ISSN: 1867-6189
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Das 20. Jubiläum von BOBCATSSS

Die 20. BOBCATSSS-Konferenz – ein Jubiläum.
Über 400 Fachleute und Studenten aus etwa 35 Nationen im Bereich der Informationswissenschaften folgten der Einladung der Hogeschool van Amsterdam (NL), der Hanze University of Applied Sciences Groningen (NL) und der Hochschule der Medien in Stuttgart (GER) zur BOBCATSSS-Konferenz vom 23.1.-25.1.2012 in Amsterdam.  Viele Vorträge, Workshops und auch „social programs“ wurden vor allem durch die Studierenden durchgeführt.

Ein Jubiläum ist ein guter Zeitpunkt, um zu thematisieren, was sich in den letzten Jahren so schnell entwickelt hat und uns heute in unserem Berufsfeld herausfordert, was jedoch auch enorme Möglichkeiten birgt: die digitale Informationswelt. So lautete das plakative Thema der diesjährigen BOBCATSSS-Konferenz „Information in E-Motion“.

Passend zu diesem Leitmotiv bezog sich Alan N. Shapiro, einer der vier Hauptredner, in seinem Vortrag auf die Frage „How Can We Redefine Information in the Age of Social Media?“. Der Kulturtheoretiker wurde 1956 in New York geboren und studierte unter anderem Wissenschaftstechnologie, Philosophie, Geschichte und Literatur. 2004 veröffentlichte Shapiro „Star Trek: Technologies of Disappearance“, eine bedeutende Arbeit auf dem Gebiet der Science-Fiction-Studien und der Konzeption einer futuristischen Technowissenschaft. Auf der Konferenz thematisierte er nun das Verständnis des Begriffes Information und deren Verbreitung in der heutigen Zeit, „in the Age of Social Media“.

E-Media in Motion
Riesige Datenmengen und Informationen liegen nur in digitaler Form vor und es werden mit jedem Tag mehr. Medien und Geräte, durch die der Zugang zu digitalen Informationen geleistet wird, veralten fast genau so schnell wie sie auf den Markt gelangen und werden durch neuere, schnellere und bessere ersetzt. Wir können dynamische Entwicklungen beispielsweise im Bereich der Crossmedia, der „augmented reality“ und des Web 2.0 beobachten. Unter dem Titel „E-Media in Motion“ wurden dazu Präsentationen gehalten.

Über die Auswirkungen auf unser menschliches Gehirn durch den Gebrauch der E-Medien sprach Paul Sturges, ein weiterer Hauptredner. In seinem Vortrag mit dem Titel „The Brain and e-Information: Lessons from Popular Neuroscience“, erläuterte er die bewussten und unbewussten Vorgänge, die bei der Informationssuche und -verarbeitung während des Umgangs mit E-Medien vonstattengehen und wodurch sie beeinflusst werden. Sturges dozierte und forschte bereits in über 60 Ländern und referierte im Rahmen zahlreicher internationaler Konferenzen. Als Vorsitzender führte er 2003 bis 2009 den „Ausschuss (der IFLA) für den freien Zugang zu Informationen und Meinungsfreiheit“ (FAIFE). Als Professor der Bibliotheksstudien lehrt er zurzeit an der Loughborough Universität in Großbritannien.

My Information
Fast jeder ist in unserer heutigen Gesellschaft in sozialen Netzwerken, Foren oder Ähnlichem unterwegs. Fast jeder kommentiert, betätigt den „Like-It“-Button und stellt persönliche Daten von sich ins Web. Unter dem Titel „My Information“ gab es Vorträge und Workshops zu dieser Entwicklung und zu den Fragen, die daraus resultieren: Wer hat Zugang zu diesen Daten und kann sie dem entsprechend gebrauchen? Sind es Behörden oder die Regierung? Sind es Profitorganisationen oder kann das jemand X-Beliebiges sein?

Über dieses Thema referierte als dritte Hauptrednerin Karin Spaink. Sie hielt den Vortrag “Privacy ist he Cornerstone of Personal Safety“, worin sie die Problematik des Datenmissbrauchs aufgriff.
Als Vorsitzende der „Dutch Big Brother Awards“ verleiht Spaink diesen Preis an Firmen, Organisationen und Personen, die gegen die Privatsphäre verstoßen. Im Jahr 1957 geboren, arbeitet die studierte Soziologin, Journalistin und Feministin zurzeit an einem Buch über die historischen Hintergründe öffentlicher niederländischer Internetdienste.

