ISSN: 1867-6189

Bratislava im Regen?

Bratislava 10:32 Wir kommen am Bahnhof Bratislava an. Groß begrüßt uns ein Schild mit „Welcome to Slovaka“. Bratislava hlavná stanica (Bratislava Hauptbahnhof) ist der wichtigste Bahnhof der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Das erste Bahnhofsgebäude wurde am 20.08.1848 eröffnet. Nach der Einrichtung der Bahnstrecke Bratislava-Budapest wurde ein zweites estwas größeres Gebäude im Dezember 1850 hinzu.[1]

10:33 Wir kommen aus dem Bahnhof, es regnet und die Stadt erscheint uns in einem trüben grau. Ein paar einzelne Hochhäuser erheben sich über die sonst flachgebaute Stadt. Vom Bahnhof aus kann man ein paar alte Arbeiterhäuser sehen.

Wir laufen vorbei an ein paar Kiosken und Taxis, unter einem teilüberdachten Konstrukt, welches uns bei dem Regen sehr willkommen ist. Um uns schwirrt die Musik irgendeines Radios. Mir fällt das Hotel Mercure auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. Das gibt es also auch nicht nur in Potsdam. Mercure ist eine international Hotelmarke der Kette Accor. Das Potsdamer Hotel kam nach der Übernahme der Interhotels 1992 hinzu. Das Mercur in Bratislava ist das einzige der Slowakei.[2]

10:36 Wir kommen unter der Überdachung hervor, leider regnet es immer noch (Sowas sollte man in einer Stadt mit 144 Regentagen im Jahr eigentlich überall haben) und kommen an der Bushaltestelle an. Eine Fußgängerbrücke zieht sich über die große Straße. Wir werden auf die Trolleybusse hingewiesen. Trolleybusse, oder auch Oberleitungsbusse, sind rein elektische Verkehrsmittel. Sie haben also keinen Verbrennungsmotor. Den Strom beziehen sie über Oberleitungen. Sie sind dadurch an eine Spur gebunden (aber nicht spurgeführt). Ein großes Problem ist das Abspringen der Verbinder zur Oberleitung. Entgegen, der ersten Vermutungen gibt es Oberleitungsbuss auch in Deutschland an drei Standorten: Solingen, Eberswalde und Esslingen am Neckar. In der Slowakei gibt es fünf Trolleybusbetriebe. [3]

10:44 Der Verbinder eines der vobeifahrenden Trolleybusse springt ab. Wir beobachten den Busfahrer wie er aus seinem Oberleitungsbuss aussteig und den Verbinder wieder mit der Oberleitung verbindet (andrahten). Auch fallen die vielen Oberleitungen auf, welche sich durch die ganze Stadt ziehen.

10:50 Wir sind inzwischen im Bus zum “Slovak Centre of Scientific and technical Information”. Auf einmal bemerke ich ein großes Antifa-Grafiti. Und noch eins. Und noch eines. Und ein großes, welches „Antifa je sexy“ sagt.

10:54 Wir kommen an unserer Zielhaltestelle an. Es regnet immer noch. Die Szenerie hat sich gewandelt, das Bild hier wird durch Hochbauten im Stile der 80er und 90er Jahre dominiert.

13:18 Wir kommen aus dem “Slovak Centre of Scientific and technical Information”. Und ja, es regnet immer noch. Wir gehen durch eine relativ neue Unterführung zu der Haltestelle auf der anderen Straßenseite. Die Unterführung ist auch schon voller schöner Graffitis. Auf den größeren Straßen gibt es anscheinend keine Ampeln, sonder Brücken und Unterführungen. Auf der anderen Seite der Straße hat man den Blick auf einen Hügel auf den sich sanft ein paar Häuser hochschmiegen.

13:32 Wir sind mit dem Bus in der Altstadt angekommen. Es regnet (ihr habt es sicher schon erraten) immer noch. Wir laufen eine lange Promenade hinunter. Sie ist gesäumt von Bäumen und kleinen Fahnen verschiedenster Länder. Wir haben inzwischen eine klassische Altstadtarchitektur erreicht, also keine Arbeiterhäuser mehr, keine spätmodernen Hochhäuser.

16:05 Nach ein bisschen freier Zeit auf dem Weihnachtsmarkt und einem typisch slowakischen Mittagessen (Gnocci mit Schafkäse) treffen wir uns wieder. Unsere Gruppe ist etwas zusammengeschrumpft. Wir bekommen eine kleine Miniführung durch die Altstadt. Auf dem Weg zum Altmarkt kommen wir an den Bronzefiguren des Kanalarbeiters und des schönen Náci vorbei. Der schöne Náci, bürgerlich Ignác Lamár, ist ein stadtbekanntes Original in Bratislava. Seinen Ruf bekam er zum einen durch sein Aussehen. Er war stets in Zylinder, Frack gekleidet. Außerdem sprach er weibliche Passanten mit den Worten „küss die Hand gnädige Frau“ an und überreichte den Damen häufig Blumen.[4]

Der schöne Naci (Ignác Lamár)

(Urheber: Stephan Büttner)

16:08 Wir kommen auf den Altmarkt, mit dem gerade stattfindenden Weihnachtsmarkt. Auf der Bühne des Weihnachtsmarktes kann man ein paar traditionelle Tänze sehen. Außerdem sind wir beeindruckt von der Kirche und dem Roland.

16:13 Endlich. Es hat aufgehört zu regnen. Wir kommen an der Universitätsbibliothek und dem Michaelertor vorbei. Es ist das einzige erhalten gebliebene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung und ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Seinen Namen hat der Turm nach der nicht mehr existierenden Michaelskirche, welche vor der Stadt stand.[5]

16:21 Es ist inzwischen dunkel geworden. Wir kommen am Parlament vorbei und der evangelischen Kirche. Und dann kommen wir um die Ecke und sehen die erleuchtete Pressburg. Sie sieht wunderschön aus im dunkeln mit dem alten vorspringenden Bau und dem ausgeleuchteten Hauptgebäude. Die Burg Brarislava ist eines der Wahrzeichen der Stadt Der Hügel auf welchem die Pressburg steht, ist bereits seit der Kupfersteinzeit besiedelt. Die erste steinerne Burg wurde im 10. Jahrhundert errichtet. Um 1650 erhielt die Burg ihr heutiges barockes Aussehen.[6]

Die Pressburg

(Urheber: Stephan Büttner)

16:33 Wir sind wieder am Hauptbahnhof angekommen und steigen in den Zug. Wir sind zwar kaputt, aber dennoch froh nach diesem Tag in dieser sehr interessanten Stadt.

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[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Bratislava_hlavn%C3%A1_stanica, letzter Zugriff 01.02.2012

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Mercure, letzter Zugriff

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Oberleitungsbus, letzter Zugriff

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Ign%C3%A1c_Lam%C3%A1r, letzter Zugriff

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Michaelertor, letzter Zugriff

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Bratislava, letzter Zugriff