ISSN: 1867-6189

Ciao Da Vinci!

„L’Ultima Cena“, uns besser bekannt als „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci, dürfte spätestens seit dem Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown jeder halbwegs bibliophilen Person ein Begriff sein. Doch auch außerhalb der Bücherwelt ist das Wandgemälde eines der Berühmtesten der Welt. Es befindet sich in dem Speisesaal des ehemaligen Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie, wird jedoch heute für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jahr für Jahr, Tag für Tag pilgern hunderte Touristen in die von außen recht unscheinbar wirkende Kirche um sich Leonardos berühmtestes Werk anzusehen.

Santa Maria delle Grazie (Quelle: Wikipedia)

Santa Maria delle Grazie (Quelle: Wikipedia)

Dabei wird die Zeit streng begrenzt. Gerade mal knappe 15 Minuten durfte sich unsere kleine Reisegruppe nach etlichen Sicherheitskammern in das Gemälde vertiefen. Fotos waren natürlich nicht erlaubt. Sobald man erst einmal drin ist, sieht man sich erstaunt um. Ein leerer, grauer Raum an den Kopfenden geziert von zwei  ca. 4 x 9 m großen Wandgemälden. Das, was für uns heute ein Teil eines Weltkulturerbes ist, war für die Menschen Ende des 15. Jahrhunderts lediglich ein Arbeitsauftrag. Leonardo selbst probierte an dem Gemälde eine neue Maltechnik aus – die Seccotechnik. Leider erwies sich diese als nicht besonders haltbar, da die Farben auf bereits trockenem Putz aufgetragen wurden und sich nicht mit der Substanz verbinden konnten. So kommt es, dass das Gemälde in äußerst schlechtem Zustand ist und regelmäßig restauriert werden muss, um seinen Erhalt zu sichern. Außerdem wurde bereits 120 Jahre nach Fertigstellung des Freskos eine Kopie angefertigt.

Das Wandgemälde bietet jedoch nicht nur künstlerisch einige Besonderheiten, auch die inhaltliche Interpretation des Gemäldes ist faszinierend.  So erhält der Betrachter einen Blick auf die Gestalten des Gemäldes in einem sehr intimen Moment.

Das Abendmahl (Quelle: Wikipedia)

Das Abendmahl (Quelle: Wikipedia)

Jesus Aussage „Einer von euch wird mich verraten“ löst heilloses Durcheinander bei den Jüngern aus. Während sie alle empört, wissbegierig, starr vor Schreck und entsetzt diskutieren, sitzt Judas (5. v.l.) bewegungslos am Tisch und distanziert sich sichtlich von seinen Sitznachbarn, dem aufgebrachten Petrus und dem trauernden Johannes.  Doch handelt es sich wirklich um Johannes? Auch bei unserem Besuch kamen wir natürlich nicht umhin, über die Theorie zu sprechen, ob Johannes denn auch wirklich Johannes sei oder nicht doch Maria Magdalena. Selbstverständlich gab es einige Spekulationen und unterschiedliche Meinungen, doch letztendlich waren sich alle einig: Man weiß es nicht.

Wie wir bei unserem Besuch feststellten, drehen sich nicht nur um Johannes verschiedene Geschichten. Nein, auch zum Judas gibt es etwas Interessantes zu erzählen. So sagt man sich, dass da Vinci als Modell für das Gesicht des Judas den schlechtesten Menschen von ganz Mailand gewählt hat. Es traf einen Kaufmann, der während einer Reise, in der das Gemälde fertiggestellt wurde, zu zweifelhaftem Ruhm kam. Man erzählt sich, dass er nach Mailand zurück kam und von allen Bürgern ausgelacht wurde ohne dass er den Grund verstand. So lustig die Geschichte auch sein mag, so hat sie doch auch heute noch einen Lehreffekt: Sei immer nett und fair, wer weiß wer sonst 600 Jahre später noch erfahren könnte, dass du es nicht warst.

Mit diesem Fazit und einer netten über die Lautsprecher kommenden Aufforderung den Raum zu verlassen, endete unser Besuch, beim wohl berühmtesten Gemälde Mailands – doch halt. Als wir auf den Ausgang zugehen, sehen wir das andere Wandgemälde. Es zeigt die Kreuzigung des verratenen Jesu. Schade, dass unsere Zeit nicht mindestens doppelt solange war.[1]



[1] Der komplette Text wurde mit Hintergrundinformationen aus dem Wikipediaartikel „ Das Abendmahl“ versehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Abendmahl (letzter Zugriff: 28.6.13)