ISSN: 1867-6189

Ad Maiorem Dei Gloriam…

…dieser Wahlspruch des 1534 gegründeten Jesuitenorden (Compagnia di Gesù) begrüßt uns im großen Lesesaal der Biblioteca Nazionale Braidense. Am Freitagnachmittag haben wir uns auf den Weg gemacht um den Standort der Nationalbibliothek in Mailand zu erkunden. Eingebettet in die Mailänder Akademie der Künste bewahrt sie ca. 1,5 Millionen Bände, darunter viele private Sammlungen, z.B. die des berühmten italienischen Romanautors Alessandro Manzoni (1785-1873). Gegründet wurde die Biblioteca Nazionale zu der Zeit als die Gemeindeversammlung von Lombardy, eine Gemeinschaft die sich für lokale Interessen eingesetzt hat, die Bibliothek des Grafen Carlo Pertusati erwarb und sie dem Erzherzog Ferdinand, dem späteren Bürgermeister von Lombardy, schenkte.

1770 verkündete die Kaiserin Maria Theresa von Österreich das Mailand eine Bibliothek benötigt die „für jedermann offen ist der seinen Geist und seine Bildung erweitern möchte“. Da die Biblioteca Ambrosiana als öffentliche Bibliothek nicht geeignet war, da sie zwar reich an handgeschriebenen Manuskripten aber nicht an gedruckten Büchern war, wurde zunächst die Bibliothek von Pertusati für den Gebrauch durch das Volk bestimmt. Durch die Auflösung der Compagnia di Gesù im Jahr 1773 durch den Papst Clemens den Vierzehnten, fiel der Palast der Jesuitenschule von Brera an den Staat Mailand und wurde als Standort für die Biblioteca Nazionale Braidense bestimmt. 1786 war die Bibliothek erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Auch heute noch kann man die wuchtigen Bücherregale aus dem 17. Jahrhundert, einstmals genutzt von den Jesuiten, im großen Lesesaal bewundern. 

Kleiner Lesesaal

Lesesaal

Unter dem Fresko der Künste, geschaffen im 19. Jahrhundert, erstrecken sich ca. fünfzig Arbeitsplätze die zum Studieren, Lernen und Verweilen einladen. Es fällt zwar schwer sich von diesem beeindruckenden Raum zu verabschieden, doch um nicht weiter die ruhige Arbeitsatmosphäre zu stören werden wir in den Manzoni-Raum geführt. Dort erwarten uns die handgeschriebenen Manuskripte des italienischen Romanautors die 1951 der Bibliothek von seiner Familie überlassen wurden. Allerdings lagern hier nicht nur seine Werke, es wurden ebenfalls die Regale und das restliche Mobiliar seiner persönlichen Bibliothek in das Zimmer integriert. Dann dürfen wir den ganzen Stolz der Manzoni-Sammlung selbst in Augenschein nehmen: das handgeschriebene Manuskript seines erfolgreichsten Romans „I Promessi Sposi“ zu Deutsch „Die Brautleute“ früher „Die Verlobten“. Leider können wir seine Notizen nicht entziffern da wir des Italienischen kaum mächtig sind, doch Dank des liebenswürdigen Bibliothekars bekommen wir doch noch einen kleinen Einblick in die Gedanken Manzonis während er an seinem Buch arbeitete. Eine kleine Überraschung erleben wir als uns gesagt wird dass die Originalausgabe der „Verlobten“ von 1840 durch einen Untertitel als bloße Nacherzählung einer bereits bekannten Geschichte bezeichnet wird. Jedoch ist es eines der ersten Werke des modernen italienischen Romans und gilt als einer der wichtigsten Vertreter für die klassische Literatur Italiens nach Dantes „Göttlicher Komödie“.Wir schlendern weiter zum Katalograum, vorbei an einem großen Holzglobus aus dem 19. Jahrhundert. Laut unserem Guide gehörte das edle Stück einem ehemaligen Direktor der Bibliothek und wurde aufgrund seiner Maße direkt in einem Saal der Bücherei gebaut. Im Katalograum erwarten uns Millionen von Karteikarten, viele seltene Bände und ein eindrucksvolles Deckenpanorama. Schaut man zu lange auf die psychedelisch anmutende Malerei kann man schnell die Zeit vergessen. Deshalb lassen wir uns eine kostbare Enzyklopädie über die Insekten der Welt mit detaillierten Kupferstichen zeigen. Im Anschluss begutachten wir die Artenvielfalt der Kataloge. Diese reicht von Autographen- bis Themenkatalogen. Zurzeit arbeitet die Bibliothek an der Digitalisierung der Katalogkarten, doch dies ist mit einem hohen Kosten- und Arbeitsaufwand verbunden.

Katalograum

Katalograum mit psychedelischen Deckenfresko

Abschließend bekommen wir eine Recherche im Katalog der Biblioteca Nazionale Braidense demonstriert, der mit dem Netzwerk der anderen sechs Standorten der Nationalbibliothek verbunden ist. Die heutige Aufgabe der Bibliothek ist nicht nur die Konservierung der antiquarischen Bestände und die Sammlung mailändischer Druckerzeugnisse sondern auch die Studenten und Lehrenden der Kunstakademie von Brera, die sich im selben Gebäude befindet, mit Literatur zu versorgen. Hierbei müssen bestimmte Universitätsanforderungen erfüllt werden. Zum Abschluss unseres Rundgangs besuchen wir die Ausstellung seltener Manuskripte im Maria Theresa Saal. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt eine Konferenz italienischer Bibliothekare und Archivare stattfindet verlassen wir den Raum nach kurzer Zeit um uns eine Pause im Innenhof der Kunstakademie zu gönnen. Es ist inzwischen später Nachmittag, einige Studentengruppen sitzen verteilt unter dem schattigen Dach des Kreuzgangs. Es war ein sehr interessanter Besuch für uns, wir konnten viel Neues lernen und Vergessenes auffrischen. Doch jetzt ist die Pause vorbei, noch schnell einen Schluck Wasser getrunken und dann geht es weiter zu neuen unbekannten Bibliotheken, Kunstschätzen und Mailänder Sehenswürdigkeiten.