ISSN: 1867-6189

Die Anna-Amalia Bibliothek

Anna-Amalia

„Die Fürstin lädt zur Tafelrunde“

Befindet man sich auf dem Weg zum berühmten „Rokokosaal“ der Herzogin Anna Amalia Bibliothek kommt man nicht daran vorbei das Gemälde ihrer berühmten, ehemaligen Besitzerin zu passieren.

Ein großes Ölgemälde Anna Amalias hängt im Treppenhaus. Es zeigt sie sitzend neben einem Cembalo, in der Hand ein aufgeschlagenes Buch, und in Gesellschaft eines Mopses, einem Modetier der damaligen Zeit. Unter 1,55m war sie nur groß, die Herzogin von Weimar, und sie entsprach nicht dem Bild einer hübschen Frau.

Zeitgenössischen Beschreibungen nach beeindruckte sie dennoch durch majestätisches und respekteinflößendes Auftreten.

Wer war diese Frau, die die Weimarer Klassik prägte, sich mit der intellektuellen Elite Deutschlands ihrer Zeit umgab und den Grundstein für eine der bedeutendsten Bibliotheken Deutschlands legte?

Anna Amalia kam am 24. Oktober 1739 in Wolfenbüttel als Tochter des Herzogs Carl von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Herzogin Philippine Charlotte zur Welt. Das Verhältnis zu ihren Eltern war schwierig, oftmals wurde sie von ihnen als „Ausschuss der Natur“ betitelt. Nichtsdestotrotz erhielt sie eine umfangreiche Ausbildung, wie etwa in Lesen, Schreiben, Theologie, den Wissenschaften, oder auch in Sprachen. Schon in ihrer Kindheit bekam sie Instrumentalunterricht und ging ihrer Leidenschaft für Musik nach.

Am 16. März 1756 wurde die damals noch sechszehnjährige Anna Amalia mit dem als kränklich geltenden Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach verheiratet. Ein Jahr nach der Hochzeit gebar Anna Amalia den späteren Großherzog Carl August. Noch vor der Geburt ihres zweiten Sohnes, Constantin, 1758 starb Ernst August II. Constantin nach langer Krankheit. Da der rechtmäßige Erbprinz noch minderjährig und zu jung für einen Regenten war, übernahm Anna Amalia die Aufgabe für diese Zeit.

Zum Beginn von Anna Amalias Regentschaft überschatteten noch die Folgen des Siebenjährigen Krieges Weimar. Sie sorgte sich nicht nur um die Verbesserung des Stadtbildes, sondern auch um die Modernisierung Weimars. Sie ließ Teile des Stadtgrabens zuschütten (hier entstand der heutige Goetheplatz), sorgte 1769 für die Aufstellung von Laternen, ließ Wohnhäuser errichten (darunter auch Schillers späteres Wohnhaus) und sorgte für die Überwölbung der offen durch die Stadt verlaufenden Abwasserkanäle.

Nicht zu vergessen ist natürlich ihr Bemühen um die Bibliothek, welche sie stets mit neuen Büchern versorgte und auch vom Schloss aus in ein neues Gebäude, das „Grüne Schloss“, versetzen ließ. Mit dem Umzug wurde die Bibliothek auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

1775 konnte schließlich Anna Amalias erster Sohn Carl August, die Herrschaft übernehmen, sodass sie sich nun auf ihre Leidenschaft, die Musik und Literatur, konzentrieren konnte. Fortan unternahm sie auch Reisen, wie etwa nach Italien.

Gesellschaftliche und freundschaftliche Kontakte sollen ihr wichtig gewesen sein.

Zugang zu ihrem „Musenhof“ fanden nicht nur Adlige, sondern vor allem jene, die sich für Kunst und Wissenschaft interessierten.

Zu den berühmtesten Gästen der „Mittwochstafel“ gehörten Goethe, Schiller, Herder und Wieland, von denen berichtet wird, wie sie sich, durch einen Streit verursacht dermaßen laut unterhielten, dass die Tafel von Anna Amalia früher aufgehoben werden musste.

Anna Amalia starb am 10. April 1807, vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls. Beigesetzt wurde sie auf eigenen Wunsch in der Stadtkirche St. Peter und Paul, um in der Nähe ihres Freundes Herder beerdigt zu werden.

