ISSN: 1867-6189

InterFlex: Exzellente Lehre mit Zukunft?

Im Wintersemester 2010/2011 starteten die ersten InterFlex-Projekte an der Fachhochschule Potsdam. Am Fachbereich Informations- wissenschaften wurden drei Projekte als PE-Kurse angeboten. In einem davon betreut Prof. Dr. Däßler die Realisierung eines Datenbankkonzeptes für den Fachbereich Restaurierung. Wie kam er dazu? Welche Erfahrungen haben er und die teilnehmenden Studierenden bisher gesammelt? Ein erstes Fazit.

Darüber hinaus bieten die integrativen Kurse auch neue Chancen für Studierende ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Die Studentin Stefanie Müller hat mit Ihrem Antrag einer Hochschulzeitung ein wichtiges Projekt in Angriff genommen. Sie erläutert uns den Weg von der Idee zum Projekt.

2009 erhielt die Fachhochschule Potsdam die Auszeichnung „Exzellente Lehre“. Der Beschluss für diesen Wettbewerb wurde auf der Kultusministerkonferenz initiiert, zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Die insgesamt zehn preisgekrönten Hochschulen erhalten jeweils eine Förderung von drei Millionen Euro. Die Ausschüttung der Gelder erfolgt Schrittweise innerhalb von drei Jahren. Dieses Geld wird ausschließlich für die Weiterentwicklung der Lehre genutzt. Die Fachhochschule Potsdam gründete daraufhin das Projekt InterFlex. Dieses Programm dient der Förderung von Interdisziplinarität und Flexibilität zur Integration von Forschung, Wissens- und Technologietransfer in die grundständige Lehre . Die Fachhochschule selbst möchte vor allem ihre Stärken als junge Hochschule ausbauen und die Chancen nutzen, die der Wissenschaftsstandort Potsdam zu bieten hat. Fachbereichsübergreifende Projekte, Interdisziplinarität, online gestützte Lehre für Teil- und Vollzeitstudierende und die Sommerakademie bilden das Zentrum des konzeptionellen Rahmens. Die Lehre wird hierbei in Seminaren und wöchentlich stattfindenden Vorlesungen abgehalten. So erhofft man sich durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche eine hohe Methodenvielfalt vermitteln zu können. Im Moment bietet die Fachhochschule acht Projekte an. Davon werden drei Projekte am Fachbereich Informationswissenschaften durchgeführt. Herr Prof. Dr. Däßler steht kurz vor Abschluss seines Projektes mit dem Fachbereich Restaurierung. In Gruppenarbeit entwickeln die Studierenden beider Fachbereiche ein relationales Datenbankmodell zur Verwaltung und Aufbereitung von Messdaten und Methoden aus Konservierungsprojekten.

Brain: Herr Däßler, wie ist das Projekt entstanden?
Däßler: Die Idee kam aus dem Fachbereich Restaurierung. Herr Prof. Dr. Laue arbeitet seit zwei Jahren mit zwei Mitarbeiterinnen an einem durch das Land Brandenburg gefördertes Forschungsprojekt zur Analyse von Restaurierungsmaterialien. Die gesammelten Messdaten des Projektes „Kunststoff als Konservierungsmittel“ sollen dabei in einer Datenbank verwaltet und über ein Webportal zugänglich gemacht werden. Da Projekte aus der Praxis immer sehr interessant sind und eine unserer Kernkompetenzen – Datenbanktechnologien – betreffen, habe ich mich gern beteiligt.

Brain: Kann InterFlex also auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Fachbereiches Informationswissenschaften (FB5) nützlich sein?
Däßler: Mit der hohen Beteiligung an den InterFlex-Projekten zeigen wir unsere Offenheit zur fachbereichsübergreifenden Kooperation. Wir, vom Fachbereich Informationswissenschaften, würden gern mit allen Fachbereichen zusammenarbeiten. Doch das ist bisher noch nicht überall in gleicher Weise möglich. Gute Erfahrungen konnten wir beispielsweise mit den Fachbereichen Bauingenieurwesen und Restaurierung sammeln, andere Kooperationen, vor allem auf studentischer Ebene, sind dagegen noch entwicklungsfähig.

