ISSN: 1867-6189

„Molte grazie signore Verdi“

„O sole mio“ schallt es über die Piazza Buonarotti in Mailand. Um in den Genuss großer Stimmen zu kommen, muss man nicht etwa die weltberühmte Mailänder Scala besuchen, es empfielt sich auch das andächtige Lauschen vor den Mauern eines berühmten Altenheimes. Die Rede ist von der „Casa di riposa per Musicisti“.

Casa di riposo per musicisti

Casa Verdi (Quelle: aviewoncities.com)

„Von allen meinen Werken, das, was mich am meisten freut ist die Casa(…)“ Dies schrieb Giuseppe Fortunino Francesco Verdi kurze Zeit vor seinem Tod in einem Brief an seinen Freund Giulio Monteverde. Der berühmte italienische Komponist gründete 1896 eine Altersresidenz um „betagte Opernsänger zu beherbergen, die nicht so viel Glück hatten.“ Frei nach dem Motto einer seiner bedeutensten Opern la Traviata – zu deutsch: die vom Weg abgekommenen – sollten hier verarmte Musiker im Alter ein Obdach finden. Verdi, selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, verdiente mit seinen Werken ein großes Vermögen. Damit finanzierte er unter anderem den Bau dieses stattlichen Hauses. Der Entwurf im neugotischen Stil entstammt dem italienischen Architekten Camillo Boito.

Als Aufnahmekriterien legte er, neben der Italienischen Staatsangehörigkeit, ein Mindestalter von 65 Jahren, sowie eine  20-jährige Anstellung im musikalischen Dienst und die Mittellosikeit fest. Noch heute wird die Casa von einst gefeierten Opernsängen, Dirigenten, Komponisten und Instrumentalisten bewohnt, die regelmäßig Konzerte veranstalten. Zu Ihnen haben sich inzwischen auch ein paar junge Musikstudenten gesellt. Die begehrten Plätze werden von einem Gremium vergeben und dabei gilt: je glanzvoller die Karriere gewesen ist, umso besser stehen die Chancen.

Eine Residenz voller alternder Opernstars birgt eine Fülle skuriler Geschichten und diente bereits als Filmmotiv. Der Schweitzer Kino- und Opernregisseur Daniel Schmid entwarf im Jahre 1984 in seinem Dokumentarfilm „Il bacio di Tosca“ (dt. Fassung: „Der Kuss der Tosca“) ein gelungenes Porträt dieser ehemaligen Primadonnen und Startenöre. Jüngst diente dieser als Vorlage für das gefeirte Filmregie-Debut „Quartett“ von Dustin Hoffman.

Um die Finanzierung des Hauses über seinen Tod hinaus hin zu sichern, veranlasste Verdi, dass die Einkünfte aus den Rechten an seinen Opern bis 50 Jahre nach seinem Tod der Casa di Riposo zukommen. Seit 1957 ist die Casa Verdi eine Stiftung und wird, neben einem jährlichen Beitrag des Staates, vor allem durch Spenden großer Musiker finanziert. Ein bekanntes Beispiel ist das ehemalige Mitglied der 3 Tenöre Pläcido Domingo.

Guiseppe Verdi (Quelle: avenchesopera.ch)

Guiseppe Verdi (Quelle: avenchesopera.ch)

Verdi ist im öffentlichen Leben Italiens noch heute so präsent wie kein anderer Musiker und wird für seine fortschrittliche soziale Haltung gelobt, welche auch aus seinen Werken hervorgeht. Im Jahr 1901 verstarb Guisepe Verdi im Alter von 87 Jahren. Er wurde neben seiner zweiten Frau Giuseppina Strepponi in der Kapelle der Casa di Riposo beerdigt. Auf eigenen Wunsch erfolgte die Eröffnung des Hauses erst nach seinem Tode, da er nicht wollte, dass sich ihm einer seiner Gäste zu Dank verpflichtet fühlen musste.

Es bleibt zu hoffen, dass seinem Beispiel weiterhin viele Gönner folgen werden damit diese Sehenswürdigkeit Mailands noch Lange ein Symbol für die verbindende  Kraft  der Musik bleibt.

Quellen:

http://www.casaverdi.org                http://en.wikipedia.org/wiki/Giuseppe_Verdi            http://woman.brigitte.de/leben-lieben/beruf-gesellschaft/verdi-altenheim-1152237/                                          http://www.aerzteblatt.de/archiv/26354/Giuseppe-Verdi-Kein-Pomp-um-seine-Person