ISSN: 1867-6189
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Buon Giorno bella Milano

Paris. London. New York. Die Rede ist von weltweiten Modemetropolen. Doch eine berühmte Modestadt sollte keineswegs in den Hintergrund geraten – M a i  l a n d. Neben mehr als 1,3[1] Millionen Einwohnern zählt die italienische Provinzhauptstadt der Region Lombardei einige große Namen der Modeszene zu ihren Kindern: Armani, Gucci, Dolce & Gabbana, Versace und auch Prada sind zwar in der Welt zu Hause, dennoch in Mailand beheimatet[2].

Mode, Kunst und Kultur sind die Säulen einer interessanten Stadt und mit viel Charme und Individualität verziert, werden Ausflüge zu einem besonderen Erlebnis. Und diesem Erlebnis der besonderen Art konnten die angehenden Archivare, Bibliothekare und Dokumentare der FH Potsdam wieder einmal zuteilwerden. Für 4 Tage im Juni verließen wir als „BRaIn-Experten“ good old Germany, wo zu dieser Zeit die Sonne brannte, um in Norditalien dem Feuerball noch etwas näher auf die Pelle zu rücken und unseren eifrigen Lesern die kulturellen Schätze Mailands näher zu bringen als auch – wie sollte es anders sein – von berühmten und eindrucksvollen Bibliotheken zu berichten. Nach lediglich anderthalb Flugstunden befanden wir uns auch schon auf dem Weg in die Innenstadt Mailands und konnten Italiener im Business-Outfit und Damen in stilvoller Sommerbekleidung auf ihren Motorrollern, wohl der Marke Vespa, an jede Ampel vorbeirauschen sehen. Die kommenden Tage sollten vielversprechend werden. Geplant war unter anderem auch ein Besuch im Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie. Dieses recht kleine Kloster verwahrt jedoch eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt. Wir sollten bald Gelegenheit erhalten, „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci zu bewundern.

Mailand findet den perfekten Mittelweg zwischen Geschichte und Moderne. Insbesondere der Stadtkern Mailands, genauer gesagt die Gegend um die Piazza del Duomo, lässt die Herzen kulturell Interessierter höher schlagen. Sobald die letzte Treppenstufe aus der Metro kommend, in Richtung Domplatz, erklommen ist, liefert der Duomo di Santa Maria Nascente, auch als Mailänder Dom bekannt, die Steilvorlage für ein tolles Foto. Der Grundstein für die zweitgrößte[3] Kirche Italiens und flächenmäßig drittgrößte[4] Kirche der Welt wurde im 14. Jahrhundert gelegt und noch heute ist das imposante Bauwerk nicht vollendet. Smog und andere äußere Einflüsse lassen den Dom in einem ständigen Restaurierungsprojekt verharren[5]. Doch wer schon mal in Mailand ist, darf sich einen Besuch auf der Dachterrasse des Doms keineswegs entgehen lassen. Aus der Nähe betrachtet und mit etwas Fantasie, erwachen über 3000 Statuen, die das Bauwerk im gotischen und barocken Stil zieren, zum Leben und bei schönem Wetter reicht der Ausblick über die Stadt und sogar bis zu den Alpen[6].

Duomo di Santa Maria Nascente

Duomo di Santa Maria Nascente
(Urheberin: Gina Seliger)

Nur wenige Schritte vom Dom entfernt, bietet die Piazza del Duomo mit ihrer Galleria Vittorio Emanuele II. eine prachtvoll erbaute Flaniermeile, die neben noblen Cafés und Restaurants die Boutiquen einiger bekannter Modemarken beherbergt. Wie die Erfahrung dennoch zeigt, findet man neben Gucci und Prada aber auch unzählige tolle Geschäfte geringerer Preisklassen vor.

Lassen wir den Blick in die Mailänder Opernszene schweifen, ist an erster Stelle das Teatro alla Scala zu bewundern. Der Bau des weltberühmten Opernhauses an der Piazza della Scala, auch als Mailänder Scala bekannt, wurde im 18. Jahrhundert von Maria Theresia veranlasst.[7] Einige Uraufführungen von Guiseppe Verdis berühmten Opern wurden hier präsentiert. Heutzutage beherbergt das Gebäude zusätzlich ein Theatermuseum. Einzig der Blick in das Innere des Opernhauses ist goldwert, wie auch wir feststellen konnten.