Brain: Mussten Sie sich in das Fachgebiet der Restaurierung einarbeiten?
Däßler: Wir benötigten mehrere Wochen, um die gleiche Kommunikationsebene herzustellen. Die Mitarbeiter und Studierenden aus dem FB Restaurierung waren erstaunt über die Komplexität einer einfachen Datenbankanwendung. Informationswissenschaftler und Restauratoren haben zum Teil unterschiedliche Herangehensweisen. Wir arbeiten ausschließlich im virtuellen Raum, während Restaurierungsprojekte vorwiegend handwerklich und labortechnisch ausgerichtet sind.

Doch auch die Studierenden der Informationswissenschaften staunten über das handwerkliche Geschick der Restaurateure, das sie in den Werkstätten der FB Restaurierung zu sehen bekamen. „Es ist ein ganz anderer Studiengang und es war sehr interessant das kennenzulernen“, meint Anne Möller (3. Semester, Dokumentation).

Brain: Wie war das Interesse der Studierenden des FB5 am Projekt?
Däßler: Riesengroß. Sehr engagiert. Die Teilnehmerzahl verteilt sich gleichmäßig auf die beiden Fachbereiche. Daher finden die Veranstaltungen sowohl am FES wie auch der Pappelallee statt.

Brain: Inwiefern unterscheidet sich die Arbeitsweise von klassischen Lehrveranstaltungen?
Däßler: InterFlex-Projekte stellen schon eine große Herausforderung dar. Die Kommunikationswege sind länger. Viele formale Dinge erschweren die inhaltliche Projektarbeit. Außerdem herrscht ein gewisser Termindruck. Immerhin sollen ja Ergebnisse produziert werden. Daher müssen auch die Betreuer mehr Arbeitszeit investieren. In einem nicht interdisziplinären Seminar ist dies einfacher. Die Konzeption und deren Umsetzung sowie der Aufbau eines datenbankbasierten Webportals ist ein komplizierter Prozess, der in einem Semester nicht zu bewältigen war. Eine Weiterführung des Projektes im Sommersemester ist daher bereits genehmigt worden.
Die Koordination der Termine und das Zeitproblem stellten für die Studierenden kein größeres Problem da: „Alles machbar“, meint Anne Möller. Denn „extrem interessant“ seien doch die Erfahrungen in der praktischen Arbeit und der Austausch unter den Studierenden. Zum Teil konnten sogar Studieninhalte aus dem laufenden Semester erworben und angewendet werden.

Brain: Welche Erfahrungen aus InterFlex würden Sie in Ihre Lehre übernehmen?
Däßler: Jede neue Problemlösung aus der Praxis ist extrem spannend und alle gewonnenen Erfahrungen werden natürlich auch in andere Grundlagenseminare einfließen.

Brain: Was kritisieren Sie?
Däßler: Durch die Aufteilung des Studiums in Semesterwochenstunden ist das curriculare System für neue interdisziplinäre Ansätze und den Anspruch der forschenden Lehre zu starr. So ist es oft schwierig, mit der in der Semesterplanung vorab veranschlagten Zeit auszukommen. Zwei SWS sind meine angerechnete Projektzeit. Tatsächlich investierte ich selbst mindestens das Dreifache, das gilt natürlich auch für die Studierenden. Viele Probleme, die es zu lösen gilt, entstehen erst im Verlauf eines Projektes und sind vorher nicht planbar.


Brain: Wollen Sie ein neues InterFlex-Projekt starten? Wenn ja, würden Sie etwas verändern?