Auch Anne Helmond griff als vierte Hauptrednerin die oben genannte Problematik in ihrer Präsentation „The Like Economy and the Politics of Data in the Social Web“ auf. Sie beschrieb die derzeitige Entwicklung unserer Gesellschaft zur „Like-Economy“ – das heißt, dass die Nutzung der „Gefällt-mir“-Funktion auf Facebook oder auch auf anderen Webseiten so missbraucht wird, dass soziale Daten daraus gezogen und sie weitergegeben werden. Die Bloggerin studierte 1999 bis 2008 Interaktions-Design und Neue Medien. Blogs und die „social media“-Politik bilden ihr Forschungsgebiet. Des Weiteren lehrte sie bereits im Bereich der neuen Medien und der Suchmaschinen-Technologie.

Andere Unterthemen, die auf der BOBCATSSS-Konferenz behandelt wurden, liefen unter dem Titel „Organizations 2.0“ und „Access to Public Information“.
Informationswissenschaftler und auch Unternehmen müssen sich in der rasanten und herausfordernden Entwicklung positionieren. So müssen sie sich im Sinne der „Organizations 2.0“ mit anderen vernetzen sowie die Möglichkeiten schaffen, unsere Informationen richtig zu erstellen, zu organisieren und zu archivieren und letztendlich durch die passenden Strategien zu profitieren.
Des Weiteren entstehen zu jeder Zeit, an allerlei Orten und zu verschiedenen Zwecken Daten und Informationen. Möglichst vielen Menschen Zugang zu Informationen zu gewähren, ist eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren unserer Demokratie. In der Themenreihe „Access to Public Information“ wurden Strategien und Geschehnisse betrachtet, die Einfluss auf die Veröffentlichung der Informationen haben. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage behandelt, wer dafür überhaupt die Verantwortung übernimmt. Ist es Aufgabe der Regierung oder der Informationseinrichtungen? Oder könnten andere unabhängige Organisationen diese Aufgabe erfüllen?

Mit all diesen Fragen und Themen setzten sich die Fachleute, Professoren und Studenten der Informationswissenschaften auf der 20. Konferenz von BOBCATSSS auseinander.
Denkanstöße wurden gegeben und Diskussionen wurden angeregt, die uns noch weiter nachgehen werden. Wir sind gespannt, auf welche Entwicklungen wir beim nächsten Jubiläum zurückblicken werden.

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Quellen:
BOBCATSSS 2012, 2010. Information in e-motion. [online] Available at: <http://www.BOBCATSSS2012.org/programme/themes/> [Accessed 31 January 2012].

BOBCATSSS 2012, 2010. Keynote speakers. [online] Available at: <http://www.BOBCATSSS2012.org/programme/keynote-speakers/> [Accessed 31 January 2012].

Dictionary.com, LLC. Copyright, 2012. found unfounded: Karin Spaink [online] Available at: <http://www.reference.com/browse/found+unfounded> [Accessed 31 January 2012].

LinkedIn Corporation, 2011. Karin Spaink: Director at De Canta danst! [online] Available at: <http://nl.linkedin.com/in/karinspaink> [Accessed 31 January 2012].

Alan N. Shapiro, Technologist and Futurist, 2012.  Alan N. Shapiro, Technologist and Futurist. [online] Available at: <http://www.alan-shapiro.com/about/> [Accessed 31 January 2012].

cultiv Gesellschaft für internationale Kulturprojekte e.V., 2012. Alan N. Shapiro. [online] Available at: <http://www.cpov.de/?page_id=518> [Accessed 31 January 2012].

Department of Information Science Loughborough University, 2012. Prof Paul Sturges OBE. [online] Available at: <http://www.lboro.ac.uk/departments/ls/people/psturges.html> [Accessed 31 Januara 2012].

LinkedIn Corporation, 2011. Paul Sturges: Professor emeritus at Loughborough University (and IFLA). [online] Available at: <http://uk.linkedin.com/pub/paul-sturges/24/395/57 > [Accessed 31 January 2012].

Anne Helmond. New Media Research Blog, 2012. About. [online] Available at: <http://www.annehelmond.nl/about/> [Accessed 31 January 2012].

