ISSN: 1867-6189

Blogwatch

Ganz im Zeichen der aktuellen Ausgabe von BRaIn widmet sich dieser Blogwatch den Themen Bibliotheken und die Europäische Union. In den deutschen bibliothekarischen Webblogs hat zuletzt vor allem das Thema ACTA für mehrere Einträge gesorgt. Zur Erinnerung: ACTA, das umstrittene Antipiraterieabkommen, soll Urheberrechte im Internet schützen. Kritiker befürchten jedoch, dass ACTA eine enorme Einschränkung ihrer Rechte und Freiheiten im Internet herbeiführt. Die Europäische Kommission hat nach massiven Protesten die Unterzeichnung zurückgezogen, um das Abkommen noch einmal zu prüfen und will voraussichtlich am 4. Juli darüber entscheiden. Der EU-Handelsausschuss hat nun empfohlen, das Abkommen abzulehnen. Auf bibliothekarisch.de finden sich mehrere Einträge mit Informationen und Videomaterial zu diesem Thema und es lässt sich herausfiltern, dass auch die Autoren und Autoren dem Abkommen sehr kritisch gegenüber stehen, da es auch Bibliotheken betreffen würde. So schreibt Wolfgang Kaiser auf bibliothekarisch.de:

 „Die Ziele und Methoden von ACTA stehen im Widerspruch zum Bekenntnis der Bibliothekscommunity einen gleichberechtigten Zugang zu Informationen und kulturellen Ausdrucksmöglichkeiten zu garantieren.“

Auf infobib wird die Meldung verbreitet, dass Organisationen, unter anderem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Demonstrationen gegen ACTA  für undemokratisch hielten. Und das, obwohl doch das Versammlungsrecht zumindest in Deutschland fest in den demokratischen Grundrechten verankert ist. Da kann man schon mal den Kopf schütteln und die Kritik in den Webblogs zu dieser Äußerung nachvollziehen. Und auch auf dem netbib Weblog wird sich dem Thema gewidmet und auf einen Beitrag von Thomas Knüver bezogen, der die Generation der jungen Demonstranten gegen ACTA beschreibt. Für sie sei das Internet das Hauptmedium und einfach nicht mehr wegzudenken.

Einen anderen Blickwinkel gewinnt man durch eine Beitrag der Sendung Klartext vom RBB – verlinkt auf dem Blog Basedow1764’s Weblog.  Der Wirbel um ACTA wird hier als aufgebauscht und übertrieben bezeichnet. Außerdem wurden Berliner Politikerinnen und Politiker zum Thema interviewt, nur leider konnten sie keinen klaren Antworten und Erklärungen abgeben. Anfang Juli wird nun entschieden, ob ACTA bald ad acta gelegt sein wird oder nicht.

Man gewinnt generell den Eindruck, dass zum Thema Europäische Union vor allem über Richtlinien, Urheberrecht und Open Acess gebloggt wird. Das mag daher rühren, dass in diesem Bereich die EU am meisten auf die Bibliotheken Einfluss nimmt. So wird auf wispub.net zum einen auf die Veröffentlichung eines Open-Access-Positionspapiers von Europäische Universitäten hingewiesen und über eine Anhörung der Europäischen Kommission zum Thema Open Access berichtet. Ebenso wird dort über die Studie der Europäischen Kommission zu Open Access und Langzeitarchivierungaus, entstanden im letzten Jahr,  gebloggt. Auch Infobib schreibt über das Thema Open Access. So fordert beispielsweise die SPD-Bundestagsfraktion Open Access als “Standard bei europäischer Forschungsförderung” zu setzten und der Autor Christian Hauschke beendet seine Meldung mit der leicht schelmischen Frage:

“Vielleicht möchte ja jemand mal eine Anfrage an diese Damen und Herren stellen, ob und wann es denn soweit ist, dass Publikationen, die aus Forschungsmitteln ihrer Häuser resultieren, OA verfügbar gemacht werden?“

Durch Infobib gelangt man auch zu einem Beitrag auf europa.eu, der über die neue Strategie der Europäischen Kommission für offene Daten in Europa berichtet. Davon soll auch die Wirtschaft mit 40 Milliarden Euro Wachstum im Jahr profitieren. Die EU-Kommission will der Öffentlichkeit Informationen kostenlos über ein Datenportal zugänglich machen und in der Europäischen Union gleiche Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf offene Daten schaffen. Um nach besseren Technologien dafür zu forschen, werden außerdem 100 Millionen Euro bereitgestellt.Bei infobib findet man auch das Video von Neelie Kroes, der EU-Kommissarin für die “digitale Agenda”, die sich zu dieser Strategie äußert.

In der bibliothekarischen Bloglandschaft wird also durchaus über die Europäische Union geschrieben, insofern es denn die Bibliotheken betrifft. So berichten die Blogs auch immer wieder über europäische Bibliotheksprojekte, zum Beispiel die virtuelle Bibliothek Europeana oder eben über neue Meldungen von der europäischen Kommission, die zum Beispiel vor kurzem beschlossen hat, dass in Spanien “kulturell wertvolle” Bücher staatlich gefördert werden dürfen, egal ob es sich um gedruckte Werke oder digitale Ausgaben handelt.

Über die europäische Bibliothekslandschaft als Ganzes wird dagegen wenig berichtet. Und wenig Positives wird man über sie bei Haferklees Ausblicke finden: “Europäische Bibliotheken gleichen Ausspeisungshallen und Bahnhofswartesälen!” ist in einem Beitrag zu lesen. Doch zum Glück ist diese Aussage schon älter und stammt vom Schriftsteller Rayk Wieland. Wie sein Urteil heute ausfallen würde?

Die Blogs in der Übersicht:

Basedow1764’s Weblog

Bibliothekarisch.de

Haferklees Ausblicke

Infobib.de

netbib Webblog

wisspub.net