ISSN: 1867-6189
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Bibliothekswesen in Spanien

In den letzten 30 Jahren erfolgten eine große Modernisierung des Landes sowie wichtige Fortschritte für die spanische Bibliotheksentwicklung. Der Staat reagiert auf die Veränderungen der Informationsgesellschaft. Bibliotheken übernehmen neue Rollen und Aufgabengebiete vor allem in den Bereichen Bildung, Forschung, Information und Kultur. Die zentrale Verwaltung Spaniens muss den Schutz und die Förderung des spanischen Kulturgutes garantieren sowie den Zugang für jeden Bürger. Regionale Regierungen haben den Auftrag, im jeweiligen Territorium Verantwortung für Bibliothekspolitik und die Beaufsichtigung der Bibliothekssysteme zu übernehmen. Auf nationaler Ebene gesehen übernimmt hier die zentrale Verwaltung die Verantwortung für den Bibliothekssektor. Das zuständige Koordinierungsorgan nennt sich in Spanien „Subdirecciòn General de Coordniaciòn Bibliothecaria“. Seit dem Jahr 1985 sind Kommunen mit über 5000 Einwohnern verpflichtet, für ihre Bürger bibliothekarische Dienstleistungen zu erbringen. Außerdem beteiligen sich die Kommunen ebenfalls an überkommunalen bibliothekarischen Dienstleistungen. In Spanien existieren derzeit mehr als 5.200 öffentliche Bibliotheken, welche von kommunalen, regionalen oder nationalen Behörden getragen werden. Ebenfalls bestehen ca. 240 Bibliotheken mit universellen Trägern und 900 Bibliotheken mit privater Trägerschaft. Eine staatliche Trägerschaft haben nur die Einrichtungen, welche als Kulturgut der Spanier angesehen werden, wie beispielsweise die „Bibliotheca National de Espana“. Jedoch fehlen spanischen Bibliotheken finanzielle Mittel auf allen Ebenen und wirtschaftliche Möglichkeiten sind begrenzt. In Spanien werden mehrere Typen von Bibliotheken unterschieden. Diese sind den deutschen  Bibliotheken sehr ähnlich. Die Einteilung erfolgt in Nationalbibliothek, Zentralbibliotheken, öffentliche Bibliotheken, wissenschaftliche Bibliotheken, Spezialbibliotheken wie auch Bibliotheken für besondere Bevölkerungsgruppen. Sie werden vor allem durch ihre Bestände, Benutzergruppen, Umfang und Träger voneinander getrennt. Aufgabenschwerpunkt der öffentlichen Bibliotheken liegt auf Bildung und Kultur. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Bibliotheken Spaniens wie zum Beispiel die Universitätsbibliothek, welche den Zugang zu Fachinformationen und Wissenschaft bewirken. Außerdem existieren die sogenannten „Mischtypen“, beispielsweise Zentralbibliotheken. Diese stehen oft in Verbindung mit öffentlichen Bibliotheken und übernehmen regionale Aufgaben. Ein entscheidender Vorteil der spanischen Bibliotheken gegenüber dem deutschen Bibliothekssystem sind die langen Öffnungszeiten. Es wird großer Wert darauf gelegt, da Bibliotheken eine wichtige Arbeitsstätte für Schüler und Studenten bedeuten. Vor allem Studenten können die Bibliotheksräume bis in die Nacht wie auch Samstag und Sonntag nutzen. In großen Universitätsbibliotheken stehen Lesesäle 24 Stunden an 7 Tage die Woche zur Verfügung.  Ebenfalls ist die Anzahl der Medien, die Benutzer ausleihen können deutlich höher als in Deutschland. Die wichtigste und einflussreichste Bibliothek in Spanien ist die Nationalbibliothek in Madrid. Die 1712 gegründete Einrichtung beinhaltet einen Bestand von über 26 Millionen Medieneinheiten. Die ehemals „Königliche Bibliothek“ wurde 1836 in „Nationalbibliothek“ umbenannt.

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Nationalbibliothek Madrid