Neben eines offiziellen Nachrufs auf die Herzogin verfasste Goethe auch ihre Grabinschrift: „Erhabenes verehrend, Schönes genießend, Gutes wirkend.“

Führt man sich das Leben Anna Amalias vor Augen, dass es ihr gelang, ihr ganzes Leben über ihren Interessensgebieten nachzugehen, große Persönlichkeiten der Kultur und Bildung um sich zu versammeln, und das sie sich nach dem Ende ihrer Regierungspflicht fortwährend weiterbildete – man hätte diese Liebhaberin der Künste und Wissenschaften im anfangs erwähnten Gemälde nicht besser porträtieren können.

Architektur der Bibliothek

Im Jahre 1569 wurde das Grüne Schloss als Wohnhaus von Herzog Johann Wilhelm und seiner Gemahlin Pfalzgräfin Dorothea Susanna erbaut. Als Baumeister wird Nikolaus Gromann erwähnt, der auch schon am Bau des Weimarer Stadtschlosses beteiligt war. Mit offenen Arkaden im Erdgeschoss begeistert der schöne Renaissancebau, welcher direkt am Stadtpark liegt. 

1766, unter der Regentschaft von Herzogin  Anna Amalia, erfolgte der Umzug vom Stadtschloss in das Grüne Schloss.

Typisch für einen Bau der in der Renaissance erbaut wurde, ist die Wiederbelebung und Weiterentwicklung der griechischen und römischen Architektur. Vor allem im Rokokosaal kommen verschiedene Elemente aus der Römischen Antike zum Vorschein.  Die Bibliothek erinnert stark an einen Bau im Römischen Reich. Der Renaissancestil betont die Symmetrie, die Proportion, die Geometrie und die Anordnung der Bauteile, wie sie häufig in der Architektur des Alten Roms zu sehen war. Die Anordnung von Säulen, Pilaster, Bögen, Kuppeln und Nischen erfolgte nach festen Regeln.

Neben den goldenen Verzierungen, finden sich im Rokokosaal auch Büsten von bedeutenden Personen, die in der oder direkt an der Bibliothek beteiligt waren. Auch die prächtigen Säulen lehnen sehr an den Architekturstil aus dem Mittelmeerraum an. Der Stil der Renaissance gelangte zu verschiedenen Zeiten nach Europa und wurde mit unterschiedlichen Wirkungen auf die Architektur umgesetzt.

 

Die Bibliothek wurde auf Veranlassung von Johann Wolfgang von Goethe auf der südlichen Seite um einen dreiachsigen Anbau erweitert. Später ließ der Sohn von Anna Amalia, Herzog Carl August, den ehemaligen Stadtbefestigungsturm für seine Militärbibliothek umbauen.  Zum hundertsten Geburtstag von Goethe erhielt das Bibliotheksgebäude den zweiachsigen nördlichen Anbau.

In den Anfängen des 19. Jahrhunderts erfolgten kleinere bauliche Änderungen und bis 1975 wurde die Farbe der Fassade mehrmals geändert. 

Mit dem Brand im September 2004 wurde das komplette Dachgeschoss des Grünen Schlosses zerstört. Der Rokokosaal wurde ebenfalls durch Löschwasser stark beschädigt.

Bis zum 268. Geburtstag der Herzogin Anna Amalia konnte ein großes Team aus Gutachtern, Restauratoren, Handwerken und Ingenieuren die Bibliothek und deren Bestand trocknen, umbauen und restaurieren.

Am 24. Oktober 2007 wurde die Bibliothek wiedereröffnet. Durch einen unterirdischen Anbau ist die historische Anna Amalia Bibliothek mit dem Studienzentrum verbunden.

 

Quellen:

1. http://www.scharfe-architektur.de/herzogin-anna-amalia-bibliothek-weimar/ (Stand: 11.07.2014)

2. http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/herzogin-anna-amalia-bibliothek/forschungsbibliothek/architektur-des-studienzentrums/ (Stand: 11.07.2014)

3. http://www.architekten24.de/projekt/anna-amalia-bibliothek-weimar/uebersicht/9551/index.html (Stand: 11.07.2014)

 

 

Der Brand 2004

Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Wir alle erinnern uns an den schrecklichen Brand am Abend des 2. Septembers 2004. Sehr viel wurde damals zerstört. Viele Bücher, Handschriften, Globen und Gemälde wurden zerstört, vom Gebäude ganz zu schweigen.

