ISSN: 1867-6189

Bosco Verticale – Bäume auf dem Balkon sollen Mailand durchsichtiger werden lassen

Wenn ich an Mailand denke fällt mir sofort die Fashionweek ein. Schick gekleidete Italienerinnen mit Pradasonnenbrillen, schlendernd durch ihre schöne Stadt, der Metropole von Kultur und Industrie.

Industrie? Ja, Mailand ist nicht nur Mode und Fußball sondern zugleich wichtigste Industrie- und Handelsstadt Italiens. Dies hat leider nicht nur das Heranwachsen zum Kultur- und Wirtschaftszentrum zur Folge, auch den ersten Platz zur Luftverschmutzung hat die Stadt seit vielen Jahren inne.

Bereits in den Neunzigerjahren versuchte das Land gegen die Umweltverschmutzung, meist verursacht durch Verkehrsabgase, vorzugehen. Doch scheinbar vergeblich, denn 2010 lag die Stadt nur nach Moskau ganz oben mit seinen schlechten Luftwerten.

Es gibt viele Möglichkeiten sich von der hohen Umweltbelastung abzuseilen, eine davon könnte das Bauprojekt eines italienischen Architekten des Hauses boeristudio sein. Ein vertikaler Wald in Form von zwei hiesigen Bauten umrankt mit Terrassen voll Bäume und Sträucher, entsteht derzeit in Mailand und kann die Luftwerte verbessern.

Das Bauprojekt wird von dem Architekten Stefano Boeri betreut,  welcher zuversichtlich ist das die Gebäude noch dieses Jahr fertig gestellt werden können.

Die Häuser, welche unter dem Motto natürlich und nachhaltig bauen stehen, haben insgesamt eine begrünte Fläche von 10.000m². In der Zusammenarbeit mit der Universität Mailand wurden Pflanzen herangezogen, welche den besonderen klimatischen Bedingungen standhalten. So zum Beispiel Pflanzen die den Wind auf den Terrassen aushalten können.

Es werden für die Gesamtfläche insgesamt 480 große und mittlere Bäume, 250 kleine Bäume, 5.000 Büsche und 11.000 Bodenpflanzen herangezogen und eingepflanzt, sowie spezielle Erde für die Wurzelhaltung genutzt.

Somit soll mit den 80 und 112 Meter großen Gebäuden ein eigenes Ökosystem entstehen.

Das Wohnen in den fertig eingerichteten Apartments ist 100% ökologisch. Bewohner des Hauses können sich an einer Temperaturabsenkung um 2 Grad, sinkender Lärmbelästigung und ausreichend Schatten erfreuen. Zudem absorbieren die Pflanzen den Feinstaub und CO2.

Mir stellte sich zuerst die Frage wie die Pflanzen in einem so heißen Gebiet bewässert werden sollen. Doch auch die Wasserversorgung ist, natürlich rein ökologisch, perfekt ausgeklügelt. Die Terrassen werden durch ein Schlauchsystem bewässert. Im Keller der Gebäude wird das Wasser gesammelt und durch Schläuche nach oben transportiert. Die Bewässerung wird durch Sensoren überwacht. Zudem befindet sich eine 500m² Solaranlage auf den Gebäuden sowie Windräder welche für die Stromversorgung des Hauses sorgen sollen. Die Mehrkosten der Häuser liegen somit nur bei 5%.

Eigentlich eine Traumvorstellung für alle Städteplaner dieser umweltverschandelnden Welt der Großstädte. Ich würde gleich morgen einziehen, gäbe es ein solches Projekt in Berlin, Dresden oder  Stuttgart. Denn auch wenn Deutschland mit seiner Umweltbelastung vergleichsweise niedrig liegt, bedeutet das nicht das auch unsere Atemwege in deutschen Städten durch hohe Luftverschmutzung Tag für Tag belastet werden und die Zahl der Erkrankungen von Jahr zu Jahr steigt.

Jeder zweite Mailänder leidet unter Beschwerden der Atmungsorgane. Die Zahl der  Erkrankungen an Krebs liegt in der italienischen Metropole überdurchschnittlich hoch.

Es ist offensichtlich das zwei Hochhäuser welche nur einen geringen Anteil an Feinstaub absorbieren können in diesem Ausmaß an Luftverschmutzung nicht die ultimative Lösung sind. Jedoch ist es ein erster Schritt, in einem Land welches Mülltrennung nicht beachtet und Umweltplaketten noch als Neuland empfindet.

Ich persönlich hoffe, dass sich dieses Bauprojekt als erfolgreich erweist. Denn vielleicht folgen weitere solche Gebäude und die Mailänder Luft kann gesäubert und die Stadt lebensfreundlicher gestaltet werden. Und vielleicht haben auch wir in einigen Jahren solche Bauwerke in unseren Städten, welche nicht nur Touristen, sondern auch Menschen welche gesund leben möchten anziehen.

Ein kleines Problem müsste dann jedoch noch bewältigt werden. Nur gesund leben wollen reicht leider nicht mehr aus. Wer sein Wohndomizil in ein solches Ökoreich verlegen möchte, sollte sich bewusst sein das Eigenkapital beträchtlich steigern zu müssen. Denn in Mailand kostet ein Quadratmeter eines solchen Apartments zwischen 7.000 und 10.000€.

Quellen:

- stefano boeri architetti

http://www.stefanoboeriarchitetti.net/

- Vertikaler Wald für Mailand, Paola Tamborini

http://www.baublatt.ch/sites/baublatt.ch/files/content/BB_1211_Bosco.

- Der prächtige Moloch, Friedhelm Gröteke, Zeit 1991

http://www.zeit.de/1991/17/der-praechtige-moloch

- Mailands Luft mach malade, Markus C. Schulte, Süeddeutsche 2010

http://www.sueddeutsche.de/wissen/umweltverschmutzung-mailands-luft-macht-malade-1.274061

- milan welcomes worlds first vertical forest, Michael d´Estries, ecomagination 2012

http://www.ecomagination.com/milan-welcomes-worlds-first-vertical-forest