ISSN: 1867-6189

BOBCATSSS Konferenz in Barcelona 2014

Unter der Schirmherrschaft der EUCLID (European Association for Library and Information Education and Research) hat die jährliche Konferenz BOBCATSSS dieses Jahr zum 21. Mal stattgefunden, in Barcelona. Die Konferenz, welche sich mit aktuellen Themen der Bibliotheks- und Informationswissenschaften beschäftigt, wird von Studierenden aus zwei europäischen Ländern organisiert. In diesem Jahr haben Studierende aus Schweden und Spanien gemeinsam die Konferenz gestaltet.  Das Thema war: Library (R)evolution: Promoting sustainable information practices.

BOBCATSSS, ein Akronym zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der neun mitstiftenden Universitätsstädte, fand zum ersten Mal in 1993 in Budapest statt. Die Initiative ist unter anderem aus der Bemühung erwachsen, Kontakte zwischen Studierenden der Informationswissenschaften in Ost- und Westeuropa nach der Wende zu knüpfen. Damals so etwas wie ein Wegbereiter für Austauschprogramme mit Osteuropa.

BOBCATSSS als Lehrprozess

Das Konzept BOBCATSSS ist immer noch einzigartig, da die Konferenz hauptsächlich von Studierenden organisiert wird. Sie hat daher eine Funktion als Lehrprozess und Netzwerkaufbau, nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für jene, die sie in einer Zusammenarbeit über Länder-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg organisieren. Die Bachelor- und Masterstudierenden aus den Universitäten in Borås (Schweden) und Barcelona begannen schon vor zwei Jahren mit dem Organisationsprozess. Die Zusammenarbeit involvierte alles, von der Ausarbeitung und Formulierung von Themen, über die Bewertung der eingereichten Beiträge, bis hin zur Organisation des Caterings.

Außer auf den ersten zwei BOBCATSSS Konferenzen, beteiligen sich immer sowohl Wissenschaftler als auch Studierende und Absolventen mit Konferenzbeiträgen. Dass Studierenden kleine Forschungsprojekte auf einer Konferenz präsentieren können, und das vor Kollegen aus aller Welt, ist auch Teil des Lehrprozess-Charakters der Veranstaltung.

Diese Identität von BOBCATSSS als ”Studierendenkonferenz” gibt ihr eine eigene Position und Atmosphäre. Hier werden nicht nur abgeschlossene Forschungsprojekte präsentiert und Beiträge zu „gesicherten Erkenntnissen“ gemacht, sondern es werden auch laufende Projekte vorgestellt. Das hat leider als Konsequenz, dass die Beiträge von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Andererseits sind die Diskussionen offen und die jüngeren Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, um nach Rat zu fragen, oder Unklarheiten in ihrer Fragestellungen offen zu legen.

Thema Nachhaltigkeit

Dieses Jahr nahmen Studierende, Forscher und Lehrende aus rund 30 verschiedenen Ländern Teil, hauptsächlich aus Europa, aber auch z.B. Südafrika, Ecuador und die Türkei waren vor Ort.

Das Thema Nachhaltigkeit wurde breit formuliert. So wurde die Überlebensfähigkeit des physischen Bibliotheksraums im Zeitalter der Digitalisierung vom Keynote Speaker Lluís Anglada diskutiert. Die nachhaltige Nutzung von neuen Technologien war für viele ein Thema: Digitalisierung und Langzeitarchivierung, Cloud-Computing, oder die ständige Entwicklung von Online-Katalogen. Beiträge gab es auch zur Frage der Zukunft des Zugangs zur Informationen, unter anderem im Bezug auf Copyright, Open Access, oder e-books als Potential für Leseförderung in Drittweltländern. Zentral stand natürlich das Thema ökologische Nachhaltigkeit: sind e-books wirklich weniger umweltbelastend als gedruckte Bücher? Wie können Bibliotheken sich nachhaltiger einrichten, als Gebäude, als Dienstleister? Und was ist die Rolle der Bibliothekare bei der Aufklärung von Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit?

Zusammengefassend könnte man als zentrale Frage der Konferenz die Suche nach einer Möglichkeit für längerfristige Planung und Entwicklung bezeichnen, um nicht in der Sturmflut der technologischen, ökologischen und strukturellen Umwälzungen unterzugehen. Wie in den Jahren zuvor geht es immer um die Informationswissenschaften im Umbruch.

Sicher ein guter Start für Studierenden, die gerade am Karriereanfang stehen und ihre eigene Rolle und Zukunft identifizieren müssen.