuf ein Einheitskunstwerk.

Nach sechsjähriger Wirkenszeit in Weimar musste das Bauhaus aufgrund der politischen Lage Mitte 1925 nach Dessau umziehen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf freut man sich auf eine inspirierende, lebhafte und umfangreiche Ausstellung. Leider kann Weimar diesen Erwartungen, zumindest derzeit, nicht gerecht werden. In einem überraschend kleinen Raum werden ca. 200 Exponate präsentiert, darunter vor allem Möbelstücke und Alltagsgegenstände. Einige Skizzen und Gemälde geben zumindest einen kleinen Einblick in die malerischen und graphischen Tätigkeiten der Bauhaus-Mitglieder. Im Eingangsbereich beeindruckt eine Kopie der Skulptur „Turm des Feuers“ von Johannes Itten.

Skulptur_Bauhaus-Museum

„Turm des Feuers“ von Johannes Itten (Quelle: Klassik-Stiftung Weimar)

Der kleine Raum ist recht schnell durchschritten und bietet wenig Spektakuläres, und so konnte uns das Bauhaus-Museum nur ein Schulterzucken entlocken und ließ uns mit einem leichten Gefühl von Enttäuschung zurück.

Seit fast 20 Jahren befindet sich das Bauhaus-Museum bereits provisorisch in der Kunsthalle am Theaterplatz. Allerdings gibt es einen Lichtblick: die Planung für ein neues Bauhaus-Museum in Weimar ist seit 2008 in vollem Gange. Vor zwei Jahren einigte man sich auf einen Museumsentwurf für ein Gebäude in Form eines minimalistischen Kubus mit ausgefallener Beleuchtung bei Nacht. Der Baustart am neuen Standort soll in gut einem Jahr erfolgen und das Museum planmäßig noch vor dem 100-jährigen Jubiläum den Besuchern präsentiert werden. Die Sammlung von 10.000 Bauhaus-Objekten der Klassik Stiftung wird in dem neuen Gebäude unterkommen. Mittels der thematisch geordneten Kunstwerke und Objekte wird dem Besucher Schaffen und Wirken der Bauhaus-Mitglieder im historischen Kontext vermittelt. Unterschiedliche Präsentationsformen sollen die Interaktivität des Besuchers ansprechen.

Die Pläne versprechen ein eindrucksvolles Gebäude mit spannenden Exponaten, das mit Sicherheit einen Besuch wert ist. Für das provisorische Museum stellten wir allerdings fest: „Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.“ Bauhaus-Begeisterte warten mit ihrem Weimar-Besuch also doch lieber bis 2018.