Unser Exkursionsplan bot uns ein straffes, aber interessantes Programm und nicht weniger die Exkursionen in die Bibliotheken Mailands erinnerten uns daran,  dass wir in einem der kulturell beeindruckendsten Zentren Europas gelandet sind. Zu den Highlights dieser Ausflüge zählten die Biblioteca Ambrosiana, die weltberühmte Schätze verwahrt und uns einen Einblick in Leonardo da Vincis spiegelverkehrter Handschrift gewährte. Das Archivio Storico Civico und die Biblioteca Trivulziana, die uns Manuskripte und Inkunabeln zum Anfassen nahe brachten. Die Biblioteca Nazionale Braidense, eine der sieben Nationalbibliotheken Italiens, die uns allein schon durch ihre eindrucksvollen Räumlichkeiten im Gedächtnis bleiben wird. Und zu guter Letzt eine Öffentliche Bibliothek im Landhaus-Stil, die ihre Kinder- und Jugendbibliothek so liebevoll eingerichtet hat und über ein außerordentlich engagiertes Personal verfügt, sodass auch dieser Besuch zu einem interessanten fachlichen Austausch wurde. Es spielte keine Rolle, in welchem Hause wir zu Besuch waren, die italienischen Landsleute kamen uns überaus gastfreundlich entgegen und erfreuten sich unseres Besuches.

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O-Saft-Automat
(Urheberin: Gina Seliger)

Verlassen wir nun für einen Moment die wunderbaren Sehenswürdigkeiten Mailands und widmen uns dem landestypischen und auch gemütlichen Teil unserer Reise: Wenn wir am Tage gut zu Fuß unterwegs waren und neue Eindrücke sammelten, versetzten uns die Mailändischen Straßen des jugendlichen und künstlerischen Stadtteils Naviglio in eine entspannte Urlaubsatmosphäre. Nun war der Zeitpunkt gekommen, um die Beine hochzulegen und sich bei einem leckeren Cocktail von den kulinarischen Feinheiten der italienischen Küche verwöhnen zu lassen. Insbesondere Mailand ist für seine Aperitivo-Kultur bekannt. Vor dem Essen wird ein (alkoholisches) Getränk zu sich genommen, um den Appetit anzuregen. Schnell kommt man hier auf den Geschmack und lässt die Seele baumeln. Auch an diesen Abenden empfanden wir die Italiener als höflich und zuvorkommend. Und auch sonst sind einige Dinge anders geregelt als in Deutschland. Eine klimatisierte Metro, Gepäckförderbänder anstelle von Treppenstufen und Automaten, die auf Knopfdruck frisch gepressten Orangensaft anbieten, gehören in Mailand wohl zu den alltäglichen, komfortablen Dingen, die das U-Bahnfahren angenehmer gestalten.

Dennoch geht jede Reise einmal zuende und obwohl wir viel gesehen haben, lässt sich Mailand wohl nicht an knapp 4 Tagen erschließen. Mit Sicherheit plant der ein oder die andere einen weiteren Ausflug in die Weltmetropole, um sich erneut dem Mailänder Charme hinzugeben. So bleibt uns nur noch zu sagen: „Arrivederci Milano“.


[1] Vgl. Baedeker-Allianz-Reiseführer: Oberitalienische Seen, Lombardei, Mailand (2008), S. 247.

[2] Vgl. Wikipedia: (https://de.wikipedia.org/wiki/Mailand,  letzter Zugriff: 26.6.2013).

[3] Vgl. Baedeker-Allianz-Reiseführer: Oberitalienische Seen, Lombardei, Mailand (2008), S. 250.

[4] Vgl. Wikipedia: (http://de.wikipedia.org/wiki/Mail%C3%A4nder_Dom,  letzter Zugriff: 26.6.2013).

[5] Vgl. Baedeker-Allianz-Reiseführer: Oberitalienische Seen, Lombardei, Mailand (2008), S. 251.

[6] Vgl. Baedeker-Allianz-Reiseführer: Oberitalienische Seen, Lombardei, Mailand (2008), S. 250 f.

