ISSN: 1867-6189

Interview mit Marcel Ruhl

Marcel Ruhl hat an der FH-Potsdam das Studium zum Diplom-Archivar absolviert und erhielt für seine Abschlussarbeit mit dem Thema »Die Archivierung von Videoaufzeichnungen am Beispiel des ‚Wendler-Projektes‘ im Archiv Demokratischer Sozialismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung« den Hochschulpreis für den Fachbereich Archiv. Für BraIn ein guter Anlass für eine Befragung rund um den Entstehungsprozess seiner Abschlussarbeit.

BRaIn: Wie hast du zu deinem Thema gefunden?

Marcel: Zu dem Thema bin ich durch mein letztes kleines Praktikum gekommen. Ich war acht Wochen im »Archiv Demokratischer Sozialismus« bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und habe dort den Bestand der Europareferentin der Partei »Die Linke« aus der 14. Wahlperiode des Bundestages erschlossen. Zu dieser Zeit war ich schon auf einer vorsichtigen Suche nach einem Thema und da habe ich Frau Gohsmann (meine Praktikumsbetreuerin und spätere Gutachterin) einfach gefragt, ob sie einen Vorschlag aus der Praxis hätte.

BRaIn: Warum hast du dich für dieses Thema entschieden?

Marcel: Für das Thema habe ich mich schlicht und einfach entschieden, weil ich es interessant fand. Das ist unheimlich wichtig, wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema beschäftigen muss. Meine Ausbildung zum Fachinformatiker hat natürlich auch eine Rolle gespielt. So konnte ich auf ein bestimmtes Vorwissen zurückgreifen.

BRaIn: Wer hat deine Diplomarbeit betreut?

Marcel: Herr Prof. Dr. Walberg war Erstgutachter und Frau Gohsmann die Zweitgutachterin

BRaIn: Wie hast du die Betreuung empfunden?

Marcel: Die Betreuung habe ich als sehr gut empfunden. Da das Thema ein Digitalisierungsprojekt im ADS1 beschreibt, hat Frau Gohsmann einen sehr großen Teil der Betreuung übernommen. Sie hat meine Arbeit schon im Entstehungsprozess gelesen und Hinweise sowie Denkanstöße gegeben, um mich auf dem Weg zu halten. Ich bin also sehr zufrieden.

BRaIn: Wie verhielt es sich mit dem Arbeitsaufwand?

Marcel: Der Arbeitsaufwand war relativ groß. Die Pilotphase des Projektes begann bereits im Januar und endete im Juni. Somit hatte ich eigentlich sechs Monate zu tun. Ich hatte aber den Vorteil einen Nebenjob im ADS zu haben, sodass ich direkt in das Projekt eingebunden war und an Sitzungen der Projektgruppe teilnehmen konnte bzw. im direkten Kontakt mit allen Beteiligten stand. Das hat mir sehr bei der Umsetzung der Arbeit geholfen, da ich so beschreiben konnte, was ich miterlebt habe. Ich denke auf dies Weise ist einfacher eine Diplomarbeit zu schreiben. Man beschränkt sich nicht nur auf das Theoretische.

BRaIn: Wie empfandest du den Arbeitsprozess?

Marcel: Der Arbeitsprozess war durch den ständigen Wechsel zwischen Literaturrecherche, lesen, schreiben und den praxisnahen Austausch mit den Kollegen sehr abwechslungsreich und wenig eintönig. Wobei ich gestehen muss, dass ich nach ca. anderthalb Monaten einen durchhänger hatte und zwei Wochen nicht sehr produktiv war.

BRaIn: Musstest du bestimmte Sonderleistungen für deine Abschlussarbeit erfüllen, wie zum Beispiel Interviews führen?

Marcel: Ich habe ein Interview mit der ausführenden Privatperson geführt und Fachtagungen besucht. Das bezeichne ich allerdings nicht als Sonderleistungen. Es war in meinen Augen für die Umsetzung des Themas notwendig. Ich musste nicht viel reisen und auch keine 100 Fragebögen auswerten.

BRaIn: Konntest du vorher abschätzen was auf dich zukommt?

Marcel: Nein. Die Arbeit hat sich immer weiter entwickelt. Anfangs hatte ich eine grobe Gliederung, die sich aber stark verändert hat.

BRaIn: Bei der Abgabe von Diplomarbeiten kommt es ja häufig zu Schwierigkeiten. Konntest du deinen ursprünglichen Abgabetermin einhalten?

Marcel: Ja. Meine Zeitplanung sah eine Woche Puffer vor dem Abgabetermin vor. Es kann ja immer etwas Unvorhergesehenes passieren.

BRaIn: Geschah denn etwas Unvorhergesehenes während des Arbeitsprozesses?

Marcel: Während der drei Monate eigentlich nicht. Zum Ende kam Unsicherheit über die Weiterführung des Projektes auf. Ich hatte also einige Tage zwei verschiedene Sätze in meinem Fazit stehen. Kurz bevor ich die Arbeit ausgedruckt habe, erhielt ich dann die Information, dass das Projekt weiter durch die Stiftung gefördert werden würde. Dadurch konnte ich den negativen Satz wieder löschen.

BRaIn: Gab es außer dem Hochschulpreis noch weitere Resonanzen auf deine Arbeit?

Marcel: Zwei Personen aus der Praxis haben mich gefragt, ob sie die Arbeit bekommen könnten. Dem Wunsch bin ich natürlich gerne nachgekommen.

BRaIn: Du bist jetzt Diplom-Archivar. Wie geht es jetzt weiter?

Marcel: Ich habe direkt im Anschluss an das Studium eine Stelle als Archivar im „Zentralarchiv der Polizei M-V“ in Schwerin angetreten.

BraIn: Brachte Dir deine Diplomarbeit Vorteile bei der Stellensuche?

Marcel: Ich denke nicht, dass die Diplomarbeit Einfluss auf die Stellenbesetzung hatte.

BRaIn: Hast du abschließend noch einen heißen Tipp für die, die demnächst Ihre Diplomarbeit schreiben?

Marcel: Habt den Mut Euch Abstand zur Arbeit zu gönnen, wenn der Wurm drin ist.

Fußnoten

1.  Archiv Demokratischer Sozialismus