Die Zentralbibliothek – Das „institutionelle Gedächtnis“ der Europäischen Kommission

Die Zentralbibliothek der Europäischen Kommission wurde im Jahre 1958 gegründet. Sie besitzt sowohl in Luxemburg als auch in Brüssel einen Standort.

Untergebracht ist die Bibliothek in Brüssel in dem alten Gebäude des Klosters Van Maerlant. Trotz Renovierung und Sanierung weisen hohe Giebel und Fenster noch etwas von dem Charme auf und verschaffen eine angenehme Atmosphäre, um an den dortigen Arbeitsplätzen zu arbeiten.

Zentralbibliothek der EU-Kommission im alten Klostergebäude

Zentralbibliothek der EU-Kommission (Autorin: Maria Fentz)

Nutzen können die Bibliothek die Mitglieder der Kommission und Beamte aller EU-Institutionen. Nach Anmeldung hat auch die interessierte Öffentlichkeit wie Juristen, Studenten und Lehrer Zugang zu den Angeboten der Bibliothek.

Zu den Angeboten zählen ein Bestand von über 505.000 Werken und eine Vielzahl von elektronischen Ressourcen. Der Bestand umfasst Titel seit dem Zeitraum der Europäischen Einigung in den 50er Jahren.

Innenräume der Zentralbibliothek

Innenräume der Zentralbibliothek (Autorin: Maria Fentz)

Grundlage für die Sammlungen der Zentralbibliothek sind deshalb auch die Bestände der „Hohen Behörden“ der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der Euratom- und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG-Kommission).

Unter den Sammlungen befinden sich viele offizielle Publikationen der Institutionen aller Mitgliedsländern der Europäischen Union in allen 23 Amtssprachen, aber auch kommerzielle und akademische sowie andere staatliche Veröffentlichungen werden von der Bibliothek erworben und zur Verfügung gestellt.
Der thematische Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf der jüngsten europäischen Geschichte und Integration und gibt so einen aktuellen, aber auch historischen Überblick. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal erfüllt die Bibliothek ihre Aufgabe zum „Projekt Europa“ beizutragen und die Aktivität der europäischen Bürgerschaft zu unterstützen.

Andere Sachgebiete sind beispielsweise Internationale Zusammenarbeit, Wirtschaft, Recht, Kultur, Industrie und Handel, um möglichst alle politisch relevanten Bereiche und Kompetenzen der Kommissionsmitglieder abzudecken.

Weitere Dienstleistungen sind eine wöchentliche Veröffentlichung über die Neuzugänge, eine zusammengestellte Auswahl von interessanten Zeitschriftartikeln, die Fernleihe sowie der Dokumentlieferdienst. Des Weiteren finden viele Schulungen sowohl für Kommissionsmitglieder als auch für alle im Bibliotheksnetz (Réseaubib) und Informationszentren der EU-Kommission angestellten Mitarbeiter  statt. Die Mitglieder erhalten Trainings beispielsweise im Umgang mit dem Katalog und das Personal Beratung und Unterstützung in verwaltungstechnischen Angelegenheiten. Die Benutzer haben die Möglichkeit Rechercheanfragen an die Bibliotheksmitarbeiter in Auftrag zu stellen und mit Hilfe von individuellen RSS-Feeds und Web 2.0- Technologien aktuelle Informationen und Angebote der Bibliothek zu verfolgen.

Um in den Beständen der Zentralbibliothek zu recherchieren steht der Verbundkatalog ECLAS allen frei zur Verfügung. Der Verbund besteht aus der Zentralbibliothek und 25 weiteren Spezialbibliotheken und Dokumentationszentren. Er enthält Dokumente seit dem Jahre 1978, Erscheinungen aus den Jahren davor sind noch in den Zettelkatalog verzeichnet. Zusätzlich zu den bibliographischen Referenzen sind in ihm sämtliche Online-Ressourcen verlinkt und bieten den Nutzern somit ein breites Informationsspektrum.

Die Zentralbibliothek der Europäischen Kommission liefert aufgrund ihrer umfangreichen und spezifischen Sammlung einen wichtigen Beitrag zur Arbeit der EU-Kommission, die hauptsächlich darin besteht Aufgaben der Exekutive auszuführen und somit die europäische Integration voranzutreiben.

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Quellen: