ISSN: 1867-6189
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Barcelona: Von Zafón und den Bibliotheken der Stadt

Autonome Gemeinschaft Katalonien
Einwohner 1,6 Millionen
Fläche 101,4 km2

Barcelona, die Stadt der Sonne, die Stadt der Künste und Geschichte und für uns besonders interessant: Barcelona, die Stadt der Bücher.

Diesen Eindruck vermittelt Zafón in seinem Roman „Der Schatten des Windes“, der sich komplett um Barcelona, Bücher, Erwachsenwerden, Einsamkeit und Erinnerungen dreht. Zu Beginn leitet Zafón den Protagonisten durch das Zentrum Barcelonas zum Friedhof der vergessenen Bücher. Die dabei beschriebenen Plätze und Straßen sind auf ihre ganz eigene Art und Weise typisch für Barcelona und geben die Stimmung des Romans perfekt wieder. Davon kann sich jeder Besucher Barcelonas selbst überzeugen, wie auch ich es tat. Hat man sich erst einmal über die große Rambla in die kleinen Gassen des Raval-Viertels geschlängelt, kann man förmlich spüren wie Daniel Sempere einem großen Mysterium auf der Spur ist und den Staub, der auf der Stadt liegt, aufwirbelt.

Urheber: Anna Palme

Calle Arco del Teatro
Urheber: Anna Palme

Bei der Calle Arco del Teatro angekommen, wagten wir uns unter dem sich in blauem Dunst abzeichnenden steinernen Bogen ins Raval-Viertel hinein. Ich folgte meinem Vater auf diesem engen Weg, eher Scharte als Straße, bis sich der Abglanz der Rambla hinter uns verlor. – Zitat aus „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón

Von dieser Stimmung inspiriert, wenn auch ohne den Friedhof der vergessenen Bücher tatsächlich gefunden zu haben, erkundeten wir die Bibliothekslandschaft Barcelonas.

Im Rahmen des Social Programs der BOBCATSSS-Konferenz wurden Bibliotheksführungen angeboten, die leider zu zahlreich waren, um sie alle wahrzunehmen. Die Eindrucksvollsten sollen hier aber kurz beschrieben werden:

Illustrationen eines Reiseberichts

Illustrationen eines Reiseberichts
Urheber: Anna Palme

Biblioteca de Reserva

Die Biblioteca de Reserva ist ein Teil der Bibliothek der Universität von Barcelona und beinhaltet die Rara-Sammlung. Ursprünglich eine Klosterbibliothek, ging diese 1835 im Zuge der Säkularisierung in den Besitz der Universität über. Sie beinhaltet zahlreiche Inkunabeln, Handschriften, Drucke, Formulare und Schriftrollen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert. Diese stehen bei berechtigtem Interesse allen Mitgliedern der Universität frei zur Verfügung.

Besonders ansehnlich war die Demonstration eines Reiseberichts mit detaillierten Illustrationen der Reiselandschaft, die man mehrfach ausklappen konnte und eines großformatigen Buchs über die Fechtkunst, das auf jede Seite Theorie eine Doppelseite mit Illustrationen der Techniken folgen ließ.

Illustrationen in einem Buch über Fechtkunst

Illustrationen in einem Buch über Fechtkunst
Urheber: Anna Palme

Bibliothek des Museums für nationale Künste Kataloniens

Diese Spezialbibliothek ist Teil des Museums der nationalen Kunst Kataloniens und befindet sich im Palau Nacional, der, platziert auf dem Montjuic, über die Stadt zu wachen scheint und einen atemberaubenden Ausblick bietet.

Die Bibliothek soll vor allem Mitarbeitern bei der Erstellung von Ausstellungen helfen und arbeitet Hand in Hand mit dem ebenfalls im selben Haus ansässigen Archiv. Beeindruckend sind hier vor allem die Räumlichkeiten, die zwar recht klein, aber einem Museum durchaus angemessen sind.

Bibliothek des Museums der nationalen Künste Kataloniens

Bibliothek des Museums der nationalen Künste Kataloniens
Urheber: Anna Palme

Biblioteca Nacional de Catalunya

Die Nationalbibliothek von Katalonien befindet sich in der Carrer de l’Hospital nicht weit entfernt vom besagten Steintor im Raval-Viertel. Die Bibliothek ist in einem Gebäude, das im 15. Jahrhundert errichtet und bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als Hospital genutzt wurde. Das Gebäude, mit seinen beeindruckenden gotischen Aspekten, gilt seit 1931 als kulturelles Erbe Spaniens.

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Biblioteca de Catalunya
Urheber: Eva May

Die Bibliothek übernimmt die typischen Aufgaben einer Nationalbibliothek für das Gebiet Katalonien. Zusätzlich beherbergt sie ein Buchmuseum, hervorgegangen aus einer privaten Buchsammlung. Dieses befindet sich in dem Raum, in dem Gaudi 1926, nach einem Unfall mit einer Straßenbahn, starb.

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Buchmuseum und Sterbeort Gaudis
Urheber: Eva May

Neben diesen Bibliotheken standen ebenfalls folgende Informationseinrichtungen zur Besichtigung auf dem Programm:

  • die Bibliothek und das Archiv der Reial Acadèmia de Ciènces i Arts de Barcelona, kurz RACAB (Königliche Akademie der Wissenschaften und Künste)
  • das Dokumentationszentrum des Orfeó Català, dem bedeutendsten Chor Kataloniens
  • die Filmoteca de Catalunya
  • und die Bibliothek und das Archiv des Museu d‘Art Contemporani de Barcelona, kurz MACBA (Museum der zeitgenössischen Kunst)

All diese Besichtigungen zeigen vor allem Eines: Neben dem Friedhof der vergessenen Bücher, hat diese Stadt noch viele andere Ort zu bieten, die sich der Aufgabe verschrieben haben, Bücher vor dem Vergessen zu bewahren. Gerade weil Barcelona so geschichtsverbunden und traditionell ist, spielen Bibliotheken, Museen und Archive hier eine große Rolle und scheinen perfekt in das Stadtbild eingegliedert zu sein. Sie stellen die Verbindung zur Vergangenheit her und halten sie in Ehren (besonders durch die Nutzung geschichtsträchtiger Räumlichkeiten), ohne dabei den Blick auf die Zukunft zu verlieren.