Jedoch mit Hilfe von Spendern konnten das Gebäude und viele der Medien wieder hergestellt werden. So konnte der Rokokosaal nach dem Brand wieder aufgebaut werden, das Deckengemälde konnte von einem bayrischen Maler ersetzt werden, viele der Bücher und Handschriften wurden gesäubert und repariert. Bedauerlicherweise sind die Briefe und kleine Bücher von der 2. Galerie vollständig zerstört, was besonders schlimm ist, da viele nur einmal existieren und nicht nachgekauft werden können.

Ein Teil der Bücher konnte in einer spektakulären Rettungsaktion zum Teil aus dem schon brennenden Gebäude durch einen Tunnel und zum anderen Teil nach dem Brand durch die Feuerwehr gerettet werden. Bei der Bergung halfen 900 Personen und viele weiter Helfer mit.

118.000 Bücher kamen ins Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig. Nach Schätzungen der Bibliothek sind etwa 50.000 Bände verbrannt. Auf der Homepage steht: „Von den verbrannten 50.000 Bänden sind vermutlich drei Viertel langfristig wiederzubeschaffen. Der Erwerbungsprozess wird sich aber über Jahrzehnte hinziehen und von den zur Verfügung stehenden Geldmitteln abhängen.“

Bei der Löschung musste sogar Löschschaum hinter die Verkleidung gespritzt werden, um eventuelle Brandherde zu löschen. Ein schwebender Bagger räumte von der 2.Galerie aus Asche und die in ihr eventuell befindlichen Bände in 20 Container.

Bei den schnell aufgekommenen Gerüchten zur Brandursache gab es ein breites Spektrum, angefangen bei Brandstiftung bis hin zur Fahrlässigkeit. Ein Gutachten ergab schließlich, dass es sich um ein altes Stromkabel aus Aluminium handelte.

„Die korrodierte Klemmverbindung einer Aluminium- und einer Kupferleitung  hat längere Zeit hinter einer Wandverkleidung im Dachgeschoß geschmort, bevor die Brandmelder Alarm schlugen.“

Zum Glück im Unglück verhinderten Brandschutztüren ein Übergreifen auf andere Gebäude. Jedoch musste man deswegen den Brand von außen löschen.

Die beschädigten Bände kamen nach Leipzig ins Zentrum für Bucherhaltung. Bei manchen war nur die Hülle beschädigt und bei anderen sogar die ersten beiden Seiten. Die Bücher wurden in Frischhaltefolien gewickelt. Nur so konnte das weitere Beschädigen der Bände verhindert werden. Pergament klebt im feuchten Zustand aneinander und es entsteht zusätzlicher Schaden an den Büchern. So verpackt kamen sie in Leipzig an, wo man sie in Ruhe von Schmutz reinigte. Danach kamen sie von Mullbinden umwickelt in die Gefriertrocknung. Das Umwickeln verhinderte das Quellen und Verziehen der Bücher. Die Tiefkühlung findet bei minus 20 Grad Celsius statt. Das Wasser gelangt ohne flüssig zu werden in den gasförmigen Zustand und kann so abgesaugt werden. Zum anderen entsteht durch die extreme Kühlung kein Schimmel.  Dabei stellte man fest, dass Leder verbrennt, während Pergament sich auflöst.

Die Mitarbeiter konnten zum Glück noch einige Aschebücher aus den Containern retten. Die Container standen auf dem Hof der Polizei, da sie Beweismaterial waren. 3 Wochen später  durchsuchten die Mitarbeiter die Asche und fanden in ihr noch weitere erhaltene Noten und Bücher.

„Nach der Katastrophe wurden außerdem 21 Tonnen an beschädigten Materialien – rund 28.000 Bände beziehungsweise Fragmente – aus dem Brandschutt geborgen. Bei diesen Büchern fehlen die Einbände, zum Teil sind die Seitenränder oder Teile des Textspiegels verbrannt.“

Die beschädigten Hüllen wurden, wenn es ging, mit der Originalbespannung erhalten. Die Schäden erinnern so immer an den Brand und die Folgen.

vorher nachher Abbildung 1: Papierband aus dem Besitz von Herzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818–1901), kenntlich am goldgeprägten Supralibros mit den Initialen CA.
Fotos: HAAB

Trotzt großer Bemühungen können manche nur auf 45 Grad geöffnet werden. Der Kleber im Buchrücken ist geschmolzen und neu gehärtet. Die Bücher sind der Öffentlichkeit jedoch trotzdem zugänglich, da eine minimale Nutzungsmöglichkeit vorhanden ist. Bände, die noch schlechter zu nutzen sind und bei denen eine Gefahr für die Bände besteht, stehen nun als Digitalisat zur Verfügung.

