ISSN: 1867-6189

Interview mit Volker Gross

BRaIn hat Volker Gross, den diesjährigen Gewinner des Preises für die beste Diplomarbeit im Fachbereich Bibliotheksmanagement an der FH Potsdam, zu seiner preisgekrönten Abschlussarbeit befragt. Er berichtet über die Themenfindung und die Schwierigkeiten bei der Erstellung, spricht über die Faszination der Wissensgesellschaft und die Problematik des geistigen Eigentums. Er erzählt auch, wie es jetzt nach dem Studium weiter geht, wir sind gespannt.

BRaIn: Welches Thema hast du in deiner Diplomarbeit bearbeitet?

Volker: Der Titel der Arbeit ist »Aspekte geistigen Eigentums in der Wissensgesellschaft«. Das Thema dürfte daraus in etwa zu schlussfolgern sein: geistiges Eigentum als umstrittener Gegenstand unter den Bedingungen der Digitalisierung. Auf der einen Seite seine Verteidiger, die auf restriktiven Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums beharren, dabei das Recht auf ihrer Seite finden. Auf der anderen Seite diejenigen, die die aktuelle Entwicklung kritisieren und entweder die Form geistigen Eigentums an sich für überflüssig oder vielmehr noch für eine Gefährdung der Weiterentwicklung des Wissens halten. Zumindest auf dem Erhalt der durch das »alte Urheberrecht« eingeräumten Ausnahmeregelungen wie der Privatkopie (beziehungsweise im Copyright dem Fair use) bestehen. Dem entsprechen zwei Ansätze: Einerseits eben ein restriktiver Schutz geistigen Eigentums durch »Digital Rights Management« (DRM) und der rechtlichen Absicherung von Kopierschutzmaßnahmen sowie andererseits alternative, »offenere« Verwertungs-/ Geschäftsmodelle, die zunächst im Softwarebereich aufgekommen sind, also Open-Source-Software oder die Creative Commons.
Gezeigt haben wollte ich grundsätzlich, dass der mit der Wissensgesellschaft verbundene Optimismus über eine informierte, womöglich gar post-kapitalistische Zukunft sich angesichts der aufgezeigten Entwicklungen nicht bestätigt, sondern stattdessen eine Informationswirtschaft auf einer längerfristigen Entwicklung aufsetzt. Keineswegs also eine neue Qualität darstellt, sondern grundsätzlich die Trennung von Disposition und Ausführung, das heißt die Form der realen Subsumtion in globalem Maßstab perpetuiert.
Mein Punkt jedenfalls war nicht so sehr eine Parteinahme für die einen oder die anderen, sondern eine Darstellung, die sich nicht schon zu Beginn in moralischen Vorstellungen verliert. Stattdessen war es mir wichtig zu zeigen, dass es sich hierbei um eine Entwicklung handelt, die unter bestimmten ökonomischen Bedingungen erfolgt, denen eine gewisse Eigendynamik innewohnt, die sich nicht so ohne weiteres auf den Willen und das Wünschen einzelner zurückführen lässt.

BRaIn: Das war sehr ausführlich. Wie bist du zu deinem Thema gekommen?

Volker: Ich hatte zunächst gedacht, über das Thema »Wissensgesellschaft« zu schreiben. Nicht zuletzt vermutlich, weil dieser Begriff im Verlauf des Studiums immer wieder aufgetaucht und nichtsdestoweniger in Bezug auf seinen Inhalt immer unbefriedigend geblieben ist. Insofern sich das als etwas zu breit angelegt herausstellen sollte, hat es schließlich dann seine Eingrenzung auf das geistige Eigentum erfahren.

BRaIn: Warum hast du dich für dieses Thema entschieden?

Volker: Ich habe mich für das Thema entschieden, weil ich ungerne eine praktische Arbeit geschrieben hätte und schließlich auch aus einem gewissen Interesse heraus.

BRaIn: Was wäre denn so schrecklich an einer praktischen Arbeit gewesen?

Volker: Das ist eine Geschmacksfrage, nehme ich an. Ich hätte es jedenfalls als wenig interessant empfunden, Nutzerumfragen oder solche in Bezug auf die Organisation von Arbeitsgängen in Bibliotheken zu bearbeiten.

BRaIn: Wer hat deine Diplomarbeit betreut?

Volker: Betreut hat meine Diplomarbeit Herr Prof. Dr. Büttner. Als Zweitgutachterin hatte ich Frau Dr. Beger gewählt.

BRaIn: Wie hast du die Betreuung empfunden?

Volker: Als sehr entgegenkommend, vor allem weil mir jeder Spielraum gelassen wurde, den ich brauchte.

BRaIn: Was wäre bei der Betreuung kontraproduktiv gewesen?

Volker: Als kontraproduktiv hätte ich es sicherlich empfunden, nicht für mich arbeiten zu können, also allenthalben Rücksprache halten zu müssen.

