ISSN: 1867-6189

„Jetzt machen wir eine unterirdische Reise in die Schatzkammer“

Na ok, noch nicht jetzt, wir kommen erstmal zum Anfang.

Es ist heiß. Wir haben uns kaum aklimatisiert und schon stehen wir vor unserem ersten Ziel: Der Biblioteca Ambrosiana. Wir werden vom Leiter Mons. Don Franco Buzzi (Prefetto della Veneranda Biblioteca Ambrosiana) persönlich mit Händedruck begrüßt. Don Buzzi ist begeistert von seiner Bibliothek, das merkt man sofort. Er lächelt die ganze Zeit, zeigt uns zu Anfang das Calchi della Colonna Fraianna und sagt „machen wir einen kurzen Spaziergang durch die Pinacoteca“. Doch wir gehen erstmal nicht in die Pinacoteca, die ist zu voll. Stadtdessen geht es in den Hauptsaal (Ambulance). Sofort umschwirrt uns der Geruch von Büchern. Wir sehen Arbeitsplätze in der Mitte des Raumes und Regale, die alle 4 Wände bedecken.  Durch die Decke fällt natürliches Licht. Die Räume wurden 2005 renoviert.

Dann führt uns Mons. Buzzi in sein eigenes Büro, was eigentlich eine Bibliothek für sich ist. Der ganze Raum ist voller Bücher, der alte Konferenztisch in der Mitte des Raumes ist voller Dokumente und natürlich Bücher. Und begeistert öffnet er den kleinen Wandaltar und zeigt uns den eigentlichen Herrn des Hauses.

Über den auch mit Büchern vollen Flur führt er uns weiter in ein Magazin. Da erklärt er uns erstmal die Signatur, diese besteht im ersten Teil aus der schenkenden Familie. Ein Großteil des Bestandes der Ambrosiana kommt aus Schenkungen und Nachlässen. Ausgesondert wird eigentlich nicht, maximal Dupletten. Sie beinhaltet neben den wirklich vielen Handschriften und Inkunabeln auch Zeichnungen und Gravierungen aus der ganzen Geschichte der Kunst. So wertvolles Gut braucht natürlich auch eine gute Lagerung. Und die hat sie auch, die Räume sind den jeweiligen Bedingungen entsprechend klimatisiert und die besonders wertvollen Bücher noch mal extra gesichert.

Betrieben wird die Ambrosiana von der Gemeinschaft der Ambrosianischen Bibliothek, welches von einem Kollegium der Doktoren geführt wird. Ihre Aufgabe ist die „Mediation mit den Künsten der Welt“. Ursprünglich wollte sie wie so viele Bibliotheken alle Bücher der (damals bekannten) Welt sammeln. Dadurch hat sie Bestände aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen und arbeitet quasi mit der ganzen Welt zusammen. Über das Jahr forschen rund 300 Professoren aus der ganzen Welt in der Ambrosiana. Sie selbst veröffentlicht mindestens 10 Bücher im Jahr.

Aber nun raus aus den Magazinen und durch den Saal der Doktoren. Dies ist ein großer Raum, der wieder Bücherregale an allen Wänden hat und bepackte Arbeitstische in der Mitte. Der Raum ist so hoch, dass die Bücherregale eine Galerie haben, an welcher Gemälde hängen. Aus diesem Raum kommen wir in einen zweiten großen Raum, der diesmal 2 Reihen von Bücherregalen hat, wieder so hoch, das sie eine Galerie mit Bildern haben. Das hohe Gewölbe und die gemalten Fenster lassen den Raum fast wie eine kleine Kirche wirken. Wir befinden uns in einem wichtigen Saal mit Handschriften. Hier kann man alte Manuskripte aus Papier, Papyrus oder Pergament finden. In der Mitte des Raumes steht ein Kartenschrank und auf diesem liegt ein Manuskript. Mons. Buzzi öffnet es, natürlich ohne Handschuhe, und zeigt uns die schönen und aufwendigen Miniaturen und Verzierungen aus dem 13. Jahrhundert. Es gibt noch 1000 weiterer solcher Handschriften in der Bibliothek.

Es geht wieder zurück auf dem Flur. Wir kommen an einer Statue von Papst Pius dem Älteren vorbei und gehen in den Sala de la Rosa (Saal der Rose). Dieser ist eine ehemalige Sakristei aus dem 16. Jahrhundert. Die Bilder an der Galerie dieses Saals sind alles Produkte von Schülern dieses Hauses. Wir sind zwar mit den oberirdischen Sälen durch, aber zur Schatzkammer geht es noch nicht. Erstmal laufen wir an dem alten Handschriftlichen Katalog vorbei auf den Innenhof, dem „Hof der großen Geister. Hier zwischen den Statuen von großen Denkern wie Platon, Goethe, Shakespeare, Thomas von Aquin, Dante spürt man förmlich den Hauch einer älteren Zeit.

Nun geht es aber wirklich in den Untergrund der Biblioteca Ambrosiana. Der Anfang ist wenig spektakulär, wir sehen ein paar typische Magazine mit Rollregalen. Der Großteil der unterirdischen Räume sind Magazine und Räume für die Maschinen. Aber dann kommen wir in den Sala del Tresoro, ein Raum mit einer riesigen Tresotür. Wir kommen uns auf einmal vor wie in einer Hochsicherheitsbank. Die Tür darf für uns natürlich nicht geöffnet werden, denn dahinter lagern die wichtigsten Schätze der Bibliotheca Ambrosiana, wie zum Beispiel der Codex Atlanticus, Ilias Pictas und Originalmanuskripte von Da Vinci. Von dort aus geht es weiter in den Sala Muzati. Dieser ist das Forum Romanum von Mailand, das ursprüngliche Stadtzentrum wo die beiden wichtigsten Hauptstrassen aufeinandertrafen. Zu sehen sind davon leider nur noch die Pflastersteine und die Überreste eines alten Brunnens.

Der Besuch der Biblioteca Ambrosiana war ein beeindruckendes und denkwürdiges Erlebnis und ein schöner Auftakt unserer Exkursion zu den Mailänder Bibliotheken.