ISSN: 1867-6189

Bratislava? Gibt´s nicht!

Eine Reise in die IuD-Welt der Slowakei

Nachdem die erste Hürde überwunden und Bratislava, unter dem Namen Preßburg, auf dem Kartensystem des (wohl doch nicht so) schlauen Telefons gefunden war, konnte die Reise in die Informations- und Dokumentationswelt der Slowakei beginnen. Das Ziel der Reise: Slovak Centre of Scientific and Technical Information in Bratislava.

Das SCSTI ist das nationale Informationszentrum der Slowakei einschließlich einer spezialisierten wissenschaftlichen Bibliothek, welches die Schwerpunkte Natur-,  Technik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bedient.

Die Bibliothek im Keller des SCSTI

Die Bibliothek im Keller des SCSTI (Autorin: Marieke Eilers)

Nach einer regnerischen Anreise wurden wir außerordentlich freundlich von den Mitarbeitern des SCSTI empfangen und in seine Funktion eingeführt.

Das Zentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, die Systeme für Forschung und Entwicklung zu verwalten und dabei den Prozess ihrer fachgerechten Bewertung zu unterstützen. Außerdem sollen Wissenschaft und Technik weiter popularisiert werden.

Am SCSTI kann man sehr gut sehen, dass in der Slowakei die in Deutschland bestehende Trennung von Bibliothek und IuD nicht mehr vorhanden ist. Früher war der Name des Centers Slovak Technical library, doch im Jahr 1996 kam es zu Namensänderung und es wurde sich auch in Richtung digitaler Inhalte orientiert. Nun arbeiten Datenbankentwickler neben Bibliothekaren, um ihren Kunden möglichst viele Informationen an einer Stelle zur Verfügung zu stellen. Nahezu jeder Student in der Slowakei besitzt eine sogenannte ISIC CARD, mit der er Zugang zu den Beständen des SCSTI hat und sich an Datenbanken und Bibliotheksbeständen erfreuen kann.

Lubomir Bilsky führte uns in eine Fülle von Projekten zu digitalen Informationsangeboten des SCSTI ein, darunter Projekte zur Erleichterung der Arbeit mit digitalen Ressourcen und auch Datenbanken selbst. Diese beinhalten beispielsweise die Publikationen der slowakischen Universitäten oder eine Patentsammlung für die Patentrecherche in Datenbanken.

Lubomir Bilsky erklärt die Funktion des SCSTI

Lubomir Bilsky erklärt die Funktion des SCSTI (Autorin: Marieke Eilers)

Die Bibliothek des Hauses hat ebenfalls ein breites Aufgabenspektrum und einen Service der 24/7 zur Verfügung steht.  Alles in allem also eine beachtenswerte Informations- und Dokumentationseinrichtung, die außerdem ein sehr interessantes Projekt beherbergt. Dieses wurde uns von Július Kravjar vorgestellt und beschäftigt sich mit Plagiarismus an höheren Bildungseinrichtungen. Ein Plagiat ist, nach Guttenberg,  wahrscheinlichen den meisten Deutschen bekannt, die Verwendung des geistigen Eigentums anderer, als wäre es das Eigene

Das Projekt beruht auf dem in der Vergangenheit sehr geringen Bewusstsein der slowakischen Studenten und Angehörigen der Hochschulen, für geistiges Eigentum und Urheberrecht. Auf Grund der Erkenntnis diese Mangels, fand im Jahr 2006 die Slovak Rectors Conference statt, welche zwei verschiedene Dokumente als Ergebnis hervorbrachte. Zum Einen den Code of Ethics for university employees und zum anderen ein Schriftstück mit den Maßnahmen zur Reduzierung der ethischen Verstöße.

2008 kam es zu einem landesweiten Lösungskonzept, dem plagiarism detection system (pds).  Das Bildungsministerium wurde gebeten dieses zu übernehmen und schlug von da an zwei Fliegen mit einer Klappe. Das pds sammelt die Abschlussarbeiten der Hochschulabsolventen und gleichzeitig ist es in der Lage, die Arbeiten auf ihre Echtheit zu prüfen.

Zur Inbetriebnahme des Systems kam es im Wintersemester 2008/2009.  Seit dem ist es in der Slowakei kaum noch möglich, eine zusammenkopierte Abschlussarbeit abzugeben, denn vor der Verteidigung wird diese in das pds eingefügt. Es durchläuft die Plagiatskontrolle und wird, wenn die Echtheit gewährleistet ist, für 70 Jahre in das System eingespeist. Der seit 2011 eingesetzte Algorithmus, ist sogar immun gegen Synonyme und „cross language“-fähig. Das heißt, selbst Übersetzungen von Zitaten in andere Sprachen werden vom pds erkannt.

Für den täglichen Gebrauch ist dieses System einzigartig in Europa – wahrscheinlich sogar auf der ganzen Welt. Es hat viel für die slowakische Bildung getan, denn mit dem Wissen, dass es eine solche Prüfung auf Plagiate gibt, wird von den Studenten überhaupt nicht begonnen, zu fälschen. In den letzten zwei Jahren ist eine Vielzahl an wissenschaftlich, sehr wertvollen Dissertationen entstanden.

Zu Beginn seines Vortrags hat Kravjar, Sharon Christa Mc Auliffe mit dem Satz “I touch the future. I teach”, zitiert. Dieses Zitat lässt sich wirklich sehr gut auf die Slowakai anwenden, denn ihre Studenten werden definitiv die Zukunft berühren, da sie sich nicht am geistigen Eigentum anderer bedienen, sondern ihren Kopf anstrengen und zu neuem Wissen gelangen werden.

Die Exkursion nach Bratislava hat uns IuD in der Slowakei  näher gebracht und einige interessante und neue Aspekte kennenlernen lassen. Schön, dass wir trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit unseren Smartphones angekommen sind und uns umgucken durften.

Wir lauschen gespannt den Vorträgen der SCSTI-Mitarbeiter

Wir lauschen gespannt den Vorträgen der SCSTI-Mitarbeiter (Autorin: Marieke Eilers)