[7] Vgl. Wikipedia: (https://de.wikipedia.org/wiki/Teatro_alla_Scala,  letzter Zugriff: 26.6.2013).

Vienna calling…

17. Dezember 2012, eine Gruppe von zehn Studenten und ein Professor landen am Flughafen. Sie sind vor dem Weihnachtstrubel geflüchtet, könnte man meinen. Doch sind sie nicht im warmen Süden gelandet, sondern in Wien. Es ist dunkel, kalt, nass und immer noch Winter. Wieso also dann Wien? Weil jedermann von dieser prunkvollen Stadt hört und spricht, wurde es Zeit sich selbst davon zu überzeugen.

Da wären wir also, gerade noch in Berlin, jetzt schon in Wien. Viel sehen konnte man am ersten Abend noch nicht, doch bereits am nächsten Tag zog die Stadt uns in ihren Bann. Denn selbst im Regen und im tiefsten grauen Winter zeigte Wien seinen unverwechselbaren Charme.

Die Bundeshauptstadt von Österreich zählt aktuell etwa 1,7 Mio Einwohner und beherbergt so ganz nebenbei auch noch einen der vier Amtssitze der Vereinten Nationen und wird deshalb auch als UNO-City bezeichnet.[1] Aufgrund seiner internationalen politischen Einflüsse ist Wien auch als Weltstadt bekannt. Wien war durch die Habsburger Regentschaft jahrhundertelang auch kaiserliche Hauptstadt und Reichsresidenz.[2]

Bis in die heutige Zeit verbindet man die Stadt mit dem bekannten Kaiserpaar Sisi und Franz. Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. heiratete die junge Elisabeth von Bayern 1854 in der Augustinerkirche in Wien, die 1330 erbaut wurde. Der Geburtsort Kaiser Franz Josephs I. war das weltberühmte Schloss Schönbrunn, welches ab 1696 erbaut wurde. Heute lockt es als Weltkulturerbe und meistbesuchte Sehenswürdigkeit Wiens Touristen aus aller Welt an. Wien glänzt mit einer Vielzahl weiterer prunkvoller Bauten, erwähnenswert wären unter anderem das Belvedere, die Hofburg und zahlreiche Kirchen.[3]

Die Österreichische Nationalbibliothek (Hofburg)

Die Österreichische Nationalbibliothek (Hofburg) (Urheberin: Sandra Düllmann)

Als weiteres Wahrzeichen gilt der Stephansdom inmitten der Stadt am Stephansplatz. Die Entstehungszeit der Dom- und Metropolitankirche St. Stephan geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ein Lichtprojekt, anlässlich der vergangenen „Langen Nacht der Kirchen“, initiiert von der Installationskünstlerin Victoria Coelns, sorgte für ein eindrucksvolles farbliches Lichterspiel, welches uns und zahlreiche Besucher faszinierte.[4]

Stephansdom illuminiert

Der Stephansdom (Urheber: Stephan Büttner)

Machen wir einen Sprung zu den kulinarischen Spezialitäten Wiens. In jedem Reiseführer wird neben dem Wiener Schnitzel und dem Kaiserschmarrn, die Sachertorte, eine Schokoladentorte mit Marillenmarmelade und Schokoladenglasur als Wiener Spezialität gepriesen. Wir können deshalb einen Besuch im Café „Griensteidl“ nur empfehlen. Hier gingen bereits berühmte Dichter wie Arthur Schnitzler und Hugo von Hoffmannsthal ein und aus.[5] Das Kaffeehaus befindet sich am Michaelerplatz, nahe des Sisi Museums und der Spanischen Hofreitschule, die nur einen Katzensprung vom Stellplatz der Pferde entfernt ist.

Die Spanische Hofreitschule

Die Spanische Hofreitschule (Urheberin: Sandra Düllmann)

Ebenfalls zu Wiens bekannten Sehenswürdigkeiten zählen die Wiener Staatsoper, der Prater, das Hundertwasserhaus, sowie eine Vielzahl von Museen. Leider gab unser strammer Terminplan nur wenig Zeit für all die Sehenswürdigkeiten her. Zu den Highlights unserer Exkursion zählten die Klosterbibliothek im Schottenstift, sowie der beeindruckende Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek Wiens. Auch der Besuch auf internationalem Terrain bei der UNO hat einen besonderen Eindruck hinterlassen.