Eine Übersicht zu den benutzten Materialien und die Schadfaktoren. Die Schadfaktoren wirken auf alle Materialien in verschiedener Stärke.

Material Schadfaktoren
Papier-Hadern, Holzschliff- Zellstoff Feuer, Hitze, Ruß, Mörtel, Kalk
Leder und Pergament- Kalb, Schaf, Schwein, Ziege Wasser aus der Ilm, Löschschaum
Textilien- Samt, Seide- Baumwolle, Kunststoff SchimmelGefriertrocknung

Bei der Restaurierung sind Leitlinien für den Fall eines erneuten Schadens entstanden. Dies ist nützlich um beim nächsten Mal besser damit umgehen zu können.  Das Original bleibt soweit es geht erhalten. Die Revidierbarkeit soll gewährleistet werden. Die Spuren des Schadens bleiben zur Erinnerung sichtbar. Eine Benutzung der Bände soll im Lesesaal möglich sein.

Zur Schadensanalyse gehören das Restaurierungsziel, Maßnahmen und Techniken, welche verwendet wurden, die Materialien die verarbeitet sind und ein Musterband, wenn das andere vollständig zerstört sein sollte.

Hierfür wurden die Materialien analysiert und in Gruppen eingeteilt. Die Gruppen sind Papierbände und Edelpappbände. Bei letzteren sind die Ecken und der obere und untere Teil des Rückens mit Leder oder Pergament verstärkt. Der Interimsband ist ohne Buchhülle und enthält nur die gebundenen Seiten. Dies war früher üblich um das Buch in einen individuellen Deckel des Käufers einbinden zu können. In  Leder eingebundene Bücher. Broschüren, welche nur dünn sind und keinen stabilen Deckel besitzen. Bei Gewebebüchern handelt es sich um Bücher, bei denen ein Papierdeckel mit Stoff überzogen wurde. Am Schluss ist noch das Pergamentbuch. Das sind Einbände, die mit Pergament überzogen wurden.

Zeitraster

Schadensgruppe Anzahl Bearbeitungszeit
Papierbände,
Edelpappbände
5.800 2006–2008
Interimsbände 1.130 2007
Leder 7.100 2008–2012
Broschüren 2.400 2008
Gewebe 3.200 2009
Pergament 1.700 2009–2010

Abbildung 2: Zeitraster zur Bearbeitungszeit der Gruppen

Zudem wurde eine Managementabteilung eingerichtet, welche sich das Ziel gestellt hat die Risiken für die Menschen und Materialien zu minimieren. Dazu wurde eine Risikoanalyse durchgeführt. Sie befasste sich mit der Gefährdung und den Nebenwirkungen des Brandes für den Bestand und die Leser.

„Vor Beginn der eigentlichen Restaurierungen wurden wissenschaftliche Papieruntersuchungen durchgeführt. Hierdurch konnte sichergestellt werden, dass die mit Löschwasser und Rauchgasen in die Papiere gelangten Substanzen keine Gefahr für Leser und Bücher darstellen.“

Auch wurde die Mengenbehandlung geregelt. Wenn  nur die Einbände beschädigt waren, konnten sie in einer öffentlichen Ausschreibung an externe Firmen vergeben werden.  Waren es jedoch die Aschebücher, so mussten diese in der Spezialwerkstatt in Weimar-Legefeld bearbeitet werden.

Alle rund 50.000 verlorenen Bücher sind in einer „Verlustdatenbank“ eingebunden.

Zum Gedenken an dieses Ereignis und als Dank fand ein Tag der Offenen Tür im rekonstruierten Rokokosaal statt. Demnächst ist auch eine Ausstellung geplant und ein Buch zur Ausstellung. Die Ausstellung ist vom 30.August 2014 bis 9.August 2015 geöffnet und hat den Titel „Restaurieren nach dem Brand“.

Quellen:

1 die Seiten zu dem Brand und nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek http://www.anna-amalia-bibliothek.de/de/

Zuletzt besucht: 09.07.2014

2 Kunst und Kulturgeschichte

http://www.imhof-verlag.com/wp-content/uploads/2014/05/Programmvorschau-ohne-Umschlag.pdf

zuletzt besucht 09.07.2014