ISSN: 1867-6189

Bibliotheca Hertziana-BRaIns Ausflug in die italienische Kunstgeschichte

Einen Besuch in der Bibliotheca Hertziana wissen nicht nur Kunsthistoriker zu schätzen, auch BRaIn ließ sich von dieser bemerkenswerten  Bibliothek begeistern.

Die kunsthistorische Bibliothek, die sich im Herzen Roms, nahe der bekannten Spanischen Treppe befindet, ist weltweit  eine der eindrucksvollsten Bibliotheken zur italienischen Kunstgeschichte.

Die Bibliothek, die 1913 unter der Leitung von Ernst Steinmann  gegründet wurde,  ist heute Bibliothek und Forschungsinstitut der Max-Planck-Gesellschaft. Ihren Namen verdankt sie der Kunstmäzenin Henriette Hertz, die das Gebäude 1904 erwarb, um ihre Kunstsammlung dort unterzubringen. Nach ihrem Tode bestimmte sie testamentarisch, dass in dem Gebäude ein Forschungsinstitut für Kunst- und Kulturgeschichte eingerichtet werden solle und ihre Sammlung wurde somit der Grundstein des Instituts.

Heute befindet sich  die Bibliothek  in einem Gebäudekomplex, der aus dem Palazzo Zuccari, dem 1963 angekauften Palazzo Stroganoff und dem Villino Stroganoff besteht. Der Maler Federico Zuccari erwarb 1590 den Palazzo für sich persönlich und um einen Ort zur Förderung der Kunst zu schaffen, sozusagen eine Akademie  für Künstler aus Europa.

Seine Kunsttheorie verewigte er im Erdgeschoß des Palazzo in eindrucksvollen Fresken .

Doch die weitere Umsetzung seiner Idee, eine Kunstakademie zu schaffen,  scheiterte im Nachhinein an der Finanzierung. Die Fresken kann man im Eingangsbereich, sowie in den Arbeits- und Lesesälen bewundern. Sie spiegeln seine Kunsttheorie wieder, die aussagt,  dass Tugend und eigene  Lebensführung miteinander verschmelzen  sollen.

Tugend ist das Licht, der Weg zur Tugend ist ein steiler

Der Bibliotheksleiter, Dr. Andreas Thielemann, ließ uns wissen, dass der aktuelle Bestand mit dem Schwerpunkt italienischer Kunstgeschichte vom Mittelalter bis hin zur Neuzeit,  ca. 260.000 Bände umfasst.

Auch gibt es eine eigene Fotothek mit ca. 220.000 Fotografien, davon mehr als 158.000 Einzelwerken (Objekten) aller Gattungen, teilweise illustriert und einen Online Katalog, der mit rund 1.5 Millionen Datensätzen zu den größten kunsthistorischen Katalogen weltweit gehört. Der Katalog überzeugt den Nutzer besonders durch dessen tiefe Erschließung, die bis in die Aufsatzebene der Bestände hinein reicht.

Doch genauso, wie schon in der Bibliotheca Vaticana ist der Zugang zur Bibliothek beschränkt. Zugelassen werden Fachwissenschaftler mit Abschluss; ein Empfehlungsschreiben ist auch hier wieder von Nöten.

 

Hertziana und Digitalisierung?

Digitalisierung ist ein weiterer Schwerpunkt der Bibliothek. Es werden die wichtigsten historischen Stichwerke mit Ansichten der antiken Ruinen, Plätze, Kirchen, Paläste, Brunnen und Gärten Roms  digitalisiert. Dazu kommen Rom-Guiden vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Angezeigt werden die Titel auf einer sogenannten Kurztitelliste, von der man sofort zum OPAC und dann zum Digitalisat gelangt.

Interessant, besonders für den Fachbereich Informationswissenschaft der FH Potsdam, war es zu erfahren,  dass in der Bibliothek viel im Bereich       „ Semantic Web“ gearbeitet wird. Selbst Praktikanten müssen hier Normdaten in XML umwandeln.

Hier wird dann auch dem Studenten des Fachbereich Informationswissenschaft endlich bewußt, wieso ein großer Anteil in seinem Studium das Thema XML umfasst.

Dr. Thielemann ließ uns wissen, dass Praktikanten, die Interesse im Bereich XML  haben, in der Bibliothek  herzlich willkommen sind.

Die Bibliothek überzeugt nicht nur im klassischen Bibliotheksbereich, sondern sie bietet Forschern aus aller Welt  einen Ort zum geistigen Austausch. Veranstaltungen, Ausstellungen oder auch Konferenzen und  Symposien werden durchgeführt, genauso wie hier  Stipendien für den Nachwuchs vergeben  werden.

Am Ende einer eindrucksvollen Besichtigung ließ sich sagen:

Bibliotheca Hertziana- Ein Ort, der Kunsthistorie und moderne Forschung miteinander in Einklang bringt.

Alle Abbildungen: BRaIn-Team