Die Zeit im „Wombats“, unserem Hostel am Westbahnhof, ist ebenfalls in guter Erinnerung geblieben. Es waren lustige Abende in gemütlicher Runde, bei denen auch mal die Studentinnen den „Herrn“ Studenten gezeigt haben wie man richtig Kicker spielt. Die Billardrunden hingegen gingen unentschieden aus.

Die Zeit verging also wie im Fluge, waren wir doch eben erst angekommen, brachen wir plötzlich schon zum Heimweg auf.

Wie schon damals Falco, ein waschechter Wiener, sang: “ Hello, hello, Vienna calling…“ bleibt vielen von uns wohl nichts anderes übrig, als wieder eine Reise nach Wien zu buchen und uns erneut Wiens Charme hinzugeben.


[1] Wien: Baedeker, 2005, S.292

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Wien, letzter Zugriff: 24.01.2013

[3] Wien: Baedeker, 2005, S.62, 159, 160, 264

[4] http://wien.orf.at/news/stories/2532645/, letzter Zugriff: 23.01.2013

[5] Wien: Baedeker, 2005, S.92

Eine Stadt in der Stadt: Das VIC in Wien

Als krönenden Abschluss besuchten wir am Mittwoch das „Vienna International Centre“, eines der vier UNO-Sitze, neben New York, Nairobi und Genf.  Nach der Sicherheitskontrolle und dem Ausstellen von Besucherausweisen fühlt man sich tatsächlich wie in einer Stadt in der Stadt. Es empfängt einem eine moderne Architektur, in der sich, wie in einer Anekdote berichtet wird, erwähnt Attentäter verlaufen sollten. Kafka lässt grüßen!

Wien Vienna International Center VIC

(Urheber: Stephan Büttner)

Trotz eines zunächst babylonisch anmutenden Sprachgewirrs dominierte eindeutig  Englisch und Deutsch – schließlich sind ca. 1/3 der 5000 Mitarbeiter aus Österreich.

Zunächst besichtigten wir die United Nations Library, die Teil des weltweiten Netzes der Bibliotheken der Vereinten Nationen ist und sehr eng mit zwei anderen Bibliotheken im Haus, der Bibliothek für Internationales Handelsrecht (UNCITRAL) und der Bibliothek des Informationsdienstes der Vereinten Nationen (UNIS) zusammenarbeitet. Interessant für uns die Unterschiede zu hören. Bei der UNICTRAL werden digital vorliegende Informationen weniger benötigt als gedruckte Medien. Der Grund? Zu teuer! Das Selbstverständnis ist „provide reference“.  Beim Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) wird hingegen nach dem Motto „Hauptsache, die Informationen liegen in digitaler Form vor“ gearbeitet.

Besonders interessant für die angehenden Dokumentare unter uns war der Besuch in der außergewöhnlichsten Bibliothek des VIC, der Bibliothek der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Seit einigen Jahren leitet der hochmotivierte Thanos Giannakopoulos diese Einrichtung und zeigte uns stolz die Bibliothek, mit den vielfältigen Services, u.a. mit diesem hier :-)

:-)

(Urheber: Stephan Büttner)

aber auch den Datenbankdienst INIS (International Nuclear Information System), eine der ältesten bibliografischen Datenbanken.

IAEA Thanos Giannakopoulos

(Urheber: Stephan Büttner)

Bereits 1970 wurden von INIS  Magnetbänder mit bibliografischen Informationen für die Mitgliedsländer der IAEA produziert. Heute sind es mehr als 3,3 Mio. Dokumentnachweise und mehr als 280.000 Volltexte. Spannend zu sehen, wie INIS erwachsen, dabei aber nicht grau geworden, sondern mit modernen Diensten mitgewachsen ist. INIS versteht sich eher als „doorway than a gatekeeper of information“. Seit 2009 ist INIS webbasiert und hat seit 2011 eine „Google-basierte“ Suche – voll im Trend.

Ein modernes Haus mit so verschiedenen Ansichten und Einsichten, eben eine Stadt in der Stadt. Uns hat es gefallen :-)

Wien Vienna International Center VIC

(Urheber: Stephan Büttner)