ISSN: 1867-6189

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Parlamentsbibliotheken sind keine Bibliotheken in die man einfach so „hereinspaziert“. Sowohl hinsichtlich der Nutzerkreise, als auch ihrer Aufgaben unterscheiden sich diese Spezialbibliotheken deutlich von anderen wissenschaftlichen Bibliotheken.

Wenn man sich wie in Ausgabe 9. von BRaIn auf den Weg nach Brüssel macht, dann darf natürlich ein Besuch der Bibliothek des Europäischen Parlaments nicht fehlen. Diese ist nicht nur eine recht junge Parlamentsbibliothek, sondern weist auch andere Besonderheiten auf, wie Ann Eichelbaum in ihrem Beitrag zeigt.

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin, Sitz der Bundestagsbibliothek. (Autor: Dirk Wilberg, Datum: 2006, Quelle: Deutsche Wikipedia)Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin, Sitz der Bundestagsbibliothek. (Autor: Dirk Wilberg, Datum: 2006, Quelle: Deutsche Wikipedia)

Bleibt man zunächst auf Länderebene und betrachtet die Parlamentsbibliotheken der drei größten europäischen Länder: Deutschland, England und Frankreich, so haben diese eine weitaus größere Geschichte. Historisch gesehen lassen sich die heutigen Parlamentsbibliotheken insgesamt sogar auf die ersten Bibliothekstypen, die Tempel- und Palastbibliotheken zurückführen.[1] Neben dem Archivcharakter haben sie demnach auch herrschaftliche und kulturelle Funktionen.

So erklärt es sich auch, dass obwohl Bibliotheken eigentlich Ländersache sind, im Falle der Bibliothek des Deutschen Bundestages der Bund der Unterhaltsträger ist. Diese nahm 1949 mit 1.000 Bänden ihren Betrieb auf und befindet sich nach ihrem Umzug aus Bonn seit 2004 in Berlin. Das Bild zeigt die Bibliothek von außen und gibt einen Eindruck in die besondere runde, gläserne Architektur. Eine blaue Neonschrift des italienischen Künstlers Nannucci zieht sich einmal um den Lesesaal (mehr zum Kunstkonzept der Bibliothek hier):

„Freiheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns unter Gleichen/Gleichheit ist denkbar als Möglichkeit des Handelns für die Freiheit“

Bibliothèque de l'Assemblée Nationale (Autor: Chatsam, Datum: 18 September 2011, Quelle: wikimedia.org)	Bibliothèque de l‘Assemblée Nationale (Autor: Chatsam, Datum: 18 September 2011, Quelle: wikimedia.org)

Besonders hervorzuheben sind die mittlerweile 1,4 Mio. Medieneinheiten, was die Bibliothek zu einer der größten Parlamentsbibliotheken der Welt macht.[2] Trotz der Menge der gesammelten Werke ist sie keine Universalbibliothek. Gesammelt wird was von der Politik vorgeben wird. Dies kann bedeuten, dass in einigen Themengebieten in kürzester Zeit der Umfang von Spezialbibliotheken erreicht wird, dann aber abrupt mit dem Bestandsaufbau aufgehört wird. Als Beispiel sei nur die Atomenergie genannt, die durch Material über regenerative Energien „abgelöst“ wurde.

Die Sammelschwerpunkte sind damit auch Kinder ihrer Zeit, im Moment sind dies Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität , sowie Internet und digitale Gesellschaft. Gleichwohl man als Normalsterblicher keinen Zugriff auf die Bücher hat, lässt sich der Bestand online unter http://opac.bibliothek.bundestag.de recherchieren. Zu etlichen Sammelgebieten werden Bibliografien herausgegeben, aktuelle Beispiele sind Betreuung und Förderung von Kleinkindern und Ukraine [8]. Das Archiv deckt sämtliche Sammelbereiche ab und ist so ein gutes Rechercheinstrument.

Weitere Informationen zu Parlamentsbibliotheken weltweit, liefert folgende Datenbank:http://www.bundestag.de/dokumente/bibliothek/world_directory/index.html

Überblick über die drei größten Parlamentsbibliotheken in Europa:

Deutschland: Bibliothek des Deutschen Bundestages
1949 gegründet, 1.440.000 Medien, 81 Mitarbeiter: Webseiteweitere Informationen

England: House of Commons Library
1818 gegründet,  350.000 Medien, 179 Mitarbeiter: Webseiteweitere Informationen auf Deutsch

Frankreich: Bibliothèque de l‘Assemblée Nationale
1796 gegründet, 700.000 Medien. 23 Mitarbeiter; Webseiteweitere Informationen auf Deutsch


[1] Engelbert Plassmann, Hermann Rösch, Jürgen Seefeldt und Konrad Umlauf: Bibliotheken und Informationsgesellschaft in Deutschland. 2. Auflage, 2011, S. 94.

[2] Jürgen Seefeldt und Ludger Syré: Portale zu Vergangenheit und Zukunft – Bibliotheken in Deutschland. 4. Auflage, 2011, S. 35.