Däßler: Sehr gerne. Doch zunächst sollte das abgelaufene Projekt evaluiert werden, bevor man ein neues Projekt startet. Darüber hinaus ist zu überlegen, ob man fortlaufend in jedem Semester ein InterFlex-Projekt anbieten kann. Zum einen benötigt man Zeit zum Reflektieren eines Projektes. Zum anderen setzt ein solches Projekt eine hohe Motivation und sehr gute Zusammenarbeit der Dozenten aus den verschiedenen Fachbereichen voraus. Eine Zusammenarbeit, die nicht per Curriculum oder Beschluss verordnet werden kann, sondern die sich längerfristig in der Hochschule entwickeln muss und immer abhängig von Personen ist.
Möller: Ich wünsche mir eine konkrete Zielformulierung gleich zu Beginn des Kurses.

Parallel dazu laufen auf der Internetseite (http://interflex.incom.org) die aktuellen Anträge für neue Projekte. Ein neues Projekt wird gerade von Stefanie Müller initiiert. Die Kulturarbeiterin möchte eine Hochschulzeitung gründen, die in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachbereichen als Printausgabe erscheinen soll.

Brain: Wie kamst du auf die Idee eine Hochschulzeitung ins Leben zu rufen?
Müller: Im Zuge der Studierendenproteste im Sommer 2009 wurde erstmalig intensiv über eine Identität der Fachhochschule diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Kommunikation zwischen den Fachbereichen unzureichend ist, was sich in einer schlechten Informiertheit übereinander äußert. Es gibt zwar bereits einen Newsletter für die Fachhochschule, doch ist dieser kaum bekannt. Zeitschriften in den Fachbereichen Design und Informationswissenschaften existieren ebenso, doch beschränken diese sich in erster Linie auf ihr Fachgebiet. So beschloss ich eine Projektgruppe Hochschulzeitung zu gründen. Über eine Planungsphase kam dieses dann aber nicht hinaus. Den „InterFlex-Call für das Sommersemester 2011“ im November 2010 nahm ich als Anlass das Projekt wieder zu beleben.


Brain: Welche Vorteile bietet InterFlex für dich und dein Projekt?

Müller: In erster Linie ist es ein Projekt, das von Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitern der Hochschule verantwortet und somit eher akzeptiert wird. „Eine Zeitung von und für alle“ ist meine Idee. Ein „Meckerblatt“ von studentischer Seite wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Projekte auf Initiative von Studierenden schlafen mit dem Weggang ihrer Ideengeber meist ein. Indem man das Projekt aber von Einzelpersonen löst und in den Rahmen der Fachhochschule fest einbindet, erhöht sich die Überlebenschance.

Brain: Wo siehst du Nachteile?
Müller: Für ein Projekt werden Gelder zur Verfügung gestellt. Damit kann viel realisiert werden, schafft aber auch eine Abhängigkeit. Die Zeitung muss dem Konzept der Hochschule entsprechen.

Brain: Wie hast du dich beworben?
Müller: Für die Bewerbung ist ein Projektantrag bei der Auswahlkommission einzureichen. Ein Projekt darf formal nur von Dozenten eingereicht werden. Bei einer Ideen-Börse von InterFlex am 1. Dezember 2010, habe ich die Hochschulzeitung vorgestellt und konnte einige Dozenten für das Projekt gewinnen. Den Antrag habe ich dann mit einer anderen Studentin geschrieben. Anfangs war er unvollständig, doch mit engagierter Unterstützung der Organisatoren von InterFlex, konnten wir die formalen Probleme schnell beseitigen. Ende Januar wird die Kommission dann über die Genehmigung der Projekte entscheiden.


Brain: Wie sehen deine nächsten Schritte aus, wenn das Projekt genehmigt wird?

Müller: Wir müssen viel Werbung unter den Studierenden und Dozierenden betreiben. Darüber hinaus müssen die Lehrveranstaltungen geplant und externe Partner organisiert werden. Wichtig ist auch einen eigenen Raum zu finden. Dann geht es erst richtig los.