BRaIn: Wie groß war der Arbeitsaufwand?

Volker: Effektiv geschrieben habe ich etwa zwei Monate. Das heißt ich hatte bis dahin schon einen Teil der grundlegenderen Literatur gelesen und während des Schreibens dann noch weitere, vor allem im Prozess auftauchende Fragen betreffende Texte rezipiert.

BRaIn: Wie empfandest du den Arbeitsprozess?

Volker: Alles in allem gefällt es mir, wenn sich ein Thema beim Schreiben entwickelt. Anfangen mag allerdings immer ein bisschen schwierig sein, in das Thema reinzukommen und einen Ansatz zu finden.

BRaIn: Musstest du bestimmte Sonderleistungen für deine Abschlussarbeit erfüllen, wie zum Beispiel Interviews führen?

Volker: Da ich keine praktische Arbeit geschrieben habe, sind mir »Sonderleistungen« wie Interviews, Umfragen und Statistiken erspart geblieben.

BRaIn: Konntest du vorher abschätzen was auf dich zukommt?

Volker: Bedingt, nicht was den Umfang betrifft. Im Laufe des Schreibens verändert sich mitunter der Aufbau, den man zuerst gewählt hat, was schließlich auch bei mir der Fall gewesen ist.

BRaIn: Also waren die einzigen unsicheren Faktoren Umfang und Aufbau?

Volker: Es ist vermutlich nie so ganz einfach den Umfang im Vorhinein zu bestimmen und dass sich der Aufbau im Verlauf verändert, stellt wohl auch keine Ausnahme dar. Das mag allerdings darauf ankommen, wie man arbeitet. Wichtig ist schließlich viel eher, ab einem gewissen Punkt abschätzen zu können, dass man mit der gegebenen Zeit hinkommt und das Konzept, das der Arbeit zugrunde liegt, funktioniert.

BRaIn: Bei der Abgabe von Diplomarbeiten kommt es ja häufig zu Schwierigkeiten. Konntest du deinen ursprünglichen Abgabetermin einhalten?

Volker: Nein, ich habe zwei Wochen später abgeben dürfen, da ich krank war.

BRaIn: Hatte das Konsequenzen?

Volker: Das ist ein rein formaler Vorgang. Nein, schlimm war es nicht.

BRaIn: Geschah Unvorhergesehenes während der Diplomarbeit? Zum Beispiel fehlende oder falsche Literatur, falsche Denkansätze, Umdenken, Motivationsmangel, Zeitmangel, Geldmangel, Blockaden, …

Volker: Fehlende Literatur lässt sich meist irgendwie beschaffen. Was ist falsche Literatur? Texte von denen man merkt, dass man sie nicht verwenden wird. Na und? Wie gesagt, mag es immer Momente während des Schreibens geben, dass es mal nur langsam vorangeht oder man feststeckt. Habe bestimmt viel geraucht in der Zeit, allein um der damit gegebenen »Auszeit« willen. Motivationsmangel oder ähnliches kenne ich eigentlich nur aus der Anfangsphase, in der man noch nicht richtig im Thema ist und dementsprechend noch alles etwas zäh läuft. Später liest sich die Literatur anders, mindestens insofern, dass sich die Fragen im Verlauf konkretisieren, sich im Allgemeinen eine genauere Vorstellung ergibt.

BraIn: Gab es außer dem Hochschulpreis noch andere Resonanzen auf deine Arbeit?

Volker: Mittelbar, ja.

BRaIn: Die da wären?

Volker: Ich schreibe für eine Zeitschrift einen Artikel, zu dem die Anfrage sich mittelbar aus der Auszeichnung ergeben hat.

BRaIn: Du bist jetzt Diplombibliothekar. Wie geht es jetzt weiter?

Volker: Ich versuche zu promovieren.

BRaIn: Versuchen bedeutet was? Du versuchst es, hast eine Stelle, lässt dir noch Zeit…

Volker: Es braucht ein bisschen Zeit reinzukommen, die Optionen zu klären.

BRaIn: Bringt dir deine Diplomarbeit Vorteile bei der Stellensuche?

Volker: In Bezug auf Bibliotheksstellen bislang nicht.

BRaIn: Und auf andere Stellen?

Volker: In Bezug auf Stellen generell bislang nicht.

BRaIn: Hast du abschließend noch einen heißen Tipp für uns, wie wir demnächst unsere Abschlussarbeit schreiben können?

Volker: Kein langweiliges Thema wählen vermutlich in erster Linie. Kommt zweifelsohne auf die eigenen Vorlieben an und was man mit der Arbeit bezwecken will. Praktischere Arbeiten mögen sich vielleicht günstiger auf die Stellenwahl auswirken, zumal wenn es sich um ein Projekt handelt. Dazu kann ich allerdings kaum etwas sagen, weil mich das bei den Überlegungen zur Themenwahl nicht interessiert hat.

Dann danke ich dir für deine Zeit und wünsche dir alles Gute!